Archiv für die Kategorie 'Besonnung'

Österreich verbietet Sonnen im Solarium für Jügendliche

Geht nicht mehr für Jugendliche

Seit heute gilt auch in Österreich, was schon seit einem Jahr für Deutschland Gesetz ist: Kein Sonnenbad im Solarium für Minderjährige. In Österreich reichte dafür eine Verordnung. Zuständig: das Familienministerium.

Niedriger hängen auch die Strafandrohungen: Bis zu 2.180 Euro zahlt, wer von den Gewerbebehörden dabei ertappt wird, dass er Jugendlichen unter 18 die Benutzung der Sonnenbänke erlaubt.

Für selbstbediente Solarien auch in Schwimmbädern und Hotels wird eine Eingangskontrolle per Chipkarte verpflichtend. Anders als im Entwurf der deutschen “Solarienverordnung” ist die Anwesenheit von Fachpersonal nicht gefordert.

Mit dieser Verordnung hat auch in Österreich die “Angstkarte” gestochen: Die wissenschaftlich zweifelhafte und in den Medien darüber hinaus noch falsch interpretierte IARC-Aktion mit der Einordnung der Solarien als “krebserregend” – zusammen mit der Natursonne, dem Rotwein, gesalzenem Fisch aber auch Arsen und Giftgas – war offensichtlich politisch kurzfristig überzeugender, als die Argumente der anderen Seite für eine Begrenzung etwa bei 16 Jahren, die z.B. darauf verweisen konnte, dass

  • die Jugendlichen eine der Problemgruppen in der Versorgung mit dem lebenswichtigen Vitamin D darstellen und
  • gerade in diesem Alter die Grundlagen für spätere chronische Erkrankungen, wie typischerweise die Osteoporose, gelegt werden, deren Ursache ganz wesentlich mit einem Mangel an Sonnenschein-Vitamin zusammenhängt.

Wenn diese chronischen Krankheiten zuschlagen, sind die Politiker längst nicht mehr im Amt, die mit ihrer “Solarienverordnung” ihren Beitrag dazu und zu den exponentiell wachsenden Belastungen der Gesundheitssysteme geleistet haben. Die Angst aber vor dem Hautkrebs ist heute allgegenwärtig – und könnte heute Wahlen beeinflussen.

(Fakten in Stichworten zu “Sonne, UV-Strahlungen, Jugendliche“)

Quelle: APA

Vitamin D-Produktion durch Sonne im Sommer reicht nicht für Vitamin D-Winter

In unseren Breiten reicht der Sommer-Sonnen-Vorrat für den Vitamin D-Winter zumeist nicht aus

Dieser Frage gingen jetzt Wissenschaftler der Universität Manchester nach. Sie bestimmten den Vitamin D-Spiegel am Ende des Sommers über einige Wochen, wenn die Vorräte im Fettgewebe der Menschen am höchsten sind, von 125 Männern und Frauen im Alter zwischen 20 und 60 Jahren aus der Region Manchester. Die Stadt liegt etwa auf einem Breitengrad mit Berlin. Gleichzeitig wurden die Ernährung und die Dauer des Aufenthalts an der Sonne geprüft.

Die gleiche Prozedur wurde jeweils in jeder der vier Jahreszeiten wiederholt.

Die Vitamin D-Zufuhr durch Ernährung spielte in allen Jahreszeiten eine gleichmäßige aber zu vernachlässigende Rolle.  Die Sonnenexposition dagegen war – wie zu erwarten – im Frühling und Sommer relativ hoch, im Herbst gering und im Winter praktisch nicht vorhanden.

Der Vitamin D-Spiegel war am höchsten im September mit allerdings immer noch nicht optimalen 28.4 ng/mL im Durchschnitt der Teilnehmer (das Optimum wird derzeit von den meisten Experten bei >32 ng/mL angesetzt)  und im Februar am niedrigsten mit 18.3 ng/mL, also einem Vitamin D Mangel.

Um zumindest den auf 20 ng/mL angesetzten Grenzwert zwischen einem Mangel und lediglich einer Unterversorgung zu erreichen, mussten die Teilnehmer im September durch die Sommersonne mindestens Vitamin D-Werte von durchschnittlich 30,4 ng/mL bei Frauen und 34,9 ng/mL bei den Männern angesammelt haben.

Optimale Werte von 32 ng/mL und darüber erreichte keiner der Teilnehmer.

Immerhin reichte der im Sommer angesammelte Vitamin D-Vorrat für die Hälfte der Teilnehmer aus, um einen akuten Vitamin D-Mangel, also weniger als 20 ng/mL,  im Winter zu verhindern. Bei 50 Prozent der Probanden aber fielen die Werte so weit ab, dass hier die Risiko-Schwelle   für viele chronische Erkrankungen bei einem Vitamin D-Mangel überschritten wurde.

Für die Autoren ist klar, die Menschen in diesen Breiten müssten sich in den sonnenreicheren Monaten häufiger und länger an der Sonne aufhalten, um ihre “Vitamin D-Tanks” für den “Vitamin D-Winter” ausreichend zu füllen.

Ein mögliches Fazit: Ergänzung des Sonnenlichts durch künstliche Besonnung im Solarium – nicht nur in den Wintermonaten, wenn die Sonne keinerlei Vitamin D über die Haut produzieren kann, sondern auch im Frühjahr und Sommer.

Quelle: PubMed

Studie: A.R. Webb et al., The role of sunlight exposure in determining the vitamin D status of the UK white Caucasian adult population, British Journal of Dermatology 2010 (vorab online veröffentlicht 12. August 2010)

Beim Pilz wird das "Sonnenschein-" zum "Blitz-Vitamin"

Der Pilz braucht nur einen Blitz, wo der Mensch ein ganzes Sonnenbad benötigt: Die tägliche Vitamin D-Dosis wird in modernen Produktionsstätten dem Champignon durch UV-Blitze von zwei Millisekunden aus einer Xenonlampe zugeführt. Je höher der Vitamin D-Gehalt sein soll, desto mehr Blitze sind notwendig. Eine Art Turbo-Pilz-Solarium.

Theoretisch könnte der Mensch damit seinen Vitamin D-Bedarf aus Champignons bestreiten. Tatsächlich sind die Pilze die einzigen Pflanzen, die einen nennenswerten Beitrag zum Vitamin D-Haushalt des Menschen leisten können.

Die Champignon-Farmer hatten mit der zunehmenden “Popularität” des Sonnenschein-Vitamins in der UV-Bestrahlung der Pilze ein überzeugendes Marketing-Instrument entdeckt. Es reicht aus, die Pilze nach der Ernte in der Sortieranlage zu bestrahlen, um ihren Vitamin D-Gehalt zu erhöhen. Allerdings handelt es sich hier umd das weniger wirkungsvolle Vitamin D2.

Aber erst die großen Frucht-Konzerne entwickelten die blitz-schnelle Methode der Anreicherung ihrer Produkte.

Pflanzenpathologe Gary Schroeder, “Pilzdirektor” eines dieser Konzerne, dazu: “Das ist so, als würde man die Pilze länger in die Sonne halten.” Wie lange, verrät er nicht. Vermutlich reicht dem Champignon, wie dem Menschen, eine 10-15minütige Ganzkörperbesonnung im Sommer zur Mittagszeit (unterschiedliche Hauttypen scheint es bei den Pilzen nicht zu geben), um sich die optimale Dosis einzuverleiben. Mit Blitz geht`s schneller – aber nur beim Champignon!

Quelle: fruchtportal.de

Der Traum von der perfekten, gleichmäßigen Ganzkörper-Bräune ist ausgeträumt.

Ausgerechnet Forscher aus Schottland, dem Land mit den meisten keltischen Hauttyp-1-Bewohnern, sind für diese Nachricht verantwortlich. Und nicht die schlappe Rache von neidischen Leuten, die ja ohnehin nicht bräunen, sondern tatsächlich harte Wissenschaft steckt hinter dieser Botschaft.

Die Wissenschaftler um den Dermatologen Prof. Jonathan Rees von der Universität Edinburgh konnten bei einem Experiment mit 98 Teilnehmern nachweisen, dass unterschiedliche Stellen des Körpers unterschiedlich bräunen und folglich ganz unterschiedlich besonnt werden müssten, um nahtlose Bräune zu erzeugen.
Wir haben nicht wirklich eine Haut oder einen Hauttyp sondern mehrere in den verschiedenen Haut-Regionen unseres Körpers, die unterschiedlich auf UV-Strahlen reagieren“, so Rees.

Die Teilnehmer waren in sechs Besonnungs-Sitzungen mit UVB-Bestrahlung auf dem Bauch liegend gleichmäßig besonnt worden. Aber schon eine Woche nach der ersten Bestrahlung stellten die Forscher fest, dass der Rücken sehr viel brauner geworden war als der Hintern und die Beine.

Wenn die Sonne gleichmäßig auf verschiedene Körperteile scheint, entwickelt sich die Bräune an einigen Stellen doppelt so schnell und intensiv wie an anderen. Bei der Hautrötung beträgt der Unterschied sogar 1:5. Was an der einen Stelle noch mäßige Besonnung ist, kann an einer anderen Stelle schon Sonnenbrand bedeuten.”

Die Wissenschaftler führen diese Unterschiede auf die unterschiedliche Dicke der Haut an den verschiedenen Körperstellen zurück.  Zwar hätten die Ausgangsbräune der Haut, Erbfaktoren, Geschlecht und der Hauttyp neben der Bestrahlungsstärke und der Körperregion einen Einfluss auf die Bräunung, aber bei einer Einbeziehung der Hautrötung seien lediglich noch die UV-Dosis und die Körperregion von Bedeutung.

Die ernste Seite dieses Experiments ist die Einsicht, dass es einen einfachen Sonnenschutz für den gesamten Körper nicht geben kann. Die Sonnenbrandgefahr ist bei verschiedenen Stellen der Haut sehr unterschiedlich. Faustregeln für einen gesunden Aufenthalt an der Sonne seien daher wertlos.

Die unterschiedliche Empfindlichkeit der Haut sei, so glauben die Forscher, auch verantwortlich dafür, dass bestimmte Hautschäden bis hin zum Hautkrebs an bestimmten Stellen häufiger auftreten als an anderen.

Quelle: Eurekalert

Studie: Jonathan L. Rees et al.,  The physiological and phenotypic determinants of human tanning measured as change in skin colour following a single dose of ultraviolet B radiationExperimental Dermatology, Volume 19 Issue 7, Pages 667 – 673

fvs-frau-am-felsen-strand-stehendSonnen senkt das Diabetes 2-Risiko. Frauen mit häufigem, bewussten Aufenthalt an der Sonne erkranken um ein Drittel weniger an Diabetes als Frauen mit weniger aktivem Sonnen-Aufenthalt.

Forscher vom Karolinska Institut, Stockholm und der Universität von Lund in Südschweden befragten in den Jahren von 1990-92  40.000 Frauen im Alter von 25 bis 64 nach ihren Gewohnheiten im Umgang mit Sonne und Aufenthalt im Freien.  Bei einer zweiten Befragung elf Jahre später glichen die Wissenschaftler die Sonnen-Gewohnheiten mit den inzwischen eingetretenen Diabetes-Erkrankungen ab und kamen zu dem Ergebnis, dass die Frauen mit “aktiver Sonnen-Exposition” ihr Risiko, an Diabetes zu erkranken, um 30 Prozent senken konnten. Allerdings galt das deutlich weniger für übergewichtige Frauen (BMI).

In der Zusammenfassung bestätigen die Autoren: “Unsere Untersuchungen belegen einen deutlichen Zusammenhang von Besonnung und Glukose-Metabolismus“.

Über ähnliche Forschungen aus jüngster Zeit haben wir hier berichtet.

Quelle: PubCrawler

Studie: Pelle G. Lindqvist et al.,  Are active sun exposure habitsnext term related to lowering risk of type 2 diabetes mellitus in women, a prospective cohort study? Diabetes Research and Clinical Practice,  vorab online veröffentlicht  8. Juli 2010

Sonnen-Lust und Sonnenschutz - Konflikt oder gesunde Allianz?

Sonnen-Lust und Sonnenschutz - Konflikt oder gesunde Allianz?

Macht Deine Sonnen-Creme Dich dick, alt und depressiv?” titelt der Daily Mirror, führende britische Boulevard-Zeitung, zum Sommeranfang und zählt die Gesundheitsschäden auf, die durch die Angst vor den Sonnenstrahlen entstehen.

Jahrzehnte lange Panik-Kampagnen der Kosmetik-Industrie mit Hilfe von Dermatologen-Verbänden und Krebs-Organsationen haben den Menschen die Sonne in einem Umfang ausgetrieben, der inzwischen so etwas wie einen gesundheitlichen Notstand produziert. Dieser Notstand hat viele Facetten, am bedeutendsten aber ist sicher der epidemische Mangel an Vitamin D, dem Sonnenschein-Vitamin.

Immer mehr wissenschaftliche Studien aus vielen Ländern warnen, dass der Vitamin D-Mangel in den vergangenen Jahren in dem Maße zugenommen hat, wie die Menschen im täglichen Leben gelernt haben, die Sonne zu meiden oder sich durch immer höhere Schutzfaktoren abzuschirmen. Moderne Lebensstile tun ein übriges.

Da die Medien oft unkritisch die Anti-Sonnen-Kampagnen einschliesslich noch der zweifelhaftesten Behautpungen ungeprüft übernehmen, kommt es zu einer eher paradoxen Erscheinung am Rande: Von den negativen Gesundheitsfolgen dieser Kampagnen sind die gebildeteren Schichten, als Zeitungsleser und an Gesundheitsinformationen interessiert, stärker betroffen als die übrige Bevölkerung. Auch die Politik reagiert ähnlich paradox mit bürokratischer Hektik, wie derzeit bei der sogenannten “Solarienverordnung”.

Doch ganz allmählich, durch hunderte wissenschaftlicher Studien und ihre langsame Verbreitung in einem größeren Publikum, setzt sich die Erkenntnis durch, dass das besinnungslose Trommeln gegen Sonne und Solarium und für immer wirksamere Sonnenschutz-Mittel und chemische Bräunung nicht der Gesundheit hilft sondern schadet – und das gleich mehrfach:

  1. Studien haben nachgewiesen, dass die Nutzung von Sonnenschutzmitteln nicht, wie angeblich beabsichtigt, vor Hautkrebs schützt, sondern in vielen Fällen genau das Gegenteil bewirkt: Das Melanom-Risiko steigt! (Jüngste Beispiele von vielen hier)
  2. Sonnencremes mit hohem Lichtschutzfaktor verhindern praktisch vollständig die Bildung von Vitamin D über die Haut und befördern so den Vitamin D-Mangel. Ein steter Anstieg chronischer Erkrankungen wie Osteoporose, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen etc. sind die Folge.
  3. Die so hoch gepeitschte Sonnen-Angst und die panische Fixierung auf die Abwehr von UV-Strahlen macht einen vernünftigen,  für die Gesundheit notwendigen, positiven Umgang mit der natürlichen und künstlichen Sonne unmöglich. Statt gesunden Genuss der “guten” Sonne und dem ganz natürliches Ausweichen vor der “bösen” Sonne, fördern die vereinigten Industrie- und Dermatologen-Kampagnen den einseitigen Verzicht auf die lebensnotwendige aber kostenlose Sonnen-Gesundheit zugunsten der teuren und profitablen Sonnen-Killer.

Der Erfolg dieser Kampagnen aber trägt bereits den Keim ihres Mißerfolgs in sich.

Den Dermatologen hat ihre millionen-schwere Öffentlichkeitsarbeit, die vor eingenartigen statistischen Manipulationen nicht zurückschreckte,  die Honorar-Milliarden eines flächendeckenden Hautkrebs-Screenings beschert. Deren medizinischer Sinn aber wird inzwischen von Ärzten und Wissenschaftlern selbst in Zweifel gezogen. (“Gesetzliches Hautkrebsscreening vor dem Aus?“)

Die Kosmetik-Industrie hat zunehmend mit den Zweifeln an der Glaubwürdigkeit ihrer donnernden Sonnenschutz- und Selbstbräuner-Kampagnen zu kämpfen, je weiter sich die Informationen über die lebenswichtige Bedeutung von Vitamin D und die mangelnde Schutzwirkung gegen den Hautkrebs ausbreiten.  Um kreative Lösungen nie verlegen werden jetzt Selbstbräunungs-Cremes und Sprays mit Vitamin D-Zusatz auf den Markt geworfen – doppelter Gewinn mit angeblich modischer Bräune plus gesundem Vitamin D. Das aber liefert die Sonne kostenlos in sehr viel effizienterer Kombination bei vernünftigem Gebrauch.

Panik-Reaktion der Panik-Macher?

Schwer zu verstehen, warum es so schwierig sein soll,  Sonnengenuss und Sonnenschutz in sinnvoller Balance darzustellen und durchzusetzen. Dem Wohlbefinden und der Gesundheit dient beides – im Teamwork statt beim Catch-As-Catch-Can.

So wanderten die Ahnen (in der Mitte der Nordpol)

So wanderten die Ahnen (in der Mitte der Nordpol)

Sonnenbräune ist ein raffinierter Trick der Evolution. Ohne die unterschiedliche Fähigkeit zur Bräunung und damit zur Anpassung an die unterschiedlich und wechselnd  intensiven Sonnenstrahlen hätte der Mensch die Jahrtausende dauernde Wanderungen von der Wiege der Menschheit in Afrika nach Osten und Norden nicht überlebt. Dabei geht es nicht um den Schutz vor Sonnenbrand und Hautkrebs, wie bisher angenommen. Beides ist kein Hindernis für die Fortpflanzung. Sondern es geht dabei um die ausbalancierte Versorgung mit Vitamin D einerseits und Folsäure andererseits.

Das jedenfalls behaupten  Wissenschaftler von der Penn State University, USA.  Dass mit dem Verlust der Behaarung bei unseren Urahnen das Melanin, der Stoff aus dem die dunklen Pigmente sind, eine schützende Rolle vor zu viel tropischer Sonne spielte, ist seit langem bekannt.  Dass hierfür aber der Schutz vor Hautkrebs entscheidend war, wird jetzt von der Gruppe um die Anthropologin Nina Jablonski bestritten. Vielmehr sei die flexible Pigmentierung eine nowendige genetische Ausstattung gewesen, um die feine Balance zwischen zwei lebenswichtigen Mikro-Nährstoffen, dem Vitamin D und der Folsäure zu garantieren.

Vitamin D wird durch die UVB-Strahlen der Sonne im Körper gebildet und ist notwendig für die Steuerung etlicher Funktionen im menschlichen Körper, wie die Zellteilung oder die Immunregulierung. Dagegen wird Folsäure, Vitamin B9 – vor allem in der Schwangerschaft für das schnelle Zellwachstum von Bedeutung – durch UVB-Strahlung und Hitze zerstört.

Zu wenig UBV führt, vereinfacht gesagt, zu Vitamin D-Mangel mit katastrophalen Gesundheitsfolgen.  Zu viel UVB dagegen führt zu einem Mangel an Folsäure, mit den negativen Folgen für Zellwachstum, Blutbildung und Schwangerschaft. In anderen Worten: Die Fortpflanzung der menschlichen Rasse hing ab von genau der richtigen Wirkung und Dosierung der UV-Strahlen.

Das Melanin, die Hautbräunung, übernahm hier die Funktion des Schiedsrichters. Je mehr Sonne und damit UV-Strahlen, desto dunkler die Haut, je weniger und schräger einfallend die Sonnenstrahlen, desto heller und damit empfänglicher die Haut.

Damit aber war nur ein Problem gelöst: Die Menschen ganz im Süden waren dunkel, schützten ihre Folsäuren-”Bestände” und bildeten dennoch ausreichend Vitamin D. Die Menschen ganz im Norden waren hellhäutig und sonnenempfindlich, um überhaupt genügend Vitamin D in der Haut entwickeln zu können; Folsäure war nicht ihr Problem. Die Anpassung in den mittleren Breiten aber, dazu gehört auch Deutschland, blieb damit ungelöst. Hier wechselten sich Phasen intensiver UVB-Strahlung mit Phasen geringster Strahlung ab, was sich zu einer tödlichen Kombination von Vitamin D-Mangel und Mangel an Folsäure hätte entwickeln können.

Dagegen “erfand” die Natur den Bräunungsprozess. Die Lösung des Problems: Die Bräunung. Diese Fähigkeit wurde den Menschen in den mittleren Breiten genetisch “einprogrammiert” und garantierte das Überleben. Wie das Chamäleon wechselten die Menschen in den mittleren Breiten ihre Hautfarbe “opportunistisch”, heisst: wie der Körper es jeweils zum optimalen Funktionieren brauchte. Ein bisschen Sonnenempfindlichkeit für die Vitamin D-Bildung, ein bisschen Hautpigmentierung zum Schutz der Folsäure – je nach Situation, zum Beispiel je nach Saison.

Je besser diese Anpassung funktionierte, desto gesunder war der Mensch.

Die Natur war erst mit ihrer Weisheit am Ende, als der Mensch zwei Gewohnheiten entwickelte: Mobilität und Mode! Was Prof. Jablonski als “die Verschwörung der Moderne” bezeichnet.

Mobilität führte dazu, dass – im Vergleich zur Evolution “blitzschnell” – dunkelhäutige Menschen aus dem Süden in die sonnenarmen Länder des Nordens reisten und dort blieben, und umgekehrt. Die einen entwickelten Krankheiten durch den Vitamin D-Mangel – die magere Sonne des Nordens reichte nicht aus, die Melanin-Schutzschilde der dunkeln Haut zu durchdringen. Die anderen “verbrannten” und die ungeschützte DNA degenerierte zum Hautkrebs. Alle Einwanderungsländer, egal ob im Süden oder Norden haben dieses besondere Gesundheitsproblem der Zugereisten.

Schlimmer aber war die Entwicklung von Moden. Die Mode-Diktate  und gesellschaftlichen oder religiösen Regeln pfuschten der Natur ins Handwerk, seien es Ganzkörper-Verhüllungen oder Ballermann-Schickeria.

Die jüngste Variante dieses modischen Pfuschs haben uns ausgerechnet die Dermatologen, oder doch einige von ihnen, eingebrockt. Seit mehr als 40 Jahren predigen sie unentwegt gegen die weise Balance der Natur aus Exposition und Schutz. Sonnenbräune, der Ausdruck dieser gelungenen Balance, ist ihnen ein Graus. “Blass is beautiful” ihr Credo. Die Sonne ist der böse Feind, und da ihnen das niemand abnimmt (der gesunde Menschenverstand, das gesunde Menschengefühl, die Erfahrung von Jahrhunderten und seit vielen Jahren auch die Wissenschaft sagen etwas anderes), haben sie einen Ersatzfeind ausgemacht, den sie wie den Sack prügeln, wenn sie den Esel meinen: Das Solarium.

Alles Humbug, meinen die Forscher aus Pennsylvania. O-Ton Prof. Nina Jablonski: “Hautbräunung hat sich viele Male an verschiedenen Stellen der Welt zu verschiedenen Zeiten entwickelt, um die Menschen vor den schädlichen Wirkungen der UV-Strahlen zu schützen.” Ohne die Vitamin D-Bildung über die Haut zu verhindern.

Quelle: Eurekalert/Science Daily

Studie: Nina G. Jablonski. George Chaplin, Human skin pigmentation as an adaptation to
UV radiation
, PNAS, Colloquium paper, 2010

Je mehr und intensiver die Sonne in den letzten Monaten der Schwangerschaft scheint, umso geringer die Gefahr eines Schwangerschafts-Hochdrucks und einer Geburtskomplikaktion (Präeklampsie). Das ist das Ergebnis einer Studie an der australischen Universität von Sidney mit 424,732 schwangeren Frauen.

Die Rate der Hochdruck-Erkrankungen war im Herbst mit 7,3 Prozent am niedrigsten und Anfang des Frühlings – unmittelbar nach Ende des “Vitamin D-Winters” -  mit 8,9 Prozent am höchsten. Während die Sonnenintensität auch zum Zeitpunkt der Empfängnis bei Präeklampsie eine Rolle zu spielen scheint gilt das nicht, laut Studie, für den Buthochdruck der Schwangeren. Hier erwiesen sich nur die letzten Monate vor der Geburt als entscheidend.

Quelle: PubCrawler

Studie: C.S. Algert et al., Seasonal variation in pregnancy hypertension is correlated with sunlight intensity, American Journal of Obstetrics and Gynecology,27. Mai 2010 (online vorab publiziert)

Nicht nur der gefährliche “schwarze” Hautkrebs, das Melanom, sondern auch der mit Abstand häufigste, aber relativ harmlose “weisse” Hautkrebs, das Basaliom, entsteht nicht durch regelmäßigen Aufenthalt an der Sonne.

Kann der ständige, berufliche Aufenthalt an der Sonne die beiden Formen des “weissen” Hautkrebs, den Basalzellenkrebs (Basaliom) und den Plattenepithelkarzinom (Spinaliom), hervorrufen? Sind diese beiden Hautkrebsarten daher als Berufskrankheiten anzusehen?” So die Frage,  der ein Forscher-Team von den beiden Universitäten Dresden und Heidelberg nachging.

Sie analysierten 25 Studien zu diesem Thema und kamen dabei zu dem Ergebnis, dass es zwar einen Zusammenhang zwischen Sonnenexposition und dem selteneren Spinaliom geben könnte, nicht aber zwischen dem beruflichen Aufenthalt an der Sonne und dem verbreiteten Basaliom.

Quelle: PubCrawler

Studie:  Jochen Schmitt, Thomas Diepgen, Andrea Bauer, Berufliche Exposition gegenüber natürlicher UV-Strahlung und nicht-melanozytärer Hautkrebs – ein systematischer Review zur Frage einer neuen Berufskrankheit, Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, Volume 8 Issue 4, Pages 250 – 264

Darauf haben manche lange gewartet! Nach Dutzenden von Versuchen mit äusserst schütteren Ergebnissen kommt jetzt eine großangelegte Studie mit der Botschaft:  Solarien verursachen “schwarzen” Hautkrebs, und zwar je öfter und je länger desto mehr.

Schon die medienwirksame Einordnung der Solarien als “definitiv krebserregend” durch die IARC vor knapp einem Jahr stand auf äusserst schwachen wissenschaftlichen Füssen: Nur vier von 19 Studien hatten in einer Meta-Studie überhaupt statistisch relevante Ergebnisse in dieser Richtung erbracht – und hatten dabei zum Teil wichtige andere Faktoren außer Acht gelassen.

Dennoch erschreckten IARC, WHO und Medien die Menschen mit der Aussage, das Melanom-Risiko steige bei Solarium-Gebrauch vor dem 35. Lebensjahr um 75 Prozent. Dass damit das tatsächliche , absolute Risiko immer noch deutlich unter 0,1 Prozent lag, die Steigerung also winzig ausfiel, blieb wohlweislich unerwähnt.

Zudem geriet die einseitige Auswahl der Studien und andere methodische Probleme sehr schnell unter Beschuss von internationalen Experten.  Die Absicht hinter den Ergebnisformulierungen der Studien-Autoren war nur allzu deutlich.

Das gilt nun auch verstärkt für die jetzt vorgelegte Studie, die einst von einem der Geldgeber mit dem Auftrag auf die Reise geschickt wurde “Instrumente zu entwickeln, mit denen die Nutzung von Solarien entmutigt werden können” (Übers. durch die Red.).

Das Forschungsprojekt aus dem mittleren Westen der USA, dem Bundesstaat Minnesota, mit 2,268 Teilnehmern versucht seit 2004 einen Zusammenhang von künstlicher Besonnung und “schwarzem” Hautkrebs, dem Melanom, herzustellen. Basis ist eine umfangreiche schriftliche und telefonische Befragung über das Verhalten an der Sonne, über die Nutzung von künstlicher Besonnung und über die Art der Besonnungsgeräte  rückwirkend bis in die 80ger Jahre des vorigen Jahrhunderts.

Das Ergebnis: Bei Menschen, die irgendwann einmal eine Sonnenbank genutzt hatten, erhöhte sich, laut Studie, das Risiko, an einem Melanom zu erkranken, um 74 Prozent. Bei häufiger und längerer Nutzung sogar um das Dreifache.

Allerdings war es dabei gleichgültig, wann die Person mit der Solarium-Nutzung begonnen hatte. Damit widersprechen die Ergebnisse den bisherigen Annahmen, dass besonders die Solarium-Nutzung durch Jugendliche das Krebsrisiko erhöht.

Erst bei der genauen Analyse der veröffentlichten Daten findet man in dieser Studie Ergebnisse, die in der Zusammenfassung und Diskussion durch die Autoren tunlichst in einen Nebensatz verdrängt werden.

So stellt sich heraus (wie ähnlich auch in früheren Studien), dass Menschen mit regelmäßigem oder berufsbedingtem Aufenthalt an der Sonne weniger häufig an einem Melanom erkranken, als Menschen, die sich selten an der Sonne aufhalten. Mehr Sonne – weniger “schwarzer” Hautkrebs!

Interessant und ebenfalls in der Auswertung unerwähnt:  Regelmäßige und intensive Nutzung von Sonnenschutzmitteln führt nicht zu weniger sondern zu erheblich mehr Melanom-Fällen (auch darüber haben wir kürzlich berichtet).

Hier bestätigen sich denn auch die Zweifel an der “Neutralität” dieser Studie, ebenso wie bei der medienwirksamen Formulierung der Zusammenfassung. Dort wird mit “relativen” statt mit “absoluten” Risiken gearbeitet. Was das heisst und wie sich das auswirkt, lässt sich am besten am Beispiel erläutern.

Der Glaube an die Statistik, die man ….

Nehmen wir an, das Risiko, bei einem Spaziergang auf einem städtischen Bürgersteig von einem fallenden Dachziegel getroffen zu werden, sei 0,002 Prozent. Heisst: bei 100.000 Spaziergängen kommt es zu zwei Ziegeltreffern.

Nun findet eine wissenschaftliche Studie heraus, dass schon bei Windstärke 5 sich das Dachziegel-Unfallrisiko um erschreckende 75 Prozent erhöht.

Am nächsten Tag liest man in BILD:  “Tod vom Dach! Bei leichtem Wind 75 Prozent mehr Füßgänger tödlich getroffen.”

Politiker fordern schärfere Dachkontrollen und Meisterbriefe für jeden Dachdecker. Die Leute trauen sich jenseit von Windstärke 4 nicht mehr aus dem Haus – mit unabsehbaren Folgen für Wirtschaft und Volksgesundheit.

Und in Wirklichkeit?

Selbst wenn die Ergebnisse der Studie korrekt sind, wird bei höheren Windstärken aus einem minimalsten Risiko von 0,002 Prozent ein fast ebenso minimales Risiko von 0,0035 Prozent.

In anderen Worten: Viel Wind um (fast) nichts!

So auch hier

Ähnliche Zweifel und eine ganze Reihe zusätzlicher Einwände können auch für die Minnesota-Studie geltend gemacht werden. Nur einige davon sollen hier kurz erwähnt werden:

  1. Die Studie ist entstanden aus einem größeren Studienprojekt mit dem klaren Auftrag, “Instrumente zu entwickeln, mit denen die Nutzung von Solarien entmutigt werden können.” So einer der Geldgeber, das National Cancer Institute. Das Endurteil war damit bereits in den Studienansatz “eingebaut”.
  2. Mit diesem Auftrag wurden nach den schriftlichen Interviews Telefongespräche geführt, zur Hälfte mit Menschen, die inzwischen an einem Melanom erkrankt waren.  Bei “richtiger” Befragung neigen derart Betroffene dazu ihre Erinnerung an frühere Sonnenbank-Nutzung und Zeiten den Bedingungen anzupassen,  zumal wenn ihnen die Sonnenbank als “Schuldiger” für ihren Zustand vorab suggeriert worden war.
  3. Die Studie beschränkt sich auf den Staat Minnesota. Ausgerechnet dieser Staat zeichnet sich aus durch einen weit überproportionalen Anteil an Menschen nordeuropäischer Herkunft. Der besonders gefährdete Hauttyp 1 ist daher hier sehr viel häufiger vertreten als im Rest der Bevölkerung.
  4. Erinnerungen an so unwichtige Ereignisse wie das Sonnenbaden im Freien oder im Sonnenstudio, oder gar deren Länge und Häufigkeit, sind nach 20 Jahren und mehr eher zufällig. Dass darüber hinaus auch noch der Gerätetyp aus z.B. dem Jahr 1990 korrekt erinnert wird, ist unwahrscheinlich. Auf solchen Erinnerungen aber basiert diese Studie.
  5. Statistiken der Verbände zur Solarium-Nutzung im Staat Minnesota weisen einen Anteil von 10 Prozent an der Bevölkerung insgesamt aus. Die Studie aber entdeckte einen Anteil von 62 Prozent Solariennutzer bei der vom Melanom betroffenen Gruppe und 51 Prozent in der zufällig ausgewählten Vergleichsgruppe. Eine derartige Differenz, selbst bei ungenauen Daten, ist bei einer repräsentativen Auswahl ausgeschlossen. Hier wurde also vermutlich “vorselektiert”.
  6. Wenn es richtig ist (wie die Studie ausweist), dass regelmäßiger Aufenthalt an der Sonne das Melanom-Risiko eher senkt als steigert, die UV-Strahlen der Sonne sich aber nicht bzw. nur in der Zusammensetzung, von den UV-Strahlen des Solariums unterscheiden, ist die Risiko-Steigerung gerade bei regelmäßiger Sonnenbank-Nutzung nicht schlüssig erklärbar. Zwei Ergebnisse der gleichen Studie widersprechen sich also unmittelbar an dieser Stelle.
  7. In der Studie selbst, vor allem aber in dem jetzt anlaufenden Medien-Echo wird durchgängig mit “relativen” statt “absoluten” Risiken argumentiert. Unser Beispiel oben zeigt, wieviel dramatischer sich die Ergebnisse auf diese Weise darstellen lassen. Tatsächlich liegt das absolute Risiko, an einem Melanom zu erkranken in den USA bei weniger als  o,3 Prozent – und unterscheidet sich nach anderen Studie kaum zwischen Nutzern und Nicht-Nutzern von Solarien. Da die Studie nur Menschen bis zum Alter von 59 Jahren einbezieht, das Melanom aber eine typische Alterskrankheit ist, liegt folglich das absolute Risiko einer Melanom-Erkrankung in den untersuchten Altersgruppen noch sehr viel niedriger als im Durchschnitt der gesamten Bevölkerung.
  8. In der Melanom-Gruppe befinden sich mehr als dreimal so viele Menschen mit vielen oder sehr vielen Muttermalen wie in der Vergleichsgruppe und immerhin ein Viertel mehr Menschen mit mehr als 5 schweren Sonnenbränden im Freien. Beides, Anzahl der Muttermale und Sonnenbrände, sind typische Risikofaktoren für ein Melanom. Mit Solarium haben sie nichts zu tun!
  9. Obwohl in der Studie viele andere Melanom-Risiken genannt und ausgeschlossen werden, bleiben die erstaunlichen Daten zu einem Zusammenhang von Sonnenschutzmitteln und Melanom unberücksichtigt. Dabei erhöht sich, laut Daten der Studie selbst, das Melanom-Risiko durch Sonnenschutz-Gebrauch um ganze 35 Prozent.

Trotz solcher und anderer Einwände bleiben die Ergebnisse der Studie bedenklich, im wahrsten Sinne des Wortes.  Andererseits sagt eine Studie mit Erinnerungsdaten aus der Vergangenheit – über die gesamte Entwicklungsgeschichte der künstlichen Besonnung hinweg – sehr wenig über die aktuelle tatsächliche oder vermeintliche Gefährdung durch moderne Solarien oder über künftige Entwicklungen.

Mit den Rahmenbedingungen durch Normen, Gesetz und Verordnungen, wenn sie realistisch ausgestaltet und angemessen kontrolliert werden, ist für die Zukunft eine Gefährdung so gut wie auszuschließen – falls es denn in der Vergangenheit eine gegeben haben sollte.

Quellen:  Science Daily/HighWire/SmartTan

Studie:  DeAnn Lazovich et al., Indoor Tanning and Risk of Melanoma: A Case-Control Study in an Highly Exposed Population, Cancer Epidemology, Biomarkers & Prevention,  online vorab publiziert, 26. Mai 2010

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