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John Dalli, Eu-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz

Für die Presse war es wieder einmal ein gefundenes Fressen und einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich nicht so genau ins Maul.

Jede siebte Sonnenbank macht krank“,  “Sonnenstudios gefährden die Gesundheit”, “Burn Baby Burn: Strahlende Sonnenbänke“, “Neueste Horrormeldung…” – es rauschte mal wieder im deutschen Blätterwald, und wie so oft bei diesem Thema spielten die Fakten eine eher untergeordnete Rolle. Was war passiert?

Der neue EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz, John Dalli, hatte in Brüssel eine Erhebung aus den letzten beiden Jahren vorgestellt, bei der sich zeigte, dass knapp 15 Prozent der europaweit untersuchten Sonnenstudios nicht den neuen EU-Bestimmungen (Euronorm) zum Beispiel über Bestrahlungsstärken von 0,3 W/m² entsprachen.

Hätten nun die deutschen Medien und Presseagenturen genauer hingeschaut, wäre ihnen aufgefallen, dass

  1. diese neuen EU-Regulierungen, vor allem die o,3 W/m² für alle Geräte,  in Deutschland überhaupt noch nicht gelten. Das passiert erst mit der Verabschiedung der noch in Arbeit befindlichen Verordnung zum sog. “Solariengesetz” vom Juli vergangenen Jahres, und u.a. aus diesem Grund,
  2. in Deutschland nur ganze zwei (2) Studios, davon ein Selbstbedienungsstudio, in die Untersuchung einbezogen worden waren, und dass sich folglich
  3. das Entsetzen über die Verfehlung eines nicht gültigen Standards durch 0,04 Prozent der deutschen Sonnenstudios sich eigentlich in Grenzen halten sollte.

Soviel journalistische Sorgfalt, dass auch noch der Unterschied zwischen Bestrahlungsstärke und der für die Wirkung ausschlaggebenden Bestrahlungsdosis berücksichtigt würde, mag man den überlasteten Redakteuren erst garnicht zumuten. Dass

  • zwei Stunden in der Mittagssonne am Ballermann mehr Schaden in der Haut anrichten und weniger positive Wirkungen wie etwa Vitamin D-Synthese bewirken kann als
  • 10 Minuten auf einer Sonnenbank mit 0,6 W/m²

ist allerdings auch ohne umfassende Recherche nachvollziehbar.

Erst garnicht erwähnt wird die auch vom EU-Kommissar ausdrücklich gewürdigte Tatsache, dass sich die Solarienverbände, vertreten durch die European Sunlight Association (ESA), seit Jahren aktiv und in enger Kooperation mit der europäischen Kontroll-Initiative PROSAFE im Rahmen der “Joint Action on Sunbeds (JAS)” an der Entwicklung und Durchsetzung einheitlicher Regularien in Europa beteiligt hat.  Ein einheitlicher Standard und durchsichtige Kontrollmechanismen sind – leicht nachvollziehbar – durchaus auch im Interesse der europäischen Solarienbranche! (Hier die Stellungnahme der ESA dazu).

Nun mangelt es sicher am deutschen Besonnungmarkt – wie in allen anderen Branchen auch – nicht an “schwarzen Schafen”, die sich auch nach der offiziellen Einführung von allgemein akzeptierten Standards als anpassungsresistent erweisen werden.  Aber das kann dann erst nach Einführung der Standards durch Kontrollen festgestellt und dann – sicher wieder mit dramatisch-semantischem Aufwand – von den einschlägigen Medien beklagt werden.

Quelle: Pressemeldungen EU-Kommission und ESA/diverse Veröffentlichungen in der Tagespresse

Winter-Sonne reicht nicht

Winter-Sonne reicht nicht Foto: iStockphoto

Vitamin D-Mangel ist weit verbreitet in der deutschen Bevölkerung. Vor allem im Vitamin D-Winter (bei uns zwischen Oktober und März) trifft es viele der „Problemgruppen“, vor allem die Alten und die Jugendlichen. Eine Unterversorgung mit dem Sonnenschein-Vitamin D bei 80 Prozent dieser Gruppen hat dramatische Auswirkungen vor allem auf chronische Erkrankungen und „Volkskrankheiten“ wie Osteoporose, Diabetes, Herzinfarkt und Schlaganfall, Krebs und Infektionskrankheiten, Demenz und Depression.

Die Kosten für das Gesundheitssystem gehen in die Milliarden. Kosten, die vermeidbar wären. Die im Winter fehlenden UVB-Strahlen der Sonne lassen sich nämlich durch künstliche Besonnung problemlos ersetzen. Schon mit einer kleinen Serie von UVB-Bestrahlungen oder Bestrahlungen mit Sonnen-ähnlichen Geräten kann eine erhebliche Verbesserung des Vitamin D-Spiegels erreicht werden.

Bei dem besonders langen Winter im hohen Norden ist es nicht verwunderlich, dass sich vor allem auch finnische Wissenschaftler mit dieser Möglichkeit beschäftigen, der Natur auf die Sprünge zu helfen. Ein Forschergruppe aus Lahti im finnischen Norden testeten mit 56 gesunden Frauen aller Altersgruppen die Wirkungen einer Bestrahlung mit ausschließlich UVB und alternativ mit simulierten Sonnenstrahlen auf die Vitamin D-Bildung über die Haut.

77 Prozent der Frauen wiesen zu Beginn der Versuche einen Vitamin D-Mangel (weniger als 50 nmol/L) und 11 Prozent sogar einen schweren Mangel (weniger als 25 nmol/L) aus.

Schon nach sieben Bestrahlungen mit insgesamt 13 SED (Standard Erythema Units) auf den gesamten Körper war der Vitamin-d-Spiegel um 11,4 nmol/L gestiegen, bei der Bestrahlung nur von Gesicht und Armen immerhin um 1,0 nmol/L. Bei den Bestrahlungen mit sonnenähnlichem Licht erhöhte sich der Spiegel im Durchschnitt um 3,8 nmol/L.

Selbst bei Messungen nach zwei Monaten lag der Vitamin D-Spiegel der UVB-bestrahlten Gruppe noch deutlich über der der nicht bestrahlten Kontrollgruppe.

Es hat sich gezeigt, dass schon eine kurze, niedrig dosierte UVB-Bestrahlung die Vitamin D-Versorgung im Winter deutliche verbessern kann,“ so fassen die finnischen Wissenschaftler das Ergebnis Ihrer Tests zusammen.

Über ähnliche Ergebnisse hatten wir hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier berichtet.

Quelle: Highwire

Studie: K. Vähävihu et al., Narrow-band UVB course improves vitamin D balance in women in winter, British Journal of Dermatology 2010, Jan 22. (online vorab veröffentlicht)

In ungewöhnlich deutlichen Worten distanzierte sich in diesen Tagen der niederländische „Gesundheitsrat“ (Dutch Health Council), das wissenschaftliche Beratungsgremium des Gesundheitsministeriums, von negativen Aussagen über Sonne und Solarien der Weltgesundheitsorganisation, WHO, und ihres wissenschaftlichen Beirats, IARC.

Die Einstufung der Solarien als “krebserregend” durch die Wissenschaftsagentur  im Juli dieses Jahres hatte eine beispiellose Medienlawine ausgelöst bis hin zu  Vergleichen von Sonnenbänken mit tödlichen Gasen und Giften.

Schon damals wiesen international renommierte Wissenschaftler auf Fehler und Schwächen in der Begründung und auf die einseitige Auswahl der Studien hin.

In einer Stellungnahme an die holländische Regierung wendet sich das Dutch Health Council sowohl gegen die Falschinformationen durch die Medien als auch gegen die wissenschaftlich fragwürdigen Behauptungen der IARC (International Agency for Research on Cancer):

  1. Die Aufnahme in die Top-Liste der “krebserregenden” Substanzen sage nichts über das Ausmass der Gefährdung und noch weniger über die Bedingungen und Voraussetzungen  unter denen überhaupt ein Krebsrisiko durch (künstliche) Besonnung entstehen könnte.
  2. Tatsächlich gäbe es keinen wissenschaftlich überzeugenden Grund, mäßiges und kontrolliertes  Sonnen im Freien oder im Solarium mit der Entstehung vor allem des gefährlichen “schwarzen” Hautkrebs, Melanom, in Verbindung zu bringen.
    Wörtlich:
    Der Gesundheitsrat ist der Ansicht, dass eine sichere Aussage über die Folgen der Solarien-Nutzung für die Ausbreitung des Melanoms nicht möglich ist.”  Zumindest müssten dann die genauen Umstände benannt werden, wie etwa die Nutzungshäufigkeit und -intensität, die Strahlendosis, Alter und Hauttyp sowie natürlich die Art der Strahlenquelle, etwa der Besonnungslampen.
  3. Das Wissenschaftsgremium der WHO habe außerdem einseitig auf die möglichen negativen Folgen der UV-Strahlen verwiesen, ohne die bedeutenden positiven Gesundheitswirkungen auch nur im Ansatz zu berücksichtigen.

Die Wissenschaftler verweisen auf die “10 Goldenen Regeln” für vernünftiges Sonnen, die der Rat schon vor Jahren formuliert hatte. Darín sehen sie  den kürzesten Weg zur
optimalen Balance zwischen dem positiven Gesundheitsnutzen der UV-Strahlen von Sonne und Sonnenbank einerseits und den Gefahren einer übermäßigen Besonnung andererseits.

Der Dutch Health Council ist das bedeutendste wissenschaftliche Beratungsgremium der Niederlande im Gesundheitbereich. Seine Studien, Stellungnahmen und Empfehlungen bilden häufig die inhaltliche Grundlage für Gesetzgebungsverfahren. Ihm gehören eine Reihe  renommierter Wissenschaftler von verschiedenen niederländischen Universitäten an.

Quelle:  Sunlight Research Forum (SRF)

Die Stellungnahme der Dutch Health Council: Advisory letter UV radiation and sunbeds, Download (PDF)

Gleichmäßige Vitamin D-Versorgung durch Solarien im Herbst und Winter

Gleichmäßige Vitamin D-Versorgung durch Solarien im Herbst und Winter

Für die positiven Gesundheitswirkungen des Vitamin D3, des Sonnenschein-Vitamins, ist eine gleichmäßige Versorgung des menschlichen Körpers wichtig.
Solarien können diese gleichmäßige Versorgung im Herbst und Winter sicherstellen.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Forschungsgruppe um Professor Johan Moan von der Universität Oslo in einer Studie, die soeben in der Fachzeitschrift ‚Photochemistry and Photobiology’ erschienen ist.

Prof. Johan Moan: „In den Wintermonaten sinkt der Vitamin D-Spiegel deutlich, da das Sonnenlicht dann zu wenig ultraviolettes Licht enthält, um die Vitamin D-Produktion in der menschlichen Haut anzukurbeln. Nutzt man in dieser Zeit Solarien, kann dieser Einbruch vermieden und der Vitamin D-Spiegel auf einem gleichbleibend hohen Niveau gehalten werden.

Vitamin D, das belegen weltweite medizinische Studien, zeitigt positive Effekte auf die Zell- Knochen- und Organgesundheit und wirkt Autoimmun- sowie Hauterkrankungen entgegen. Es wird, angeregt durch UV-Strahlung, zu 90 Prozent über die Haut gebildet.

Über ähnliche Ergebnisse internationaler Forschung haben wir bereits hier, hier, hier, hier, hier und hier berichtet.

Quelle: Sunlight Research Forum

Studie: Johan Moan, Zoya Lagunova, Emanuela Cicarma, Lage Aksnes, Arne Dahlback, William B. Grant, Alina Carmen Porojnicu,  Sunbeds as Vitamin D Sources, Photochemistry and Photobiology, 24 Sep 2009 (vorab online veröffentlicht)

Sonnenbank-Nutzer sind besser informiert - und besser drauf!

Sonnenbank-Nutzer sind besser informiert - und besser drauf!

Junge Leute, die gut informiert sind über Gefahren und Nutzen der UV-Strahlen, gehen häufiger in ein Sonnenstudio als die weniger gut Informierten.

Mit einer Art spürbarem Entsetzen haben jetzt Wissenschaftler der Wake Forest Universität in den USA dieses offenbar unerwartete Ergebnis ihrer eigenen Forschung zur Kenntnis genommen.  Offenbar, so die Forscher, liessen sich die Menschen eher von ihrer Überzeugung leiten, dass sie durch die Sonnenbank-Nutzung vitaler und attraktiver würden und sich insgesamt wohler fühlten.

Ihre nicht so ganz wissenschaftliche Schlussfolgerung: Um die Menschen von der Sonnenbank fernzuhalten, müsse man in  Anti-Solarien-Kampagnen diese Motivation aufnehmen und nutzen, um chemische Bräunungsmittel (”sunless tanning”) zu empfehlen. Auf die Idee, dass Wohlgefühl und Vitalität ihre Gründe in den positiven Gesundheits- und Stimmungseffekten der Sonnenstrahlen oder ihrer “Stellvertreter” auf der Sonnenbank haben könnten, scheint ihnen garnicht gekommen zu sein.

Genau diese positiven Effekte aber haben bereits früher anderen Forschern den Verdacht nahegelegt, Sonnenstrahlen und Sonnenbank könnten süchtig machen. Erst bei näherem Hinsehen kam dann die Erkenntnis, dass hier die Motivation schlicht das verbesserte Köpergefühl war und z.B. das Verschwinden chronischer Schmerzen und nicht eine wie auch immer ausgelöste Sucht.

(Kuriosität am Rande: Forscherkollegen an der gleichen Universität hatten erst kürzlich in einer Studie die lindernde und heilende Wirkung der Sonnenbank bei chronischen Schmerzen bestätigt).

Erst vor wenigen Monaten hatte auch eine deutsche Studie festgestellt, dass gründliche Information über die UV-Strahlen von Sonne und Solarium den Besuch von (gut geführten) Sonnenstudios eher fördert als verhindert.
Kurios auch hier: Die Studie war im Auftrag einer Organisation gefertigt worden, die in in regelmäßigen öffentlichen Äusserungen Menschen von der Verderblichkeit der künstlichen Besonnung überzeugen möchte.

Quelle: PubMed

Studie:  Leslie K Dennis et al.,  Tanning behaviour among young frequent tanners is related to attitudes and not lack of knowledge about the dangers, Health Education Journal, Vol. 68, No. 3, 232-243 (2009)

Schmerz-Fotolia

Sonnenbank lindert den Schmerz

Die UV-Strahlen der Sonnenbank helfen gegen eine schmerzhafte Krankheit, der ansonsten nur schwer beizukommen ist, der Fibromyalgie, unspezifische Schmerzen unterschiedlicher, oft unbekannter Ursache.

Dass die Sonnenstrahlen Schmerzen lindern können, ist eine Alltagserfahrung. Eine wissenschaftliche Bestätigung liefert jetzt eine Studie von Forschern der Wake Forest Universität, North Carolina, USA. In einer Pilotstudie gingen sie der Frage nach, ob UV-Strahlen eines Solariums chronischen Schmerz lindern kann.

Sie schickten 19 Männer und Frauen, die unter Fibromyalgie litten, zwei Wochen lang auf Sonnenbänke mit unterschiedlicher UV-Strahlung. In weiteren sechs Wochen wurde eine Gruppe weiterhin mit UV-Licht bestrahlt, während die andere Gruppe auf Sonnenbänken mit Licht ohne UV-Anteile “sonnten”.
Vier Wochen nach der letzten Sonnenbank-Sitzung wurden die Probanden interviewt und ihr Schmerzempfinden auf einer 11stufigen Skala erfasst.

Schon nach den ersten zwei Wochen zeigte sich nicht nur eine Verbesserung der Schmerzen sondern auch ein fast dreifach besseres Allgemeinbefinden und eine entspanntere, aufgehellte Stimmungslage bei den Teilnehmern mit UV-Bestrahlung gegenüber den Teilnehmern, die ohne UV bestrahlt worden waren.

Die darauf folgenden sechs Wochen mit Bestrahlungen auf der Sonnenbank führten zwar zu einer weiteren aber weniger spektakulären Linderung der Schmerzen bei den UV-bestrahlten Patienten im Vergleich zur Kontrollgruppe. Danach brachten weitere Bestrahlungen mit UV-Licht keine zusätzlichen Verbesserungen mehr für die UV-Gruppe.

Der Nachweis war erbracht: UV-Licht von der Sonnenbank hilft selbst gegen die hartnäckigen Schmerzen einer Fibromyalgie.

Vor einigen Monaten erst hatte eine Forschergruppe bei der Suche nach den Gründen für die “Sonnen- oder Bräunungs-Sucht” (Tanerexie) die gleiche Entdeckung gemacht: Menschen, denen auf der Sonnenbank derSchmerz genommen oder gelindert wurde, waren “süchtig” nach der künstlichen Besonnung. (Ähnlich auch hier)

Quelle: Science Daily

Studie: Sarah L. Taylor et al.,  Pilot Study of the Effect of Ultraviolet Light on Pain and Mood in Fibromyalgia Syndrome, The Journal of Alternative and Complementary Medicine, 2009, 15(1): 15-23

Im polnischen Unterhaus geht die (künstliche) Sonne unter. Die Verwaltung hat das Solarium im Abgeordneten-Hotel abgebaut und versteigert. Die Abgeordneten wurden bei dieser Nachricht blass – und werden es nun wohl auch bleiben.

Gerüchten zufolge hatte der Abgerodnete der radikalen Bauernpartei “Samoobrona” (Selbstverteidigung), Andrzej Lepper, den Kauf des Solariums in die Wege geleitet , um als Ex-Agrarminister bei seiner auf den Feldern in der Sonne arbeitenden Kernwählerschicht authentisch rüberzukommen.

Nach Angaben der Sejm-Verwaltung ersteigerte ein Unternehmer das Solarium.

Besser soll es den vierbeinigen Lieblingen von Frauchen und Herrchen ergehen, wenn es nach diesem Angebot im Internet geht:

Hund, Du hast es besser!

Hund, Du hast es besser!

Solarien für das Wohlgefühl und die Gesundheit von Pferden sind ja durchaus Standard.  Weniger bekannt die Möglichkeit, auch Hunde selbst im skchlimmsten Herbst-Schmuddelwetter bei Laune zu halten – mit dem Hunde-Solarium.  Der Hersteller garantiert den Erfolg gegen den Winter-Blues von Zwergpinscher bis Pitbull.

Quellen: Rooster 24 und Paradise Image

Frauen, die häufiger als drei mal pro Jahr eine  Sonnenbank benutzen, verringern ihr Risiko, an einem Gebärmutter-Krebs zu erkranken, um 50 Prozent im Vergleich zu Frauen, die nie oder selten ein Solarium benutzen.  Sonnenbaden im Sommer führt immerhin noch zu einer Risiko-Senkung um etwa 20 Prozent.

So das Ergebnis einer Langzeitstudie mit fast  30.000 Teilnehmerinnen über 15 Jahre hinweg.  Die Forscher am Institute of Clinical Sciences der Universität Lund in Schweden hatten mit dieser Studie den Zusammenhang von Sonne, UV-Strahlen und Gebährmutterkrebs untersucht.

Der Gebärmutterkrebs ist die vierthäufigste Krebsart bei Frauen und die häufgste der weiblichen Geschlechtsorgane mit etwa 12.000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland.

Wissenschaftliche Erkenntnisse wie diese (und hunderte ähnlicher Studie über die positiven Gesundheitswirkungen der Sonnenstrahlen) werden in der derzeit wieder hoch schwappenden Diskussion um gesetzliche Regulierungen von Solarien völlig ausgeblendet – eine Diskussion, bei der sich die meisten Medien ohne Gegenwehr dermatologische Scheuklappen aufsetzen lassen.

In einer Pressekonferenz der Deutschen Krebshilfe und der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) vor einigen Tagen wurde die längst wissenschaftlich gesicherte Bedeutung der UV-Strahlen und des “Sonnenschein-Vitamins” D – zu etwa 90 Prozent “Produkt” dieser Strahlen -  für die Prävention und Therapie vieler “Volkskrankheiten” wie Osteoporose, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs völlig ausgeblendet.

Mehr noch, die Protagonisten dieser Inszenierung forderten auch ein Verbot aller Aussagen über diese positiven Wirkungen der UV-Strahlen in Zusammenhang mit der künstlichen Besonnung auf der Sonnenbank. Ziel dabei ist der Druck auf die Autoren der kommenden Ausführungsverordnung zum “Solariengesetz”, das seit Anfang August in Kraft ist und die Nutzung von Solarien durch Jugendliche unter 18 Jahre verbietet.

Bei derartig aggressiven Versuchen, eigene standespolitische Interessen durchzusetzen ohne Rücksicht auf die fatalen Auswirkungen solcher Verbote für die Gesundheit der Bevölkerung, bleibt nur die Hoffnung auf die Weisheit und Belesenheit der Verordnungsgeber.

Quelle: ScienceDaily

Studie:  E. Epstein , P.G. Lindqvist, B. Geppert , H. Olsson,  A population-based cohort study on sun habits and endometrial cancer, British Journal of  Cancer, 2009 Aug 4;101(3):537-40

Seit Jahren schon werden die Daten aus dieser Studie am Meinungsmarkt gehandelt, jetzt endlich erscheint die Studie  aus dem Forschungszentrum Jülich selbst, wenn auch vorerst noch ohne die Mehrzahl der Tabellen und Graphiken, in der frei zugänglichen Zeitschrift “BMC Dermatology” (BioMed Central): Die Umfragestudie zur Nutzung von Sonnenbänken in Deutschland.

Solariennutzung in Deutschland - Graphik: BMC Dermatology

Solariennutzung in Deutschland nach Alter und Geschlecht  – Graphik: BMC Dermatology

Nach Erscheinen der vollständigen Daten werden wir ausführlicher darauf zurückkommen. Einen ersten Überblick bietet die nebenstehende Graphik.

28 Prozent der Deutschen im Alter ab 14 Jahren haben irgendwann einmal irgendwo (Sonnenstudio, Fitness-Center, Schwimmbad, zu Hause o.ä.) eine Sonnbank benutzt.  11 Prozent tun das 10mal pro Jahr oder häufiger. Das sind etwa 7,8 Millionen “aktive Nutzer”.

Die Altersgruppe mit der höchsten Nutzung sind die 30-44jährigen, wobei der relativ hohe Anteil von Männern erstaunt. Sonnenbank-Nutzung ist offensichtlich nicht mehr ganz überwiegend Frauensache – ausser bei den Jugendlichen unter 18 Jahren. Da spielen die Jungen mit 2 Prozent “Intensivnutzern” so gut wie keine Rolle.

Die etwa 700.000 Jugendliche mit mehr oder weniger aktiver Sonnenbank-Nutzung machen – das hatten die Solarienverbände auch in eigenen Untersuchungen festgestellt – magere 3,5 Prozent der Solarien-Kunden aus.

Überraschend sind die Ergebnisse nicht. Aber schon auf den ersten Blick erstaunt die in der Wissenschaft nicht immer übliche Offenheit, mit der die Interessen hinter der Studie deutlich ausgesprochen werden.  Die Forscher machen kein Hehl daraus, dass ihre Untersuchung dazu dienen soll, den Gegnern von Solarien  im Kampf  gegen die verderblichen Auswirkungen von Sonne und künstlicher Besonnung die Waffen zu schärfen. Die Studie wurde aufgelegt “…wegen der potentiell negativen Wirkungen der künstlichen Besonnung für die öffentliche Gesundheit…” (Alle Übersetzungen, d.Red.)
Die Autoren machen sich viele Gedanken darüber, wie man “die Nutzungsrate der künstlichen Besonnung wirkungsvoll zurückdrängen” könnte und mahnen alle Ärzte im Umgang mit ihren Patienten, “…häufiger und mehr  die bösen Gesundheitsfolgen in Zusammenhang mit Sonnenbänken zu betonen.

Über die positiven Gesundheitswirkungen von Sonne und Solarien wird kein Wort verloren. Abwägen war hier nicht der Auftrag. Auftraggeber: Das Bundesamt für Strahlenschutz.

So sind denn bemerkenswert an der Studie nicht eigentlich die vorgelegten Ergebnisse – ähnliche Studien in anderen Ländern haben ähnliches festgestellt – als vielmehr das spürbare Erstaunen der Autoren über die Motivationslage der Solarien-Nutzer (”Bräune ist attraktiv“, “Sonnen fühlt sich gut an” oder gar “Bräune ist gesund“) und die Sorge darüber, dass offensichtlich die Angst-Kampagnen gegen Sonnenbank-Nutzung und die Drohung mit dem “schwarzen Hautkrebs” an dieser Motivationslage nichts ändern. Im Gegenteil, die Intensiv-Nutzer (damit meinen die Autoren Menschen, die sich mindestens 10 Besonnungen pro Jahr leisten) unter den Studien-Teilnehmern waren durchschnittlich besser informiert als die Nicht-Nutzer.

Ein aufmerksamer Leser der einschlägigen Literatur (und natürlich ein Leser dieses Weblogs) könnte da auf die Idee kommen zu sagen: eben!

Quelle: BioMed Central

Studie:  Franziska U. Börner et al., A population-based survey on tanning bed use in Germany, BMC Dermatology 2009,  9:6, 20. Juli 2009 (online vorab)

Foto: R. Maschewski

Foto: R. Maschewski

Wie erwartet passierte heute mittag das “Solariengesetz” (Gesetz zur Regelung des Schutzes vor nichtionisierender Strahlung) mit der Mehrheit von Koalition, Grünen und Linken in Zweiter und Dritter Lesung den Bundestag ohne viel Aufhebens.

Tatsächlich enthält das Gesetzt ausser dem Solarienverbot für Jugendliche unter 18 Jahren wenig Substantielles. Erst die Ausführungsverordnung(en) werden die Weichen für die Zukunft der Besonnungsbranche stellen. Die Diskussion um die Details dort hat erst begonnen.

Nach der vermutlich “glatten” Verabschiedung im Bundesrat am 10.Juli, nach Unterzeichnung durch den Bundespräsidenten und nach Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt wird das Gesetz vermulich in der jetzt vorliegenden Form gültig – voraussichtlich spätestens im September.

Interessanter als der Vorgang selbst ist die unmittelbare Medien-Reaktion. Wie schon in der Vergangenheit referieren alle Medien – zumeist im Gefolge der dpa-Meldung aus dem Bundestag – reflexartig die seit Jahren wiederholten “Formeln”, mal mit Zitat der Autoren Deutsche Krebshilfe und ADP , mal ohne, über die verderblichen Folgen der künstlichen Besonnung im allgemeinen und für Jugendliche unter 18  Jahren im besonderen.

Dabei ist nicht eigentlich die Einseitigkeit der Auswahl halbwahrer wissenschaftlicher Befunde und der eher “spielerische” Umgang mit Statistiken bemerkenswert, als vielmehr die Unbefangenheit dieser Medien, solche Behauptung ohne jede Überprüfung nachzuplappern.

Nun ist die Verabschiedung eines ohnehin seit langem von allen Seiten eher gelassen-freundlich erwarteten Gesetzes sicher kein zwingender Anlass für eine differenzierte Analyse auf den aktuellen Medienseiten. Dennoch könnte man erwarten, dass gewisse polemische Kunstgriffe aus Angst-Kampagnen gegen Sonne und Solarien in ernstzunehmenden Medien keine Chance hätten. Beispiel:  “Von den schätzungsweise 14 Millionen Solarienbenutzern (haben) mehr als drei Millionen im Alter von 10 bis 17 Jahren mit dem künstlichen Bräunen begonnen.”

Woher auch immer diese drei Millionen geschöpft wurden, sicher ist, dass darunter 10-13-jährige praktisch garnicht und 14-15jährige nur in verschwindenden Mengen zu finden waren.  Tatsächlich weisen ja jedermann zugängliche Studien aus, dass z.B. der Anteil der 14jährigen, die sich regelmäßig, also einmal im Monat oder häufiger, auf die Sonnenbank legen, nicht einmal die 1-Prozent-Grenze überschreiten. Tatsächlich aber treibt die Vorstellung einer Art Massenbesonnung von 10jährigen, die mit einem solchen Zitat provoziert wird, dem ahnungslosen Leser Schauer über den Rücken und sichert die Zustimmung zu strengsten Maßnahmen gegen solch kinderschänderische Umtriebe.
(Kürzlich erst hatte ein veritabler Charité-Professor sich zu der dann viel zitierten Behauptung aufgeschwungen,  50 Prozent aller 14jährigen benutze regelmäßig ein Solarium – vermutlich mit dem schwer angreifbaren ethischen Argument, im Interesse einer guten Sache – hier: der Diffammierung der künstlichen Besonnung – sei ein Unterschied zwischen Behauptung und Wirklichkeit von läppischen 49 Prozentpunkten gerechtfertigt.)

Kein Wunder also, dass beim Verprügeln der “bösen” Sonne die wesentlich gravierenderen Gesundheitsfolgen der “guten” Sonne auf der Strecke bleiben.

Dabei geht es garnicht um das “Solariengesetz” selbst, dem nicht einmal die Branchenverbände widersprochen haben, wenn ihnen auch eine Verbotsregelung ab 16 Jahren aus wohlerwogenen Gründen (Jugendliche sind neben den Alten die größte Risikogruppe bei den Negativfolgen des Vitamin D-Mangels) vermutlich lieber gewesen wäre. Erschreckend ist vielmehr die emotional aufgeladene Einäugigkeit der veröffentlichten Meinung, die halbe Wahrheiten über wissenschaftlich durchaus umstrittene Negativ-Folgen der künstlichen Besonnung bedenkenlos verbreitet und bei den wissenschaftlich oft sehr viel solider oder zumindest ähnlich solide abgesicherten positiven Sonnen- und Solarienfolgen merkwürdige Berührungsängste entwickelt.

Dabei dürfte es doch garnicht so schwierig sein,  die nicht-kontroversen Fakten zu akzeptieren und die kontroversen, wissenschaftlich umso spannenderen Fragen offen und abgewogen öffentlich zu diskutieren.  Ein Gesetzgebungs- und Verordnungsprozess wäre dafür tatsächlich eine willkommene Gelegenheit -  eine Gelegenheit allerdings, die einmal mehr vertan zu werden droht.

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