Monatsarchiv für September 2009

Sonnenbad1Ältere Menschen mit einem erheblichen Vitamin D-Mangel sterben deutlich früher als Menschen mit ausreichender Vitamin D-Versorgung. Das haben jetzt fast gleichzeitig zwei umfassende Studien von US-Forschern nachgewiesen.

In einer Untersuchung der  Johns Hopkins Universität wurden mehr als 700 Heim-Bewohnerinnen zwischen 70 und 79 Jahren über einen Zeitraum von 72 Monaten regelmäßig untersucht, interviewt und ihr Vitamin D (25 hydroxivitamin D)  Spiegel im Blut bestimmt.

100 Frauen starben im Untersuchungszeitraum.   Es zeigte sich, dass die Frauen mit einem Vitamin D-Defizit (geringer als 38 nmol/L,  15.3 ng/mL)  ein mehr als doppelt so hoher Risiko (2, 45)  hatten, im Untersuchungszeitraum zu versterben als die Frauen mit optimalen Werten (über 67.4 nmol/L, 27.0 ng/mL) – egal aus welchen Ursachen.

Ganz ähnlich die Ergebnisse einer Forschungsgruppe an der University of Colorado Denver und dem Massachusetts General Hospital (MGH), Boston. Unter Leitung von Prof. Adit Ginde verglich die Gruppe die früher erhobenen Vitamin D-Werte im Blut von 3.400 älteren Menschen – repräsentativ für 24 Millionen ältere Amerikaner -  mit den in der Zwischenzeit eingetretenen Todesfällen.

Ergebnis:  Die älteren Menschen mit einem Vitamin D-Mangel hatten ein um das Dreifache erhöhtes Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben im Vergleich zu Probanden mit einem optimalen Vitamin D-Spiegel. Unabhängig von der Todesursache lag das Risiko immer noch um das 2,5-fache höher.

Prof. Ginde:  “Mehr als ein Drittel der Älteren haben einen Vitamin D-Spiegel, der ein deutlich erhöhtes Risko eines vorzeitigen Todes nahelegt. Nur wenige haben tatsächlich einen optimalen Vitamin D-Spiegel für`s Überleben.” Für das Gesundheitssystem in einer alternden Gesellschaft sei diese Unterversorgung von größter Bedeutung.

Die Haut gerade älterer Menschen sei weniger der Sonne ausgesetzt. Sie  blieben  häufiger in geschlossenen Räumen und darüber hinaus sei ihre Haut weniger in der Lage, Vitamin D zu bilden.

Die Autoren hatten bereits in einer früheren Studie in diesem Jahr die bedeutende Rolle von Vitamin D bei der Stärkung des Immunsystems und der Verhinderung von Grippe und anderen Infektionskrankeiten nachgewiesen.

Quelle: MedWise/ScienceDaily

Studien:

Richard D. Semba et al., Low serum 25-hydroxyvitamin D concentrations are associated with greater all-cause mortality in older community-dwelling women, Nutrition Research, Volume 29/8, August 2009, 525-530

Ergänzung Februar 2010 (Erweiterte Studie):
Richard D. Semba et al.,  Relationship of 25-hydroxyvitamin D with all-cause and cardiovascular disease mortality in older community-dwelling adultsEuropean  Journal of  Clinical Nutrition, 2010 Feb;64(2):203-9

Adit A. Ginde et al.,  Prospective Study of Serum 25-Hydroxyvitamin D Level, Cardiovascular Disease Mortality, and All-Cause Mortality in Older U.S. Adults, Journal of the American Geriatrics Society, Volume 57 Issue 9, Pages 1595 – 1603

Schmerz-Fotolia

Sonnenbank lindert den Schmerz

Die UV-Strahlen der Sonnenbank helfen gegen eine schmerzhafte Krankheit, der ansonsten nur schwer beizukommen ist, der Fibromyalgie, unspezifische Schmerzen unterschiedlicher, oft unbekannter Ursache.

Dass die Sonnenstrahlen Schmerzen lindern können, ist eine Alltagserfahrung. Eine wissenschaftliche Bestätigung liefert jetzt eine Studie von Forschern der Wake Forest Universität, North Carolina, USA. In einer Pilotstudie gingen sie der Frage nach, ob UV-Strahlen eines Solariums chronischen Schmerz lindern kann.

Sie schickten 19 Männer und Frauen, die unter Fibromyalgie litten, zwei Wochen lang auf Sonnenbänke mit unterschiedlicher UV-Strahlung. In weiteren sechs Wochen wurde eine Gruppe weiterhin mit UV-Licht bestrahlt, während die andere Gruppe auf Sonnenbänken mit Licht ohne UV-Anteile “sonnten”.
Vier Wochen nach der letzten Sonnenbank-Sitzung wurden die Probanden interviewt und ihr Schmerzempfinden auf einer 11stufigen Skala erfasst.

Schon nach den ersten zwei Wochen zeigte sich nicht nur eine Verbesserung der Schmerzen sondern auch ein fast dreifach besseres Allgemeinbefinden und eine entspanntere, aufgehellte Stimmungslage bei den Teilnehmern mit UV-Bestrahlung gegenüber den Teilnehmern, die ohne UV bestrahlt worden waren.

Die darauf folgenden sechs Wochen mit Bestrahlungen auf der Sonnenbank führten zwar zu einer weiteren aber weniger spektakulären Linderung der Schmerzen bei den UV-bestrahlten Patienten im Vergleich zur Kontrollgruppe. Danach brachten weitere Bestrahlungen mit UV-Licht keine zusätzlichen Verbesserungen mehr für die UV-Gruppe.

Der Nachweis war erbracht: UV-Licht von der Sonnenbank hilft selbst gegen die hartnäckigen Schmerzen einer Fibromyalgie.

Vor einigen Monaten erst hatte eine Forschergruppe bei der Suche nach den Gründen für die “Sonnen- oder Bräunungs-Sucht” (Tanerexie) die gleiche Entdeckung gemacht: Menschen, denen auf der Sonnenbank derSchmerz genommen oder gelindert wurde, waren “süchtig” nach der künstlichen Besonnung. (Ähnlich auch hier)

Quelle: Science Daily

Studie: Sarah L. Taylor et al.,  Pilot Study of the Effect of Ultraviolet Light on Pain and Mood in Fibromyalgia Syndrome, The Journal of Alternative and Complementary Medicine, 2009, 15(1): 15-23

Vitamin D reguliert die Zellteilung und hilft, beschädigte DNA-Zellen zu reparieren. Menschen mit einem ausreichenden Vitamin D-Spiegel verbessern ihre Chance, ein Melanom ohne Rückfall zu überleben um mehr als 20 Prozent gegenüber anderen mit einem um lediglich 20 nmol/L niedrigerem Serum-Gehalt im Blut.

Wissenschaftler von der Universität Leeds in England und der University of Pennsylvania, USA, kommen zu diesem Schluss in einer Studie über knapp 5 Jahre mit 872 Patienten aus der Leeds Melanoma Cohort.

Ein Zusammenhang zeigte sich bei höherem Vitamin D-Spiegel mit sowohl einem dünneren Melanom zum Zeitpunkt der Diagnose als auch einer deutlich erhöhten Überlebensrate.

Über frühere Studien mit ähnlichen Ergebnissen haben wir hier und hier berichtet.

Quelle: HighWire

Studie:  Julia A. Newton-Bishop et al.,  Serum 25-Hydroxyvitamin D3 Levels Are Associated With Breslow Thickness at Presentation and Survival From Melanoma,   Journal of  Clin Oncology,  2009, 21. Sepeptember, online vorab publiziert

Sonnenschein ohne Sonnenschein-Vitamin - Foto: iStockphoto

Sonnenschein ohne Sonnenschein-Vitamin - Foto: iStockphoto

Wieviel Sonnenlicht dringt durch Fensterglas? Wieviel UV-Strahlen erreichen den typischen Büroangestellten und andere Menschen, die sich tagsüber in geschlossenen Räumen aufhalten (müssen)? Und was sind die Folgen?

Diesen Fragen sind jetzt brasilianische Wissenschaftler nachgegangen. Sie maßen die UVA- und die UVB-Strahlen an einer Strahlenquelle und  in verschiedenen Abständen hinter normalem Fensterglas und hinter Verbundglas verschiedener Dicke und verglichen die Ergebnisse:

UVB wurde in allen Fällen durch das Fensterglas ausgefiltert. UVA drang noch zu knapp 75 Prozent durch normales Fensterglas, wurde aber vom Verbundglas ebenfalls völlig ausgefiltert. Grünes Glas erwies sich als effektivster UV-Blocker. Erstaunlicherweise machte die Dicke des Glases keinen Unterschied bei der UV-Durchlässigkeit.

Die gute Nachricht hinter diesem Forschungsergebnis: Einen Sonnenbrand muss im Büro bei geschlossenen Fenstern niemand befürchten.

Die schlechte Nachricht: Auch wenn die Sonne noch so freundlich durch das Bürofenster scheint, zur Versorgung mit dem lebenswichtigen “Sonnenschein-Vitamin D” trägt sie nichts bei. Vitamin D wird ausschließlich von den UVB-Strahlen in der Haut gebildet.

Auf den Mangel an Vitamin D durch fehlende UVB-Bestrahlung führen viele Experten die erstaunliche Tatsache zurück, dass Büroangestellte häufiger an einem Melanom erkranken als Menschen, die im Freien arbeiten.

Erst im April dieses Jahres hatte eine Studie der US-Food and Drug Administration (FDA – Center for Devices and Radiological Health) diese Tatsache neu bestätigt und sowohl die höhere UVA-Belastung der Büroarbeiter als auch den deutlich niedrigeren Vitamin D-Pegel im Blut durch mangelnde UVB-Bestrahlung für die höhere Melanom-Inzidenhz bei Menschen im Büro verantwortlich gemacht.

Quelle:  Hautstadt.de

Studien:
Ida Duarte et al.,  The role of glass as a barrier against the transmission of ultraviolet radiation: an experimental study, Photodermatology, Photoimmunology & Photomedicine 25 (4): 181-184

D.E. Godar et al.,  Increased UVA exposures and decreased cutaneous Vitamin D(3) levels may be responsible for the increasing incidence of melanoma, Medical Hypotheses. April 2009 ;72(4):434-43

Regelmäßig erschrecken Dermatologen und Krebshilfe die Menschen mit neuen Horrormeldungen über eine wachsende Melanom- (“schwarzer” Hautkrebs) Epidemie.  Und wenn dann der Schreck groß genug ist, dann nennen sie auch die Verantwortlichen für diese Katastrophe: Sonne und Solarien.

Tatsächlich aber ist das Argument auf beiden Seiten falsch – bei der Katastrophe und den Schuldigen gleichermassen.

Dass die gern zitierten 90 Prozent “Schuld” der UV-Strahlen am “schwarzen” Hautkrebs durch nichts belegt ist und einfach mal testweise in den Raum gestellt wird, ist für Fachleute leicht, für das breite Publikum und leider auch für die meisten Medien nur sehr schwer erkennbar.

Komplizierter schon die Widerlegung der Behauptung, der “schwarze” Hautkrebs breite sich – durch die Nutzung von Sonnenbänken ständig beschleunigt – epidemisch aus. Denn tatsächlich weisen die offiziellen Statistiken weltweit einen dramatischen Anstieg der Hautkrebsfälle (Inzidenz) aus.

Verschwiegen wird hier nur, dass dieser statistische Anstieg durchaus andere Gründe haben kann und hat.  Die Gründe sind bekannt und einige davon werden von den verantwortlichen Herausgebern der offiziellen Krebsstatitiken auch regelmäßig genannt, verschwinden dann aber hinter der publikumswirksamen Dramatik steil ansteigender Kurven.

In einer gründlichen Studie widmen sich jetzt britische Wissenschaftler einer der wichtigsten “Treiber” der Hautkrebsstatistik, dem sogeannten “diagnostic Drift“.  Verkürzt zusammengefasst wird damit ausgedrückt, dass die Melanom-Statistiken weniger durch den tatsächlichen Anstieg der Erkrankungen nach oben getrieben werden, sondern durch die einfache Tatsache, dass heute sowohl die diagnostischen Mittel, die bessere ärzliche Betreuung und die frühere Einordnung einer Hautveränderung als Melanom zu einer sehr viel häufigeren Entdeckung von Melanomen führt, die dann in die Krebsstatistiken eingehen.

Tatsächlich fanden die Forscher von der britischen Universität Norwich bei einer Analyse der 3.971 Melanome, die in der Zeit zwischen 1991 and 2004 in der Region East Anglia gemeldet worden waren, einen Anstieg fast ausschließlich bei den “flacheren” (Stufe 1), noch nicht streuenden Geschwulsten, die durch frühere Diagnose erkannt und beseitigt wurden.

In der Tat ist auch weder in Großbritannien noch in Deutschland oder in den USA der Anteil der Todesfälle im Verhältnis zur Bevölkerung angestiegen und geht in einigen westlichen Ländern seit einigen Jahren sogar zurück.

In der Studie weisen die Autoren nach, dass darüber hinaus die Zahl der harmlosen Hautveränderungen, die als Melanom diagnostiziert und gemeldet – und oft auch fälschlicherweise so behandelt – werden, sprunghaft angestiegen ist.

Dr. Nick J. Levell, Leiter der Studiengruppe, betont, dass Sonne und Solarium die Ergebnisse der Untersuchung nicht erklären können:  “Sonnenlicht ist zweifellos eine Ursache für den weissen Hautkrebs,” so Levell, “und hier konzentriert sich die steigende Anzahl  auf Gesicht und Nacken.” Aber die neu diagnostizierten Melanome seinen an Stellen des Körpers gefunden worden,  die normalerweise nicht von der Sonne erreicht würden. Die Sonne könne also nicht für die Anzahl der als bösartig deklarierten Hautveränderungen verantwortlich sein.

Auch ohne die simple Tatsache, dass die Zahl der “schwarzen” Hautkrebse – als überwiegende Alterserkrankung -  quasi “automatisch” mit der fortschreitenden Alterung der Gesellschaft zunimmt, sollten diese Erkenntnisse eigentlich genügen, um den Schreckensszenarien interessierter Fachkreise und der Verteufelung von Sonne und Solarien die Spitze abzubrechen.

In einem Interview mit der New York Times meinte dazu Prof. Marianne Berwick, eine der weltweit führenden UV- und Melanom-Forscherinnen:  “Dermatologen bezeichnen heute Hautveränderungen als “schwarzen Hautkrebs”, die noch vor 20 jahren nicht als Melanom diagnostiziert worden wären.

Teilweise gestützt werden diese Aussagen durch eine statistische Analyse der US-Melanoma-Daten (SEER): Der Anteil der diagnostizierten Melanoma “in situ”, der örtlich begrenzten und – laut US-Statistik zu 98,5% heilbaren – Hauttumore,  an der Gesamtheit aller erfassten Melanome hat sich danach in den Jahren 1988-2006 verdreifacht im Verhältnis zu den gefährlicheren verbreiteten und metastasierenden Melanoma.

Die SEER-Daten belegen auch, dass die Steigerungsraten der Erkrankungen pro Jahr beim “schwarzen” Hautkrebs kontinuierlich zurückgeht – nicht etwa ansteigt, wie Medienberichte gern andeuten.

Kein Zweifel: Durch die Einführung des flächendeckenden Hautkrebs-Screenings in Deutschland wird sich die Statistik der diagnsotizierten Melanom-Fälle sprunghaft erhöhen, auch wenn in der Realität nicht ein einziges Melanom mehr entstanden sein wird als in den Jahren zuvor.

Damit ist weder der Nutzen des Hautkrebs-Screenings noch die Bedeutung der Aufklärung über einen vernünftigen Gebrauch von Sonne und Solarium zur Hautkrebs-Vermeidung infrage gestellt. Aber statstische Redlichkeit kann sicher auch von überengagierten Interessenvertretern erwartet werden.

Quelle: HighWire

Studien:

N. J. Levell et al.,  Melanoma epidemic: a midsummer night’s dream? The British Journal of Dermatology 2009;161(3):630-4

V.D. Criscione , M.A. Weinstock , Melanoma Thickness Trends in the United States, 1988-2006. Journal of Investigative Dermatology, 2009 15. Oktober (ahead of print)

Seit langem haben Mediziner beobachtet, dass viele Krankheiten besonders häufig oder gar als Epidemie auftreten gegen Ende des sogenannten Vitamin D-Winters, wenn bei den meisten Menschen der Pegel des Vitamin D-Serums im Blut auf einen Tiefpunkt gesunken ist.

Weniger bekannt: Auch das Gegenteil ist der Fall.

Am Ende des Sommers, wenn die Sommersonne das “Sonnenschein-Vitamin D” im Überfluss in der Haut produziert hat, sterben deutlich weniger Menschen gerade an den verbreitetsten Volkskrankheit als zu anderen Jahreszeiten.

Sterberate-im- Jahresverlauf

Sterberate nach Monaten - Quelle: Falagas et al. (s.u.)

Griechische Wissenschaftler und Forscher von der Tufts University in den USA analysierten die Sterberaten nach Monaten in fünf Mittelmeerländern, dazu in Schweden,  USA, Kanada, Australien, Neuseeland und Japan über 2 bis 57 Jahre. Das eindeutige Ergebnis: Die wenigsten Todesfälle ereigneten sich gegen Ende des Sommers – in den Mittelmeerländern im September, in Schweden und Nordamerka im August und auf der anderen Seite der Weltkugel im März, also ebenfalls am Ende der dortigen Sommer-Saison.

Die Autoren der Studie nennen bei der Suche nach den Gründen für dieses Phänomen eine Reihe von Umweltfaktoren, vor allem aber den optimalen Stand der Vitamin D-Versorgung in diesen Monaten.

Diese Daten unterstreichen die aus früheren Studien bereits bekannten Erkenntnisse, dass für die Gesundheit der Menschen ein gleichmäßig hoher Vitamin D-Spiegel über alle Jahreszeiten hinweg wünschenswert wäre. Im “Vitamin D-Winter” wären dafür regelmäßige Nahrungsergänzung, Vitamin D-Pillen, oder der regelmäßige Besuch eines Solariums notwendig.

Quelle: ScienceDaily

Studie: Matthew E. Falagas et al., Seasonality of mortality: the September phenomenon in Mediterranean countries, CMAJ,21.September 2009, vorab online veröffentlicht (kostenloses PDF)

Von den zu Herzen gehenden Sonnenstrahlen singen viele Volkslieder. Dass sie damit eine medizinisch-wissenschaftliche Tatsache besingen, ist den Sängern in der Regel unbekannt.

Diese Tatsache bestätigt dieser Tage wieder eine wissenschaftliche Studie veranlasst vom finnischen Nationalen Institut für Gesundheit und Wohlfahrt:

Bereits 1978-80 waren in Finnland mehr als 6.000 gesunde Frauen und Männer in einer nationalen Studie untersucht und befragt worden.  In den folgenden 25 Jahren starben 640 Teilnehmer an einer Herz- und  293 an einer Gefäßkrankheit. Da bereits zu Beginn der Studie auch der Vitamin D-Spiegel im Blut der Probanden gemessen worden war, konnte jetzt untersucht werden, ob es einen Unterschied in der Entwicklung dieser Krankheiten zwischen Menschen mit hohem und Menschen mit niedrigem Vitamin D-Serumgehalt im Blut gab.

Ergebnis: Die Wahrscheinlichkeit, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben ist um 24 Prozent höher bei Menschen mit einen Vitamin D-Mangel im Vergleich zu Menschen mit normaler Vitamin D-Versorgung. Besonders ausgeprägt war dieser Unterschied bei Gefäßerkrankungen und Schlaganfall.

(Über ähnliche Ergebnisse wissenschaftlicher Studien haben wir hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier berichtet)

Quelle: HighWire

Studie:  Annamari Kilkkinen et al., Vitamin D Status and the Risk of Cardiovascular Disease DeathAmerican Journal of Epidemiology, vorab online 17.  September, 2009

Kühe in Sonnenschutz-Kleidung  Foto: Farming UK/Hansen
Kühe in Sonnenschutz-Kleidung  Foto: Farming UK/Hansen

Milch ist neben fettem Fisch und Pilzen eines der wenigen Nahrungsmittel, die etwas zur Vitamin D-Versorgung des Menschen beisteuern kann. Vitamin D wird deshalb Sonnen-Vitamin genannt, weil es zu 80-90 Prozent im Körper selbst entsteht – und zwar durch die UVB-Strahlen der Sonne oder des Solariums auf der Haut. Im Herst und Winter aber ist die Sonne zu schwach für diese Arbeit. Die Menschen sind dann entweder auf das Solarium oder auf die Nahrung bzw. Nahrungsergänzung angewiesen, so eben auch auf die Milch.

Und da liegt der Hase – oder besser hier: die Kuh – im Pfeffer!

Die Kuh nämlich ist für die Vitamin D-Bildung genau wie der Mensch auf die Sonne angewiesen. Vorräte an Sonnenschein Vitamin im Fettgewebe des Körpers sind begrenzt und irgendwann im Laufe der dunklen Saison verbraucht.  Der Vitamin D-Gehalt in der Milch nimmt ab, gerade dann, wenn der Milchtrinker ihn am dringendsten braucht.

Und da die künstliche Besonnung das Problem beim Menschen auf einfachste Weise löst, kam jetzt Wissenschaftlern an der landwirtschaftlichen Universität Aarhaus der Gedanke, die Kühe ebenfalls ins Solarium zu schicken, in der Hoffnung, dass die Besonnung den Vitamin D-Spiegel bei den Kühen und dadurch auch in der Milch erhöhen könnte.

Zuerst aber wollten die Wissenschaftler wissen, in welcher Körperregion der Kuh die UV-Strahlen am effektivsten eingesetzt werden könnten. Sie schneiderten ihren Kühen eine Art von Kleidern, die ganz unterschiedliche Körperteile der Tiere bedeckten und so vor der Sonne verbargen. Nach drei Wochen an der Sonne verlichen die Forscher dann die Vitamin D-Haltigkeit der Milch von den unterschiedlich bekleideten Kühen.

Die so entdeckten Vitamin D-sensiblen Körperzonen werden dann mit einer Art Solarium mit viel UVB-Licht bestrahlt und der Effekt auf die Milch gemessen.

Ziel der Untersuchungen ist es, einen gleichmäßigen Gehalt an Vitamin D über das gesamte Jahr hin zu garantieren,”  so der Studienleiter,  Lone Hymøller. Das Projekt wird von der dänischen Vereinigung der Milchbauern und von der dänischen Regierung unterstützt.

Ob diese Methode der natürlichen Vitamin D-Versorgung im “Vitamin D-Winter” bereits den Widerstand der Dermatologen provoziert hat, die gegen diese Methode der Gesundheitsvorsorge beim Menschen Sturm laufen, ist nicht bekannt.

Quelle:  Farming UK

Makrophage bei ausreichender Vitamin D-Versorgung (links) und bei Vitamin D-Mangel (rechts).  Fotos: Washington University School of Medicine

Makrophage bei ausreichender Vitamin D-Versorgung (links) und bei Vitamin D-Mangel (rechts). Fotos: Washington University School of Medicine

Der Mangel an Sonne und damit an Vitamin D, dem Sonnenschein-Vitamin, stellt die Gesundheitssysteme aller Länder weltweit vor riesige Probleme.  Das ganze Ausmaß wird erst durch die Forschung der letzten Jahre erkennbar.

Rund eine Milliarde Menschen leiden weltweit unter Vitamin D-Mangel. Etwa die Hälfte dieser Menschen entwickelt ab dem mittleren Alter ein Herz-Kreislauf-Problem. Menschen mit Bluthochdruck und Vitamin D-Mangel haben ein um 60 Prozent erhöhtes Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung.

Bei Frauen mit Diabetes 2 verdoppelt das Defizit an Sonnenschein-Vitamin die Gefahr einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Diese Krankheit aber ist mit Abstand die häufigste Todesursache bei Diabetes-Patienten.

Forscher an der medizinischen Fakultät der Washington Universität , St.  Louis, USA, entdeckten jetzt einen der Gründe für die Entwicklung dieser gefährlichen Krankheit bei Unterversorgung mit Vitamin D.  Nach ihren Labor-Untersuchungen führt ein Vitamin D-Mangel zur  Entartung von Immunzellen, die sich ähnlich einem Schwamm mit Cholesterol vollsaugen und an den Gefäßwänden ablagern.

Wir haben endlich herausgefunden, wie es zu dem Zusammenhang von Vitamin D-Mangel und Herz-Kreislauf-Problemen kommt“,  meint Dr. Carlos Bernal-Mizrachi, Leiter der Froschungsgruppe.

Vitamin D steuert und reguliert die Immunzellen (Makrophagen) bei ihrer “Arbeit” an der Beseitigung des “schlechten” Cholesterins, LDL. (HDL ist das “gute” Cholesterin). Ist zu wenig Vitamin D vorhanden, “überfressen” sich die Makrophagen an LDL, werden zu eine Art Schaum, der sich in den Gefäßen ablagert. Nach einiger Zeit kommt es dann zum Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Quelle: ScienceNews

Studie: O.H. Jisu et al.,  1,25(OH)2 Vitamin D Inhibits Foam Cell Formation and Suppresses Macrophage Cholesterol Uptake in Patients With Type 2 Diabetes Mellitus, Circulation. 2009;120:687-698, vorab online publiziert

Wer sonnt lebt länger! Das war auf eine Formel gebracht das Ergebnis einiger jüngst erschienener Studien von verschiedenen internationalen Forschungsinstituten. (Wir haben darüber u.a. hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier berichtet).

Diese Formel bestätigt jetzt eine Gruppe holländischer Wissenschaftler für den positiven Zusammenhang von mäßigem Sonnen und Krebs-Risiko. In einer umfassenden Übersichts-Studie aller bisher veröffentlichten Arbeiten zum Thema Sonne, Besonnung und Krebs fanden Sie eine durchgängig positive Auswirkung von UV-Strahlen der Sonne oder im Solarium vor allem auf die verbreitetsten Krebsarten wie Brust-, Prostata-, Lymphknoten- und Darmkrebs.

Während alle Studien diese schützende Wirkung der Sonnenstrahlen belegen, ist das Ergebnis für den Zusammenhang von Vitamin D und den untersuchten Krebsarten weniger eindeutig. Hier gab es durchaus abweichende Befunde. Allerdings war schon in der wissenschaftlichen Diskussion nach Erscheinen dieser Studien auf methodische Probleme hingewiesen worden.

Die Autoren um Dr. Han von der Rhee, Den Haag, warnen in der Bewertung ihrer Ergebnisse vor den übertriebenen Kampagnen zum totalen Sonnenschutz und legen den politisch Verantwortlichen nah, die positiven Gesundheitswirkungen von Sonne und UV-Strahlen stärker in die Überlegungen zur Gesundheitspolitik einzubeziehen.

Quelle: HighWire

Studie: Rhee HV, Coebergh JW, Vries ED, Sunlight, vitamin D and the prevention of cancer: a systematic review of epidemiological studies,  European Journal of Cancer Prevention 2009, online vorab veröffentlicht.

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