Archiv für die Kategorie 'UV-Strahlen'

Cancer Research UK korrigiert Empfehlungen

Doch lieber eine Prise Sonnenlicht!

Nachdem bereits viele internationale Krebsorganisationen, vor allem aber Ärzte-Fachorganisationen, Stück für Stück ihre Empfehlungen für die Aufnahme des Sonnenschein-Vitamins D3 durch die Sonnenstrahlen oder durch Supplementierungen an den Stand der Wissenschaft angepasst haben (wir haben immer mal wieder darüber berichtet), steht jetzt auch die bemerkenswerte Kehrtwende einer Organisation an, der britischen Cancer Research UK, die sich in der Vergangenheit vor allem durch militante Aktionen gegen Sonne und (künstliche) Besonnung profiliert hatte.

Künftig lautet der Rat ans Publikum nicht mehr: Sonne meiden um jeder Preis und zu allen Zeiten, sondern: Kurzer Aufenthalt an der Mittagssonne ohne Sonnenschutz lange genug, um das notwendige Vitamin D zu tanken, dann Schatten oder Bekleidung. Sonnenbrand in jedem Fall vermeiden!

Die Trendwende kommt nach einer Flut wissenschaftlicher Arbeiten in den letzten Jahren über die Folgen des wachsenden, epidemischen Vitamin D-Mangels durch moderne, sonnenarme Lebensweisen. Erst jüngst hatte eine englische Studie nachgewiesen, dass der Aufenthalt an der Sonne im Sommer in unseren Breiten und mit unserem Lifestyle nicht ausreicht, die Vitamin D-Versorgung übern den sog. “Vitamin D-Winter” hinweg zu sichern.

Die deutschen Schwesterorganisationen der Cancer Research UK, wie etwa die Deutsche Krebshilfe, beharren trotzig auf Empfehlungen gegen den epidemischen Vitamin D-Mangel, die man etwa so zusammenfassen könnte: Selbstbräuner statt Sonnenbräune plus Pillen statt UV-Strahlen.

Quelle: Sunlight Research Forum

Der Traum von der perfekten, gleichmäßigen Ganzkörper-Bräune ist ausgeträumt.

Ausgerechnet Forscher aus Schottland, dem Land mit den meisten keltischen Hauttyp-1-Bewohnern, sind für diese Nachricht verantwortlich. Und nicht die schlappe Rache von neidischen Leuten, die ja ohnehin nicht bräunen, sondern tatsächlich harte Wissenschaft steckt hinter dieser Botschaft.

Die Wissenschaftler um den Dermatologen Prof. Jonathan Rees von der Universität Edinburgh konnten bei einem Experiment mit 98 Teilnehmern nachweisen, dass unterschiedliche Stellen des Körpers unterschiedlich bräunen und folglich ganz unterschiedlich besonnt werden müssten, um nahtlose Bräune zu erzeugen.
Wir haben nicht wirklich eine Haut oder einen Hauttyp sondern mehrere in den verschiedenen Haut-Regionen unseres Körpers, die unterschiedlich auf UV-Strahlen reagieren“, so Rees.

Die Teilnehmer waren in sechs Besonnungs-Sitzungen mit UVB-Bestrahlung auf dem Bauch liegend gleichmäßig besonnt worden. Aber schon eine Woche nach der ersten Bestrahlung stellten die Forscher fest, dass der Rücken sehr viel brauner geworden war als der Hintern und die Beine.

Wenn die Sonne gleichmäßig auf verschiedene Körperteile scheint, entwickelt sich die Bräune an einigen Stellen doppelt so schnell und intensiv wie an anderen. Bei der Hautrötung beträgt der Unterschied sogar 1:5. Was an der einen Stelle noch mäßige Besonnung ist, kann an einer anderen Stelle schon Sonnenbrand bedeuten.”

Die Wissenschaftler führen diese Unterschiede auf die unterschiedliche Dicke der Haut an den verschiedenen Körperstellen zurück.  Zwar hätten die Ausgangsbräune der Haut, Erbfaktoren, Geschlecht und der Hauttyp neben der Bestrahlungsstärke und der Körperregion einen Einfluss auf die Bräunung, aber bei einer Einbeziehung der Hautrötung seien lediglich noch die UV-Dosis und die Körperregion von Bedeutung.

Die ernste Seite dieses Experiments ist die Einsicht, dass es einen einfachen Sonnenschutz für den gesamten Körper nicht geben kann. Die Sonnenbrandgefahr ist bei verschiedenen Stellen der Haut sehr unterschiedlich. Faustregeln für einen gesunden Aufenthalt an der Sonne seien daher wertlos.

Die unterschiedliche Empfindlichkeit der Haut sei, so glauben die Forscher, auch verantwortlich dafür, dass bestimmte Hautschäden bis hin zum Hautkrebs an bestimmten Stellen häufiger auftreten als an anderen.

Quelle: Eurekalert

Studie: Jonathan L. Rees et al.,  The physiological and phenotypic determinants of human tanning measured as change in skin colour following a single dose of ultraviolet B radiationExperimental Dermatology, Volume 19 Issue 7, Pages 667 – 673

Nicht nur der gefährliche “schwarze” Hautkrebs, das Melanom, sondern auch der mit Abstand häufigste, aber relativ harmlose “weisse” Hautkrebs, das Basaliom, entsteht nicht durch regelmäßigen Aufenthalt an der Sonne.

Kann der ständige, berufliche Aufenthalt an der Sonne die beiden Formen des “weissen” Hautkrebs, den Basalzellenkrebs (Basaliom) und den Plattenepithelkarzinom (Spinaliom), hervorrufen? Sind diese beiden Hautkrebsarten daher als Berufskrankheiten anzusehen?” So die Frage,  der ein Forscher-Team von den beiden Universitäten Dresden und Heidelberg nachging.

Sie analysierten 25 Studien zu diesem Thema und kamen dabei zu dem Ergebnis, dass es zwar einen Zusammenhang zwischen Sonnenexposition und dem selteneren Spinaliom geben könnte, nicht aber zwischen dem beruflichen Aufenthalt an der Sonne und dem verbreiteten Basaliom.

Quelle: PubCrawler

Studie:  Jochen Schmitt, Thomas Diepgen, Andrea Bauer, Berufliche Exposition gegenüber natürlicher UV-Strahlung und nicht-melanozytärer Hautkrebs – ein systematischer Review zur Frage einer neuen Berufskrankheit, Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, Volume 8 Issue 4, Pages 250 – 264

Darauf haben manche lange gewartet! Nach Dutzenden von Versuchen mit äusserst schütteren Ergebnissen kommt jetzt eine großangelegte Studie mit der Botschaft:  Solarien verursachen “schwarzen” Hautkrebs, und zwar je öfter und je länger desto mehr.

Schon die medienwirksame Einordnung der Solarien als “definitiv krebserregend” durch die IARC vor knapp einem Jahr stand auf äusserst schwachen wissenschaftlichen Füssen: Nur vier von 19 Studien hatten in einer Meta-Studie überhaupt statistisch relevante Ergebnisse in dieser Richtung erbracht – und hatten dabei zum Teil wichtige andere Faktoren außer Acht gelassen.

Dennoch erschreckten IARC, WHO und Medien die Menschen mit der Aussage, das Melanom-Risiko steige bei Solarium-Gebrauch vor dem 35. Lebensjahr um 75 Prozent. Dass damit das tatsächliche , absolute Risiko immer noch deutlich unter 0,1 Prozent lag, die Steigerung also winzig ausfiel, blieb wohlweislich unerwähnt.

Zudem geriet die einseitige Auswahl der Studien und andere methodische Probleme sehr schnell unter Beschuss von internationalen Experten.  Die Absicht hinter den Ergebnisformulierungen der Studien-Autoren war nur allzu deutlich.

Das gilt nun auch verstärkt für die jetzt vorgelegte Studie, die einst von einem der Geldgeber mit dem Auftrag auf die Reise geschickt wurde “Instrumente zu entwickeln, mit denen die Nutzung von Solarien entmutigt werden können” (Übers. durch die Red.).

Das Forschungsprojekt aus dem mittleren Westen der USA, dem Bundesstaat Minnesota, mit 2,268 Teilnehmern versucht seit 2004 einen Zusammenhang von künstlicher Besonnung und “schwarzem” Hautkrebs, dem Melanom, herzustellen. Basis ist eine umfangreiche schriftliche und telefonische Befragung über das Verhalten an der Sonne, über die Nutzung von künstlicher Besonnung und über die Art der Besonnungsgeräte  rückwirkend bis in die 80ger Jahre des vorigen Jahrhunderts.

Das Ergebnis: Bei Menschen, die irgendwann einmal eine Sonnenbank genutzt hatten, erhöhte sich, laut Studie, das Risiko, an einem Melanom zu erkranken, um 74 Prozent. Bei häufiger und längerer Nutzung sogar um das Dreifache.

Allerdings war es dabei gleichgültig, wann die Person mit der Solarium-Nutzung begonnen hatte. Damit widersprechen die Ergebnisse den bisherigen Annahmen, dass besonders die Solarium-Nutzung durch Jugendliche das Krebsrisiko erhöht.

Erst bei der genauen Analyse der veröffentlichten Daten findet man in dieser Studie Ergebnisse, die in der Zusammenfassung und Diskussion durch die Autoren tunlichst in einen Nebensatz verdrängt werden.

So stellt sich heraus (wie ähnlich auch in früheren Studien), dass Menschen mit regelmäßigem oder berufsbedingtem Aufenthalt an der Sonne weniger häufig an einem Melanom erkranken, als Menschen, die sich selten an der Sonne aufhalten. Mehr Sonne – weniger “schwarzer” Hautkrebs!

Interessant und ebenfalls in der Auswertung unerwähnt:  Regelmäßige und intensive Nutzung von Sonnenschutzmitteln führt nicht zu weniger sondern zu erheblich mehr Melanom-Fällen (auch darüber haben wir kürzlich berichtet).

Hier bestätigen sich denn auch die Zweifel an der “Neutralität” dieser Studie, ebenso wie bei der medienwirksamen Formulierung der Zusammenfassung. Dort wird mit “relativen” statt mit “absoluten” Risiken gearbeitet. Was das heisst und wie sich das auswirkt, lässt sich am besten am Beispiel erläutern.

Der Glaube an die Statistik, die man ….

Nehmen wir an, das Risiko, bei einem Spaziergang auf einem städtischen Bürgersteig von einem fallenden Dachziegel getroffen zu werden, sei 0,002 Prozent. Heisst: bei 100.000 Spaziergängen kommt es zu zwei Ziegeltreffern.

Nun findet eine wissenschaftliche Studie heraus, dass schon bei Windstärke 5 sich das Dachziegel-Unfallrisiko um erschreckende 75 Prozent erhöht.

Am nächsten Tag liest man in BILD:  “Tod vom Dach! Bei leichtem Wind 75 Prozent mehr Füßgänger tödlich getroffen.”

Politiker fordern schärfere Dachkontrollen und Meisterbriefe für jeden Dachdecker. Die Leute trauen sich jenseit von Windstärke 4 nicht mehr aus dem Haus – mit unabsehbaren Folgen für Wirtschaft und Volksgesundheit.

Und in Wirklichkeit?

Selbst wenn die Ergebnisse der Studie korrekt sind, wird bei höheren Windstärken aus einem minimalsten Risiko von 0,002 Prozent ein fast ebenso minimales Risiko von 0,0035 Prozent.

In anderen Worten: Viel Wind um (fast) nichts!

So auch hier

Ähnliche Zweifel und eine ganze Reihe zusätzlicher Einwände können auch für die Minnesota-Studie geltend gemacht werden. Nur einige davon sollen hier kurz erwähnt werden:

  1. Die Studie ist entstanden aus einem größeren Studienprojekt mit dem klaren Auftrag, “Instrumente zu entwickeln, mit denen die Nutzung von Solarien entmutigt werden können.” So einer der Geldgeber, das National Cancer Institute. Das Endurteil war damit bereits in den Studienansatz “eingebaut”.
  2. Mit diesem Auftrag wurden nach den schriftlichen Interviews Telefongespräche geführt, zur Hälfte mit Menschen, die inzwischen an einem Melanom erkrankt waren.  Bei “richtiger” Befragung neigen derart Betroffene dazu ihre Erinnerung an frühere Sonnenbank-Nutzung und Zeiten den Bedingungen anzupassen,  zumal wenn ihnen die Sonnenbank als “Schuldiger” für ihren Zustand vorab suggeriert worden war.
  3. Die Studie beschränkt sich auf den Staat Minnesota. Ausgerechnet dieser Staat zeichnet sich aus durch einen weit überproportionalen Anteil an Menschen nordeuropäischer Herkunft. Der besonders gefährdete Hauttyp 1 ist daher hier sehr viel häufiger vertreten als im Rest der Bevölkerung.
  4. Erinnerungen an so unwichtige Ereignisse wie das Sonnenbaden im Freien oder im Sonnenstudio, oder gar deren Länge und Häufigkeit, sind nach 20 Jahren und mehr eher zufällig. Dass darüber hinaus auch noch der Gerätetyp aus z.B. dem Jahr 1990 korrekt erinnert wird, ist unwahrscheinlich. Auf solchen Erinnerungen aber basiert diese Studie.
  5. Statistiken der Verbände zur Solarium-Nutzung im Staat Minnesota weisen einen Anteil von 10 Prozent an der Bevölkerung insgesamt aus. Die Studie aber entdeckte einen Anteil von 62 Prozent Solariennutzer bei der vom Melanom betroffenen Gruppe und 51 Prozent in der zufällig ausgewählten Vergleichsgruppe. Eine derartige Differenz, selbst bei ungenauen Daten, ist bei einer repräsentativen Auswahl ausgeschlossen. Hier wurde also vermutlich “vorselektiert”.
  6. Wenn es richtig ist (wie die Studie ausweist), dass regelmäßiger Aufenthalt an der Sonne das Melanom-Risiko eher senkt als steigert, die UV-Strahlen der Sonne sich aber nicht bzw. nur in der Zusammensetzung, von den UV-Strahlen des Solariums unterscheiden, ist die Risiko-Steigerung gerade bei regelmäßiger Sonnenbank-Nutzung nicht schlüssig erklärbar. Zwei Ergebnisse der gleichen Studie widersprechen sich also unmittelbar an dieser Stelle.
  7. In der Studie selbst, vor allem aber in dem jetzt anlaufenden Medien-Echo wird durchgängig mit “relativen” statt “absoluten” Risiken argumentiert. Unser Beispiel oben zeigt, wieviel dramatischer sich die Ergebnisse auf diese Weise darstellen lassen. Tatsächlich liegt das absolute Risiko, an einem Melanom zu erkranken in den USA bei weniger als  o,3 Prozent – und unterscheidet sich nach anderen Studie kaum zwischen Nutzern und Nicht-Nutzern von Solarien. Da die Studie nur Menschen bis zum Alter von 59 Jahren einbezieht, das Melanom aber eine typische Alterskrankheit ist, liegt folglich das absolute Risiko einer Melanom-Erkrankung in den untersuchten Altersgruppen noch sehr viel niedriger als im Durchschnitt der gesamten Bevölkerung.
  8. In der Melanom-Gruppe befinden sich mehr als dreimal so viele Menschen mit vielen oder sehr vielen Muttermalen wie in der Vergleichsgruppe und immerhin ein Viertel mehr Menschen mit mehr als 5 schweren Sonnenbränden im Freien. Beides, Anzahl der Muttermale und Sonnenbrände, sind typische Risikofaktoren für ein Melanom. Mit Solarium haben sie nichts zu tun!
  9. Obwohl in der Studie viele andere Melanom-Risiken genannt und ausgeschlossen werden, bleiben die erstaunlichen Daten zu einem Zusammenhang von Sonnenschutzmitteln und Melanom unberücksichtigt. Dabei erhöht sich, laut Daten der Studie selbst, das Melanom-Risiko durch Sonnenschutz-Gebrauch um ganze 35 Prozent.

Trotz solcher und anderer Einwände bleiben die Ergebnisse der Studie bedenklich, im wahrsten Sinne des Wortes.  Andererseits sagt eine Studie mit Erinnerungsdaten aus der Vergangenheit – über die gesamte Entwicklungsgeschichte der künstlichen Besonnung hinweg – sehr wenig über die aktuelle tatsächliche oder vermeintliche Gefährdung durch moderne Solarien oder über künftige Entwicklungen.

Mit den Rahmenbedingungen durch Normen, Gesetz und Verordnungen, wenn sie realistisch ausgestaltet und angemessen kontrolliert werden, ist für die Zukunft eine Gefährdung so gut wie auszuschließen – falls es denn in der Vergangenheit eine gegeben haben sollte.

Quellen:  Science Daily/HighWire/SmartTan

Studie:  DeAnn Lazovich et al., Indoor Tanning and Risk of Melanoma: A Case-Control Study in an Highly Exposed Population, Cancer Epidemology, Biomarkers & Prevention,  online vorab publiziert, 26. Mai 2010

Sonnenscheinn überall!

Sonnenscheinn überall!

Am Ende des “Vitamin D-Winters”, bei uns also Ende  März bis in den April hinein, steht es schlecht um die männliche Sexualität.  Der Grund:  Ein Mangel an “Sonnenschein-Vitamin D”! Noch steht zu dieser Zeit die Sonne am Himmel nicht hoch genug, um mit ihren UV-Strahlen das Vitamin D über die Haut in nennenswerten Mengen zu erzeugen, gleichzeitig aber sind die im Fettbewebe des Körpers eingelagert Vorräte verbraucht.

Was das mit der männlichen Zeugungskraft zu tun hat?

In den männlichen Geschlechtorganen befinden sich überall sogenannte Vitamin D-Rezeptoren, die das  Sonnenschein-Vitamin in die Zellen befördern, die für die Bildung und Weiterleitung des Spermas verantwortlich sind. Dieser Zusammenhang ist jetzt wieder einmal von zwei Forschergruppen in Graz, Österreich, und in Koopenhagen, Dänemark, untersucht worden – mit erstaunlichen Ergebnissen.

Die Grazer Forscher um Prof.  W. März hatten eigentlich den Zusammenhang zwischen Vitamin D-Mangel  und einer Erkrankung der Herzkranzgefäße untersucht. Bei der Analyse der Serumproben von 2.299 älteren Männern stiessen sie auf regelmäßig starke Schwankungen der Testosteron-Werte parallel zu den saisonalen Schwankungen des Vitamin D-Spiegels im Blut. Vor allem am Ende der Winterzeit ging der Vitamin D-Mangel einher mit einem um die Hälfte gesunkenen Testosteron-Spiegel.

Insgesamt zeigte sich, dass Männer mit optimalen Vitamin D-Werten einen signifikant höheren Testosteron-Spiegel aufwiesen als Männer mit einem Vitamin D-Defizit.

Die folgen eines Testosteronmangels geht weit über den Einfluss auf die “Männlichkeit” hinaus und ist nicht nur ein Risikofaktor für zahlreiche Erkrankungen sondern ist  nachweislich auch für eine erhöhten Sterblichkeit bei Männern verantwortlich. Die Vermutung, dass der Vitamin D-Mangel der Grund für die Testosteron-Schwankungen sein könnte und nicht eine zufällige Begleiterscheinung war bereits früher in Tierversuchen und bei Untersuchungen auf molekularer Ebene erhärtet worden.

Erste Ergebnisse der gleichen Forschergruppe scheinen darauf hinzudeuten, dass  die Sonne und das Vitamin D bei Frauen genau die gegenteilige Wirkung erzeugt. Das Sonnenschein-Vitamin senkt offensichtlich den Testosteron-Spiegel bei Frauen.

Das Interesse der Forscher an der Universität Kopenhagen galt vor allem den Mechnismen, durch die das Vitamin D in den männlichen Geschlechtsorganen und im Sperma wirksam wird: den Vitamin D-Rezeptoren und den transportierenden Enzymen. Aus der überraschend großen Zahl an Rezeptoren und Vitamin D-verarbeitenden Enzymen schliessen die Wissenschaftler auf die erhebliche Bedeutung des Sonnenschein-Vitamins für die männliche Fruchtbarkeit und damit für die menschliche Fortpflanzung.

Erst kürzlich hatten wir über drei Studien zu ähnlichen Themen hier und hier berichtet .

Eine heute online erschienene Studie liest sich wie ein Kommentar zu dieser Meldung:  Wissenschaftler an der University of Western Australia hatten in den Jahren 2001-2004 mehr als 3.600 ältere Männer zwischen 70–88 Jahren auf ihre körperliche Fitness untersucht und hatten diese untersuchungen in den Jahren 2008 – 2009 wiederholt. Gleichzeitig wurden die Testosteron-Werte erhoben.

Es zeigte sich, dass die Männer mit vergleichsweise niedrigen Testosteronwerte sowohl in der Ausgangs-  als auch in der Folgeuntersuchung deutlich mehr und stärkere Symptome von Gebrechlichkeit aufwiesen und entwickelten als die Männer mit höheren Werten.

Es zeigt sich, dass die Sonne und “ihr” Sonnenschein-Vitamin über die Wirkung auf die Testosteron-Werte nicht nur die Fruchtbarkeit von Männern in jüngeren Jahren sondern auch die Fitness und Beweglichkeit im späteren Alter positiv beeinflusst. (Ähnliche Ergebnisse einer Studie hier).

Quelle: Pressemitteilung der Universität Graz

Studien:

Wehr E., Obermayer-Pietsch B. et al., Association of vitamin D status with serum androgen levels in men, Clinical Endocrinology 2010 Aug;73(2):243-8

Martin Blomberg Jensen et al.,  Vitamin D receptor and vitamin D metabolizing enzymes are expressed in the human male reproductive tract,  Human Reproduction 2010 25(5):1303-1311

Zoë Hyde et al., Low Free Testosterone Predicts Frailty in Older Men: The Health in Men Study, Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism , published online on  April 21, 2010

Winter-Sonne reicht nicht

Winter-Sonne reicht nicht Foto: iStockphoto

Vitamin D-Mangel ist weit verbreitet in der deutschen Bevölkerung. Vor allem im Vitamin D-Winter (bei uns zwischen Oktober und März) trifft es viele der „Problemgruppen“, vor allem die Alten und die Jugendlichen. Eine Unterversorgung mit dem Sonnenschein-Vitamin D bei 80 Prozent dieser Gruppen hat dramatische Auswirkungen vor allem auf chronische Erkrankungen und „Volkskrankheiten“ wie Osteoporose, Diabetes, Herzinfarkt und Schlaganfall, Krebs und Infektionskrankheiten, Demenz und Depression.

Die Kosten für das Gesundheitssystem gehen in die Milliarden. Kosten, die vermeidbar wären. Die im Winter fehlenden UVB-Strahlen der Sonne lassen sich nämlich durch künstliche Besonnung problemlos ersetzen. Schon mit einer kleinen Serie von UVB-Bestrahlungen oder Bestrahlungen mit Sonnen-ähnlichen Geräten kann eine erhebliche Verbesserung des Vitamin D-Spiegels erreicht werden.

Bei dem besonders langen Winter im hohen Norden ist es nicht verwunderlich, dass sich vor allem auch finnische Wissenschaftler mit dieser Möglichkeit beschäftigen, der Natur auf die Sprünge zu helfen. Ein Forschergruppe aus Lahti im finnischen Norden testeten mit 56 gesunden Frauen aller Altersgruppen die Wirkungen einer Bestrahlung mit ausschließlich UVB und alternativ mit simulierten Sonnenstrahlen auf die Vitamin D-Bildung über die Haut.

77 Prozent der Frauen wiesen zu Beginn der Versuche einen Vitamin D-Mangel (weniger als 50 nmol/L) und 11 Prozent sogar einen schweren Mangel (weniger als 25 nmol/L) aus.

Schon nach sieben Bestrahlungen mit insgesamt 13 SED (Standard Erythema Units) auf den gesamten Körper war der Vitamin-d-Spiegel um 11,4 nmol/L gestiegen, bei der Bestrahlung nur von Gesicht und Armen immerhin um 1,0 nmol/L. Bei den Bestrahlungen mit sonnenähnlichem Licht erhöhte sich der Spiegel im Durchschnitt um 3,8 nmol/L.

Selbst bei Messungen nach zwei Monaten lag der Vitamin D-Spiegel der UVB-bestrahlten Gruppe noch deutlich über der der nicht bestrahlten Kontrollgruppe.

Es hat sich gezeigt, dass schon eine kurze, niedrig dosierte UVB-Bestrahlung die Vitamin D-Versorgung im Winter deutliche verbessern kann,“ so fassen die finnischen Wissenschaftler das Ergebnis Ihrer Tests zusammen.

Über ähnliche Ergebnisse hatten wir hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier berichtet.

Quelle: Highwire

Studie: K. Vähävihu et al., Narrow-band UVB course improves vitamin D balance in women in winter, British Journal of Dermatology 2010, Jan 22. (online vorab veröffentlicht)

Menschen mit einer ausreichenden Vitamin D-Versorgung verringern ihr Darmkrebs-Risiko um die Hälfte im Vergleich zu Menschen mit Vitamin D-Mangel. So das Ergebnis einer großen europäischen Studie mit einer halben Million Teilnehmern in 10 europäischen Ländern.

Forscher vom Imperial College, London, und der International Agency for Cancer Research (IARC) hatten in den Jahre 1992-1998 im Rahmen der  European Prospective Investigation into Cancer study (EPIC) umfangreiche Daten zu Ernährung und Lebensführung abgefragt und Blutwerte erhoben. In den folgenden Jahren waren 1.248 Menschen aus dieser Gruppe an Darmkrebs erkrankt und wurden in dieser Studie mit ebenso vielen gesunden Probanden verglichen.

Das Ergebnis bestätigt frühere epidemologische Studien, über die wir hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier berichtete haben.

Diese große und sorgfältig durchgeführte Studie ist ein überzeugender Beleg für die Bedeutung des Vitamin D für den Schutz vor Darmkrebs…. Wir wissen, wie wichtig es ist, darauf zu achten, genügend Sonnenlicht zu bekommen – ohne die Haut zu schädigen -  um den Vitamin D-Spiegel im Blut hoch zu halten (Übers. d.Red),” so der Leiter der Studie am Imperial College,  Prof. Elio Riboli.

Einen Zusammenhang zwischen der Verminderung des Darmkrebs-Risikos und Vitamin D-reicher Ernährung konnten die Forscher nicht finden. Das Sonnenlicht sei offensichtlich sehr viel bedeutender für die Vitamin D-Versorgung als die Ernährung.

Eine Entdeckung von großer Bedeutung machten die Forscher sozusagen nebenbei: Vitamin A, Retinol, das etwa in Lebertran vorkommt, bremst die positive Wirkung von Vitamin D oder macht sie gar ganz zunichte. Diese Erkenntnis erklärt möglicherweise auch die widersprüchlichen Ergebnisse frühere Studien, je nachdem ob diese Studien in nordlichen Lädern mit hohem Lebertran-Konsum oder in südlichen Landern durchgeführt wurde. Die Fogeln dieser Entdeckung für die Therapie vieler chronischer Erkrankungen ist noch garnicht abzusehen.

Kleine Ironie am Rande: Die gleiche Organisation, die IARC, die Solarien erst kürzlich und die Sonne bereits 1992 als krebserregend eingestuft und damit eine Flut negativer Schlagzeilen über die künstliche Besonnung produziert hatte, betont jetzt mit der Veröffenltichung der spektakulären Bedeutung des “Sonnenschein-Vitamins” z. B. für den Darmkrebs die wichtige Rolle der Sonne bei der Vorbeugung und Heilung dieser Krebsart (und vemutlich vieler anderer bösartiger Tumore).

Quelle: Pressemeldung Imperial College

Studie:  Jenab et al.,  Association between pre-diagnostic circulating vitamin D concentration and risk of colorectal cancer in European populations: a nested case-control study, British Medical Journal 2010;340:b5500 (21. Januar 2010) – PDF

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Keine Angst vor der Mittagssonne

Dass die Warnungen und die Angstkampagnen einiger Dermatologenverbände mit verantwortlich sind für den “epidemischen” Vitamin D-Mangel in der Bevölkerung mit seine Folgen für die chronischen Volkskrankheiten, ist inzwischen verbreitete Einsicht in medizinischen wie in Laienkreisen.  Nun aber zeigt eine Studie in einer Art Laborversuch,  dass selbst die Menschen, die diesem Unsinn trotzen und sich gelassen aber wohldosiert auch im Sommer der Mittagssonne aussetzen, zwar eine ausreichende, nicht aber eine optimale Vitamin D-Versorgung erreichen.

Photobiologen am englischen Manchester Academic Health Science Centre liessen 120 Stadtbewohner im Alter zwischen 20 und 60 Jahren im Winter – also ohne “störenden” Einfluss der Sonne – im Labor mit UV-Licht bestrahlen, das so exakt wie möglich den Sonnenstrahlen im englischen Sommer zur Mittagszeit nachgebildet war.  Die Probanden waren mit Shorts und T-Shirt bekleidet, und damit war etwa ein Drittel der Hautoberfläche den Strahlen ausgesetzt.  Die Strahlendosis entsprach 1,3 SED (Standard Erythema Dose), also weniger als der Hälfte einer Bestrahlung, die zu ersten Rötungen der Haut führt (MED).

Nach drei Bestrahlungen pro Woche über sechs Wochen wurden  bei 90 Prozent der Teilnehmer zwar ein Stand von über 20 ng/ml Vitamin D,  25 (OH)D,  gemessen, die Untergrenze des “Normalen”, aber nur 26 Prozent der Teilnehmer erreichten den als “optimal” definierten Stand von 32 ng/ml.

In anderen  Worten: Bei einer Besonnung um die Mittagszeit im Sommer von etwa 13 Minuten auf 35 Prozent der Hautoberfläche wird bei typischen Mitteleuropäern in ausreichendem, aber nicht in bestmöglichem Maße Vitamin D3 im Körper gebildet. Da viele der positiven Gesundheitswirkungen des “Sonnenschein-Vitamins” dosisabhängig sind,  weisen diese Ergebnisse auf eher “mehr” – wohldosiert eingesetzte – als auf “weniger” Sonne hin, selbst im Sommer.

Quelle:  PubCrawler

Studie: L.E. Rhodes et al.,  Recommended Summer Sunlight Exposure Levels Can Produce Sufficient (>/=20 ng ml(-1)) but Not the Proposed Optimal (>/=32 ng ml(-1)) 25(OH)D Levels at UK Latitudes, Journal of  Investigative  Dermatology, 14. Januar 2010 (vorab online)

Dunkle Haut im Nachteil

Dunkle Haut im Nachteil - Foto: iStockphoto

Wer sonnt lebt länger! Eine Unterversorgung mit dem Sonnenschein-Vitamin D3 führt zum früheren Herztod. Oder genauer: Das Risiko, an einer Herzkrankheit zu sterben liegt für Menschen mit einem drastischen Vitamin-D-Mangel um volle 40 Prozent höher als bei Menschen mit optimaler Vitamin D-Versorgung.

Ein Forschergruppe am University of Rochester Medical Center untersuchte 15.000 gesunde, erwachsene Amerikaner auf ihren Vitamin D-Spiegel und die Anzahl der Todesfälle durch Herzerkrankungen. Dabei berücksichtigten die Forscher auch Faktoren wie Übergewicht, Rauchen und bestimmte Proteine.

Besonders bemerkenswert vor allem ein Ergebnis: Dunkelhäutige Teilnehmer hatten ein um 38 Prozent höheres Risiko, an einer Herzattacke zu sterben als weisse Probanden. Der Grund: Die pigmentierte Haut hindert die Vitamin D-Synthese in der Haut durch die UVB-Strahlen der Sonne oder im Solarium. Je mehr sich dann der Vitamin D-Spiegel der beiden Hauttypen-Gruppen in der Studie anglich, desto geringer wurde auch der Risiko-Unterschied bei den Herzerkrankungen.

Unsere Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass sich durch die sehr einfache Veränderung des Vitamin D-Status der Menschen (durch Besonnung im Freien und im Solarium sowie durch Supplementierung, d.Red.)  das Risiko einer Herzkrankheit deutlich reduzieren liesse, ” so der Leiter der Studiengruppe, Prof. Kevin Fiscella.

Quelle: EurekAlert/University of Rochester

Studie: Kevin Fiscella, Peter Franks, Vitamin D, Race, and Cardiovascular Mortality: Findings From a National US Sample,  Annals of Family Medicine 8:11-18 (2010) – PDF

Die Kosten des Gesundheitssystems spornen die Politiker auch in den USA an zu phantastischen Höchstleistungen beim Erfinden neuer Steuern und Abgaben. Die wichtigste Frage dabei: Wo wird der geringste Widerstand erwartet?

Vor einigen Wochen kamen nach diesem Prinzip Mitglieder des US-Senats auf die Idee, eine Steuer auf Schönheitsoperationen und auf das Sonnen in Sonnenstudios zu erheben.  Die Sache mit den Schönheitsoperationen war schnell wieder vom Tisch, nachdem sich vor allem die mächtige American Medical Association dagegen ausgeprochen hatte.

Das aber erhöhte nur noch den Charme der Besonnungs- oder Bräunungs-Steuer. Sozusagen unterm Weihnachtsbaum hat jetzt hat der Führer der demokratischen Mehrheit im Senat, Senator Harry Reid, die Besonnungssteuer auf den Weg gebracht:  10 Prozent auf alle Solarien-Sitzungen. Das soll unterm Strich dem Staat etwa 2,7 Milliarden Dollar in den nächsten 10 Jahren einbringen – etwa die Hälfte der gekippten Steuer auf die Schönheitsoperationen.

Zu Ende gedacht würde eine “echte”  Besonnungssteuer tatsächlich alle Finanzierungssorgen unserer Gesundheitssysteme mit einem Schlag beseitigen können.  Die Besteuerung  jedes Sonnenstrahls, der auf menschliche Haut trifft – egal ob auf dem Balkon oder am Ballermann oder sehr viel seltener im Sonnenstudio, könnte selbst bei bescheidenen Steuersätzen Milliarden, ja Billionen, in die Staatskassen spülen.

Dass eine Strafsteuer auf`s Sonnen mit Sicherheit am Ende mehr kostet als sie je bringen kann, scheint die US-Politiker nicht zu stören, zumal das Geld jetzt fließt und die teuren negativen Gesundheitsfolgen erst später sichtbar werden. Wissenschaftler haben nämlich ausgerechnet (dazu hier, hierhier und hier), dass die “Gesundheitskosten” des Sonnen-Vermeidens um ein Vielfaches höher liegt als die “Kosten” einer (unvernünftigen) Besonnung. Um auch nur einen Teil der gesundheitlichen und Wohlfühl-Vorteile der UV-Strahlen von Sonne und Solarium zu ersetzen, müssten die Menschen in großem Umfang Pillen schlucken (die Pharma-Lobby freut`s), wenn sie die Steuer sparen wollen.
Pillen schlucken statt Steuern zahlen!?

So etwas kann in Deutschland nicht passieren! oder?

Quelle: Looking fit, 21.12.09

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