Archiv für die Kategorie 'Forschung'

Angriff und Verteidigung - Z Zellen  Foto: iStockphoto

Angriff und Verteidigung - T Zellen Foto: iStockphoto

Die Sonne und ihr “Sonnenschein-Vitamin D” (durch die UVB-Strahlen auch im Solarium über die Haut produziert) spielt bei der Abwehrschlacht des menschlichen Körpers gegen eindringende Bösewichte wie Bakterien und Viren eine entscheidende Rolle. Vitamin D steuert in weiten Teilen die Immunreaktion des Körpers, verhindert aber auch gleichzeitig, dass die Abwehr-Bataillone über das Ziel hinausschiessen und tödliche “Kollateralschäden” im eigenen Körper verursachen: die sogenannten Autoimmunerkrankungen wie Diabetes oder Multiple Sklerose.

Forscher an der Universität von Kopenhagen, Dänemark,  haben jetzt die hochkomplizierten “Kommandowege” dieser Verteidigungsstrategie durch das Vitamin D erforscht.

Die Verteidiger der Körperzellen vor bösartigen Angreifern, die T-Zellen, gern auch als Killerzellen bezeichnet, sind eigentlich eher friedlich, wenn nicht gar etwas faul und verschlafen. Wenn sie nicht durch bestimmte Signal-Proteine auf Trab gebracht werden, reagieren sie nicht auf die Angreifer. Erst auf den Anstoß durch diese Proteine vermehren sich die T-Zellen schlagartig und werfen sich in die Schlacht.

Dieser Vorgang aber wird nur dann ausgelöst, wenn die T-Zellen über einen Vitamin D-Rezeptor in ihrem Umfeld Vitamin D “ertasten”. Erst die Anwesenheit von Vitamin D-Rezeptoren und zirkulierendem Vitamin D bringt das gesamte Verteidigungssystem in Schwung.

Während ein Teil der T-Zellen sich als “Killer-Zellen” auf die Eindringlinge stürzen,  sorgen andere T-Zellen als “Helfer-Zellen” dafür, dass das Immunsystem sich künftig an diese spezifischen Feinde erinnert, sie sofort identifizieren und umbringen kann.

Damit haben die dänischen Forscher den Mechanismus entschlüsselt, durch den die – auch in diesem Blog dutzendfach beschriebene – Immunsteuerung durch das “Sonnenschein-Vitamin” abläuft.

Professor Carsten Geisler, Leiter der Forschungsgruppe: “Wissenschaftler wussten seit langem, wie wichtig das Vitamin D ist für die Verarbeitung von Kalzium im Knochenstoffwechsel und dass es auch eine Rolle spielt bei Krankheiten wie Krebs oder Multipler Sklerose. Aber was wir bisher nicht begriffen hatten, ist die entscheidende Rolle des Vitamin D bei der Aktivierung des Immunsystems. Jetzt wissen wir`s! ”

Immer deutlicher wird auch,  welche ganz konkreten Schäden die seit Jahrzehnten andauernden Kampagnen einiger Dermatologen-Verbände anrichten.  Die ständig wachsende Unterversorgung der Bevölkerung mit Vitamin D, im wesentlichen also mit UV-Strahlen,  schwächt nicht nur die körpereigene Verteidigung der Menschen gegen Infektionen und chronische Autoimmunerkrankungen wie Diabetes, sondern auf diese Weise auch die Finanzierbarkeit unserer Gesundheitssysteme: Weniger Natur, mehr Pillen – wem nützt`s!?

Quelle: ScienceDaily

Studie:  Marina Rode von Essen et al., Vitamin D controls T cell antigen receptor signaling and activation of human T cellsNature Immunology, vorab online publiziert, 07. März 2010

Sonne schützt vor vielen Krebsarten, auch vor dem gefährlichen “schwarzen” Hautkrebs, dem Melanom. Büroangestellte leiden häufiger unter dieser Krankheit als Menschen, die im Freien arbeiten und der Sonne ausgesetzt sind.

Bisher stand der Nierenkrebs nicht auf der Liste der durch Sonne beeinflussten Krebsarten. Das ändert sich jetzt.

Eine Studie vom National Cancer Institute in Rockville, USA, weist jetzt nach, dass regelmäßiger Aufenthalt an der Sonne durch entsprechende berufliche Tätigkeiten das Risiko, an Nierenkrebs zu erkranken, um bis zu 38 Prozent verminderte. Je mehr Sonne, desto geringer das Risiko.

Die Forscher waren von der Beobachtung ausgegangen, dass in den vergangenen Jahrzehnten die Nierenkrebs-Erkrankungen ständig zugenommen hatten, während gleichzeitig die Vitamin D-Versorgung der Bevölkerung stetig zurückging.  Die Vermutung lag daher nahe, dass der Mangel an “Sonnenschein-Vitamin” Auswirkungen auf die Entstehung und Entwicklung des Nierenkrebses haben könnte.

In der methodisch sehr sorgfältig durchgeführten Studie, die in den nächsten Tagen in der führenden Fachzeitschrift Cancer erscheinen wird, wurden 1,097 Patienten mit Nierenkrebs aus Mittel- und Osteuropa untersucht und verglichen mit  1,476 gesunden Probanden.

Vor einem Rätsel allerdings standen die Wissenschaftler als sie feststellen mussten, dass es einen deutlichen Zusammenhang von Vitamin D-Werten im Blut und dem Nierenkrebs-Risiko gab, dass dieser Zusammenhang aber nur bei den Männern eine statistisch relevante Größe hatte, nicht aber bei den Frauen! 

Prof. Sara Karami und ihre Kollegen vermuten, dass

  • die weiblichen Hormone hier eine Rolle spielen könnten,
  • Frauen, wie Umfrage-Studien regelmäßig nachweisen, häufiger und regelmäßiger zu Sonnenschutzmitteln greifen und damit die Vitamin D-Synthese abblocken,
  • die Männer im Freien mit bloßem Oberkörper arbeiten und entsprechend mehr Hautoberfläche für die Bildung des Sonnenschein-Vitamins “zur Verfügung stellen”.

Wie immer weisen die Forscher darauf hin, dass diese Ergebnisse noch in weiteren Studien über die Arbeitswelt hinaus bestätigt werden müsste.

Quelle: Alphagalileo

Studie:  Sara Karami et al.,  Occupational sunlight exposure and risk of renal cell carcinoma, CANCER; online vorab publiziert am 08. März 2010

Mit der Sonne geht man besser   Foto: fotolia

Mit der Sonne geht man besser Foto: fotolia

Wer sonnt kann schneller gehen! Was auf den ersten Blick verblüffend scheint ist schnell erklärt: Das Sonnenschein-Vitamin ist nicht nur beim Knochenaufbau und Knochenstoffwechsel sondern auch beim Muskelaufbau und der Muskel-”Qualität” ein eintscheidender Faktor. (Dazu frühere Beiträge hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier)

Die Tatsache wird einmal mehr bestätigt durch eine Studie der französischen Universität von Angers mit fast 800 älteren Frauen. Die Forscher untersuchten den Vitamin D-Spiegel im Blut der Probandinnen und führten Geh-Tests durch in unterschiedlichen Geh-Geschwindigkeiten. Faktoren wie Alter, Gewicht, Einnahme von Medkamenten,  chronische Krankheiten,  physische Aktivitäten und Gehirnleistung wurden berücksichtigt.

Das Ergebnis war eindeutig:  Je größer das Vitamin D-Defizit war gegenüber einem “normalen” Vitamin D-Wert von 30 ng/ml, desto geringer die Fähigkeit zum schnellen Gehen. Die Forscher schließen daraus einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Vitamin D-Versorgung und der neuro-muskulären Leistungsfähigkeit (nicht nur) bei älteren Menschen.

Quelle:  PubCrawler

Studie: C. Annweiler et al.,  Cross-sectional association between serum vitamin D concentration and walking speed measured at usual and fast pace among older women: The EPIDOS studyJournal of Bone and Mineral  Research, online vorab publiziert, 4. März 2010

Ein Mangel an Vitamin D, dem Sonnenschein-Vitamin, bei werdenden Müttern hat weitreichende Folgen für den Verlauf der Geburt wie für die Neugeborenen.

In einer der ersten klinischen Studien über den Zusammenhang von Vitamin D und vorzeitiger Geburt wurden 600 schwangeren Frauen in zwei Gruppen unterschiedliche Dosen an Vitamin D verabreicht. Die eine Gruppe erhielt die offiziell  empfohlene Dosis von 400 IE (Internationale Einheiten), die andere Gruppe das 10fache, 4.000 IE.

Das Ergebnis war erstaunlich: Nach 33 bzw. 37 Wochen lag das Risiko einer vorzeitigen Geburt in der Gruppe mit der „normalen“ Vitamin D Dosis um etwa 50 Prozent höher als in der Vergleichsgruppe mit 4.000 IE. Die Fälle von ungewöhnlich leichten Babies war in dieser Gruppe ebenfalls wesentlich häufiger.

Mehr noch, Atemwegserkrankungen und entzündliche Erkrankungen der Geburtswege kamen in der Gruppe mit der höheren Vitamin D-Gabe wesentlich seltener vor. Um 30 Prozent geringer war das Risiko von typischen Schwangerschafts- und Geburtskrankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck oder Präeklampsie.

Die Babies in dieser Gruppe litten deutlich seltener unter Erkältungen oder Ekzemen.

Nebenwirkungen der hohen Vitamin D-Dosen wurden nicht beobachtet.

Unsere Ergebnisse werden hoffentlich die Frauenärzte alarmieren, die sich bisher nicht um den Vitamin D-Spiegel ihrer Pateientinnen gekümmert haben“, so Prof. Bruce Hollis, der Leiter der Studie an der Medical University of Charleston in South Carolina, USA.

Die noch unpublizierte Studie wurde in Brügge beim 14 Vitamin D-Workshop vorgestellt.

Noch aktueller weist eine finnische Studie nach, dass selbst bei einer Nahrungsergänzung mit Vitamin D-Pillen  in der von den Fachgesellschaften empfohlenen Dosis, 71 Prozent der Schwangeren unter einem Vitamin D-Mangel leiden – mit gravierenden Konsequenzen für das Knochenwachstum und die Größe der Babies.

Ein weitere Studie, die im März d.J. erscheinen soll,  bestätigt einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Vitmain D-Status der Schwangeren und dem Entwicklungsstand des Babies bei der Geburt. Die Forscher betonen das komplexe Verhältnis, bei dem nicht alle Faktoren bisher bekannt seien. Soe scheine es einen erheblichen Unterschied zwischen den Rassen zu geben.

Über ähnliche Ergebnisse weiterer Studien zu Vitamin D, Schwangerschaft und Geburt haben wir hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier

Quelle: Times Online

Studien:

H.T. Viljakainen et al., Maternal Vitamin D Status Determines Bone Variables in the Newborn, Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, Februar 2010, online vorab veröffentlicht

Lisa M. Bodnar et al., Maternal Serum 25-Hydroxyvitamin D Concentrations Are Associated with Small-for-Gestational Age Births in White Women, The Journal of Nutrition (March 3, 2010)

Spermien_fotoliaNoch einmal zu Sonne, Vitamin D und Männlichkeit:

Das Sonnenschein-Vitamin D scheint für die männliche Zeugungskraft eine noch höhere Bedeutung zu haben als ohnehin schon vermutet.  Die Häufung von Vitamin D-Rezeptoren (die “Türhüter” der Zellen für den Zugang des aktiven Vitamin D in die Zellkerne) in Hoden, Samenleiter und in den reifen Samenzellen legen diesen Schluss nahe.

Dänische Forscher hatten sich dieser Frage auf neuen Wegen genähert. Sie untersuchten die Funktionen verschiedener Vitamin D-Rezeptoren in den männlichen Geschlechtsorganen und der Enzyme, die für die “Zubereitung” des Vitamin D und dessen Wirksamkeit zuständig sind.

Sie fanden bei den Versuchsteilnehmern bestätigt, was bereits aus Tierversuchen bekannt war: Ein Vitamin D-Mangel führt zu geringerer Spermienbildung und Fruchtbarkeit bei den betroffenen Männern.

Erst kürzlich hatten Studien den Zusammenhang zwischen dem Sonnenschein-Vitamin und der Bildung von männlichen Hormonen belegt.

Die Autoren dieser Studie machten dabei in ersten Untersuchungen auch mit Frauen eine scheinbar paradoxe Entdeckung:
Bei Frauen scheint Vitamin D die Testosteronwerte zu senken!

Eine Gruppe von Frauen mit krankheitsbedingter Überproduktion des männlichen Hormons wurden erfolgreich mit Vitamin D behandelt. Die abschliessenden Ergebnisse der Studie liegen allerdings noch nicht vor. Ein Punkt mehr allerdings bereits jetzt für die “heilende Sonne” , ihr Sonnenschein-Vitamin und die natürliche Steuerung ihrer Wirkungen jeweils dorthin, wo sie gebraucht werden.

Quelle: PubCrawler

Studie:  Martin Blomberg Jensen et al.,  Vitamin D receptor and vitamin D metabolizing enzymes are expressed in the human male reproductive tractHuman Reproduction,  online vorab publiziert 18. Februar 1020.

Sonne macht schlank

Sonne macht schlank

Sonnenmangel ....

Sonnenmangel .... Foto: Fotolia

Sonnenschein-Vitamin verhindert die “Verfettung” der Muskeln bei Frauen. Je größer das Vitamin D-Defizit desto leichter kann sich das Fett in den Muskeln ablagern.

Forscher von der University of Southern California in Los Angeles (UCLA) und der kanadischen McGill-University maßen bei 90 jüngeren Frauen den Vitamin D-Spiegel im Blut,  und per Computer-Tomographie die Muskelmasse, das Körperfett und den Fettanteil der Muskeln.

59 Prozent der Frauen zeigten einen Vitamin D-Mangel (<29 ng/ml) und davon wiesen 24 Prozent ein ernsthaftes Vitamin D-Defizit (<20 ng/ml) auf.  Nur 41 Prozent der Probandinnen hatten einen normalen Vitamin D-Spiegel. Diese Werte stellen ein annährend  genaues Abbild der weiblichen Bevölkerung in der Region, mit – wie sich die Forscher ausdrücken – einem “epidemischen” Vitamin D-Mangel. Ähnlich auch die Verhältnisse in der deutschen Bevölkerung, die in den vergangenen Jahren vom Robert-Koch-Institut ermittelt wurden.

Der Anteil an Fett in den Muskeln war bei den Frauen mit normalen Vitamin D-Werten deutlich geringer (fast um 25 Porzent) als bei den Frauen mit Vitamin D-Mangel.

Über ähnliche Studienergebnisse hatten wir hier, hier und hier bereits berichtet.

Quelle: HighWire

Studie:  Vicente Gilsanz et al., Vitamin D Status and Its Relation to Muscle Mass and Muscle Fat in Young WomenJournal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 17. Februar 2010 (online vorab veröffentlicht)

Wer ausreichend Vitamin D – überwiegend durch UV-Strahlung – tankt, ist deutlich weniger anfällig für typische “Volkskrankheiten” wie Herz-Kreislauf-, Gefäß- und Stoffwechselerkrankungen, Diabetes und das sogenannte “metabolische Syndrom”,  eine Kombination aus Übergewicht, gestörtem Zuckerstoffwechsel, Bluthochdruck und hohen Blutfettwerten. So das Ergebnis eine Meta-Studie an der englischen University of Warwick.

Die britischen Forscher um Studienleiter Prof. Oscar Franco hatten 28 methodisch hochwertige Studien mit 95.745 Teilnehmern ausgewertet, um den Zusammenhang von Vitamin D-Spiegel im Blut und weit verbreiteten chronischen Krankheiten zu untersuchen.

Die Probanden mit den höchsten Vitamin D-Werten hatten ein um 43 Prozent geringeres Risiko für Gefäß- und Stoffwechselkrankheiten als diejenigen mit den geringsten Blutwerten. Bei älteren Menschen und Menschen mittleren Alters verringerte sich das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen um 33 Prozent, für Diabetes um 55 Prozent und für das metabolische Syndrom um 51 Prozent.

Wenn damit auch noch nicht abschließend die Frage nach Ursache und Wirkung  geklärt sei, so Prof. Franco, sollte doch bereits beim gegenwärtigen Stand der Forschung die ausreichende Versorgung mit dem “Sonnenschein-Vitamin” vor allen für die “epidemischen” Herz- und Gefäßkrankheiten hohe Priortät geniessen.

Vor allem im “Vitamin D-Winter”, wenn die schräg stehende Sonne im Freien die Vitamin D-Synthese in der Haut nicht “ankurbeln” kann, ist – in engen Grenzen – die richtige Ernährung (fetter Fisch, Pilze, Milch) oder Nahrungsergänzungen besonders wichtig.  Soalrien mit ausreichendem UVB-Anteil im Strahlensprektrum können darüber hinaus die natürliche Rolle der Sonne als Vitamin D-Produzent übernehmen.

Quelle: Wissenschaft aktuell

Studie:  O.H. Franco et al.,  Levels of vitamin D and cardiometabolic disorders: Systematic review and meta-analysis, Maturitas, Volume 65, Issue 3, Pages 225-236 (März 2010)

Winter-Sonne reicht nicht

Winter-Sonne reicht nicht Foto: iStockphoto

Vitamin D-Mangel ist weit verbreitet in der deutschen Bevölkerung. Vor allem im Vitamin D-Winter (bei uns zwischen Oktober und März) trifft es viele der „Problemgruppen“, vor allem die Alten und die Jugendlichen. Eine Unterversorgung mit dem Sonnenschein-Vitamin D bei 80 Prozent dieser Gruppen hat dramatische Auswirkungen vor allem auf chronische Erkrankungen und „Volkskrankheiten“ wie Osteoporose, Diabetes, Herzinfarkt und Schlaganfall, Krebs und Infektionskrankheiten, Demenz und Depression.

Die Kosten für das Gesundheitssystem gehen in die Milliarden. Kosten, die vermeidbar wären. Die im Winter fehlenden UVB-Strahlen der Sonne lassen sich nämlich durch künstliche Besonnung problemlos ersetzen. Schon mit einer kleinen Serie von UVB-Bestrahlungen oder Bestrahlungen mit Sonnen-ähnlichen Geräten kann eine erhebliche Verbesserung des Vitamin D-Spiegels erreicht werden.

Bei dem besonders langen Winter im hohen Norden ist es nicht verwunderlich, dass sich vor allem auch finnische Wissenschaftler mit dieser Möglichkeit beschäftigen, der Natur auf die Sprünge zu helfen. Ein Forschergruppe aus Lahti im finnischen Norden testeten mit 56 gesunden Frauen aller Altersgruppen die Wirkungen einer Bestrahlung mit ausschließlich UVB und alternativ mit simulierten Sonnenstrahlen auf die Vitamin D-Bildung über die Haut.

77 Prozent der Frauen wiesen zu Beginn der Versuche einen Vitamin D-Mangel (weniger als 50 nmol/L) und 11 Prozent sogar einen schweren Mangel (weniger als 25 nmol/L) aus.

Schon nach sieben Bestrahlungen mit insgesamt 13 SED (Standard Erythema Units) auf den gesamten Körper war der Vitamin-d-Spiegel um 11,4 nmol/L gestiegen, bei der Bestrahlung nur von Gesicht und Armen immerhin um 1,0 nmol/L. Bei den Bestrahlungen mit sonnenähnlichem Licht erhöhte sich der Spiegel im Durchschnitt um 3,8 nmol/L.

Selbst bei Messungen nach zwei Monaten lag der Vitamin D-Spiegel der UVB-bestrahlten Gruppe noch deutlich über der der nicht bestrahlten Kontrollgruppe.

Es hat sich gezeigt, dass schon eine kurze, niedrig dosierte UVB-Bestrahlung die Vitamin D-Versorgung im Winter deutliche verbessern kann,“ so fassen die finnischen Wissenschaftler das Ergebnis Ihrer Tests zusammen.

Über ähnliche Ergebnisse hatten wir hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier berichtet.

Quelle: Highwire

Studie: K. Vähävihu et al., Narrow-band UVB course improves vitamin D balance in women in winter, British Journal of Dermatology 2010, Jan 22. (online vorab veröffentlicht)

Eine der wichtigsten und erst allmählich wissenschaftlich erforschten Funktionen des Vitamin D ist die Immunssteuerung im menschlichen Körper. Nachgewiesen ist das längst für Krankheiten wie Tuberkulose, Wundheilung oder Grippe. Die Vermutung lag nahe, dass die antibakterielle und antivirale Wirkung des Sonnenschein-Vitamins auch bei der Bekämpfung von HIV hilfreich sein könnte.

Eine Studie an der Harvard Universität in Boston, USA, fand jetzt erste Belege für die Richtigkeit dieser Vermutung.  Die Forscher verfolgten den Krankheitsverlauf von 884 HIV-infizierten, schwangeren Frauen in Tansania über einen Zeitraum von knapp sechs Jahren. Die Vitamin D-Werte der Frauen wurden ermittelt.

Es zeigte sich, dass die Frauen mit niedrigem Vitamin D-Spiegel im Blut (25-hydroxyvitamin D geringer als 32 ng/ml) bedeutend früher ein fortgeschrittenes Stadium der Erkrankung erreichten als die Frauen mit ausreichender Vitamin D-Versorgung. Das Risiko einer Anämie war bei Vitamin D-Mangel um 46 Prozent, die Sterblichkeitsrate um 42 Prozent höher im Vergleich mit dem am besten versorgten Fünftel der Probanden.

Quelle: PubMed

Studie:  S. Mehta, E. Giovannucci et al., Vitamin D status of HIV-infected women and its association with HIV disease progression, anemia, and mortality, PLoS One 2010 Jan 19;5(1):e8770 (PDF kostenfrei)

junger-mann-in-der-sonneMännliche Hormone (Androgene) richten sich nach der Sonne.  Männer mit einem normalen Vitamin D-Spiegel im Blut von mindestens 30 ng/l haben deutlich höhere Testosteron-Werte (insbesondere an nicht gebundenem, verfügbarem und daher wirksamen Testosteron) als Männer mit niedrigeren Vitamin D-Werten (20-29 oder gar <20 ng/l).
Diese Werte sind – genau wie die Vitamin D-Werte – von der Sonneneinstrahlung abhängig. Ende März – am Ende des “Vitamin D-Winters” -  ist der Testosteron-Spiegel am niedrigsten, Ende August am höchsten. Flapsig gesprochen: Je höher die Sonne steigt, desto männlicher der Mann!

Ganz so drücken es zwar die Forscher an der Medizinischen Universität Graz nicht aus, die diesen Zusammenhang untersucht haben und jetzt die Ergebnisse in der Fachzeitschrift “Clinical Endocrinology” veröffentlichten.  Ihre Untersuchungen von 2299 Männern über einen  Zeitraum von vier Jahren bestätigen aber einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der  Versorgung mit dem “Sonnenschein-Vitamin D”, saisonalen Einflüssen und der Höhe des wirksamen männlichen Hormon-Pegels.

Da 80-90 Prozent des “Sonnenschein-Vitamins”  durch die UV-Strahlen der Sonne oder im Solarium über die haut im Körper selbst gebildet wird, reicht die Ernährung für eine ausreichende Versorgung nich annnähernd.  “Das UVB-Licht ist und bleibt der wichtigste Lieferant, wer zu wenig in der Sonne ist, muss Vitamin D zusätzlich einnehmen“, so der Leiter der Forschungsgruppe, Dr. Winfried März vom Synlab Medizinischen Versorgungszentrum Heidelberg, im Interview mit pte.

Vor allem im Winter könne künstliches Sonnenlicht in Solarien das fehlende Sonnenlicht  ersetzen. “Die nötige Menge ist nicht einmal besonders hoch. Eine Exposition von 15 bis 20 Minuten reicht dafür aus“, so der Mediziner abschließend.

Quelle:  ScienceDaily/pte

Studie: E. Wehr, S.  Pilz, B.O. Boehm , W. März, B. Obermayer-Pietsch, Association of vitamin D status with serum androgen levels in menClinical Endocrinology 29. Dezember 2009

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