Archiv für die Kategorie 'Vitamin D-Mangel'

Sonne schützt vor vielen Krebsarten, auch vor dem gefährlichen “schwarzen” Hautkrebs, dem Melanom. Büroangestellte leiden häufiger unter dieser Krankheit als Menschen, die im Freien arbeiten und der Sonne ausgesetzt sind.

Bisher stand der Nierenkrebs nicht auf der Liste der durch Sonne beeinflussten Krebsarten. Das ändert sich jetzt.

Eine Studie vom National Cancer Institute in Rockville, USA, weist jetzt nach, dass regelmäßiger Aufenthalt an der Sonne durch entsprechende berufliche Tätigkeiten das Risiko, an Nierenkrebs zu erkranken, um bis zu 38 Prozent verminderte. Je mehr Sonne, desto geringer das Risiko.

Die Forscher waren von der Beobachtung ausgegangen, dass in den vergangenen Jahrzehnten die Nierenkrebs-Erkrankungen ständig zugenommen hatten, während gleichzeitig die Vitamin D-Versorgung der Bevölkerung stetig zurückging.  Die Vermutung lag daher nahe, dass der Mangel an “Sonnenschein-Vitamin” Auswirkungen auf die Entstehung und Entwicklung des Nierenkrebses haben könnte.

In der methodisch sehr sorgfältig durchgeführten Studie, die in den nächsten Tagen in der führenden Fachzeitschrift Cancer erscheinen wird, wurden 1,097 Patienten mit Nierenkrebs aus Mittel- und Osteuropa untersucht und verglichen mit  1,476 gesunden Probanden.

Vor einem Rätsel allerdings standen die Wissenschaftler als sie feststellen mussten, dass es einen deutlichen Zusammenhang von Vitamin D-Werten im Blut und dem Nierenkrebs-Risiko gab, dass dieser Zusammenhang aber nur bei den Männern eine statistisch relevante Größe hatte, nicht aber bei den Frauen! 

Prof. Sara Karami und ihre Kollegen vermuten, dass

  • die weiblichen Hormone hier eine Rolle spielen könnten,
  • Frauen, wie Umfrage-Studien regelmäßig nachweisen, häufiger und regelmäßiger zu Sonnenschutzmitteln greifen und damit die Vitamin D-Synthese abblocken,
  • die Männer im Freien mit bloßem Oberkörper arbeiten und entsprechend mehr Hautoberfläche für die Bildung des Sonnenschein-Vitamins “zur Verfügung stellen”.

Wie immer weisen die Forscher darauf hin, dass diese Ergebnisse noch in weiteren Studien über die Arbeitswelt hinaus bestätigt werden müsste.

Quelle: Alphagalileo

Studie:  Sara Karami et al.,  Occupational sunlight exposure and risk of renal cell carcinoma, CANCER; online vorab publiziert am 08. März 2010

Mit der Sonne geht man besser   Foto: fotolia

Mit der Sonne geht man besser Foto: fotolia

Wer sonnt kann schneller gehen! Was auf den ersten Blick verblüffend scheint ist schnell erklärt: Das Sonnenschein-Vitamin ist nicht nur beim Knochenaufbau und Knochenstoffwechsel sondern auch beim Muskelaufbau und der Muskel-”Qualität” ein eintscheidender Faktor. (Dazu frühere Beiträge hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier)

Die Tatsache wird einmal mehr bestätigt durch eine Studie der französischen Universität von Angers mit fast 800 älteren Frauen. Die Forscher untersuchten den Vitamin D-Spiegel im Blut der Probandinnen und führten Geh-Tests durch in unterschiedlichen Geh-Geschwindigkeiten. Faktoren wie Alter, Gewicht, Einnahme von Medkamenten,  chronische Krankheiten,  physische Aktivitäten und Gehirnleistung wurden berücksichtigt.

Das Ergebnis war eindeutig:  Je größer das Vitamin D-Defizit war gegenüber einem “normalen” Vitamin D-Wert von 30 ng/ml, desto geringer die Fähigkeit zum schnellen Gehen. Die Forscher schließen daraus einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Vitamin D-Versorgung und der neuro-muskulären Leistungsfähigkeit (nicht nur) bei älteren Menschen.

Quelle:  PubCrawler

Studie: C. Annweiler et al.,  Cross-sectional association between serum vitamin D concentration and walking speed measured at usual and fast pace among older women: The EPIDOS studyJournal of Bone and Mineral  Research, online vorab publiziert, 4. März 2010

Ein Mangel an Vitamin D, dem Sonnenschein-Vitamin, bei werdenden Müttern hat weitreichende Folgen für den Verlauf der Geburt wie für die Neugeborenen.

In einer der ersten klinischen Studien über den Zusammenhang von Vitamin D und vorzeitiger Geburt wurden 600 schwangeren Frauen in zwei Gruppen unterschiedliche Dosen an Vitamin D verabreicht. Die eine Gruppe erhielt die offiziell  empfohlene Dosis von 400 IE (Internationale Einheiten), die andere Gruppe das 10fache, 4.000 IE.

Das Ergebnis war erstaunlich: Nach 33 bzw. 37 Wochen lag das Risiko einer vorzeitigen Geburt in der Gruppe mit der „normalen“ Vitamin D Dosis um etwa 50 Prozent höher als in der Vergleichsgruppe mit 4.000 IE. Die Fälle von ungewöhnlich leichten Babies war in dieser Gruppe ebenfalls wesentlich häufiger.

Mehr noch, Atemwegserkrankungen und entzündliche Erkrankungen der Geburtswege kamen in der Gruppe mit der höheren Vitamin D-Gabe wesentlich seltener vor. Um 30 Prozent geringer war das Risiko von typischen Schwangerschafts- und Geburtskrankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck oder Präeklampsie.

Die Babies in dieser Gruppe litten deutlich seltener unter Erkältungen oder Ekzemen.

Nebenwirkungen der hohen Vitamin D-Dosen wurden nicht beobachtet.

Unsere Ergebnisse werden hoffentlich die Frauenärzte alarmieren, die sich bisher nicht um den Vitamin D-Spiegel ihrer Pateientinnen gekümmert haben“, so Prof. Bruce Hollis, der Leiter der Studie an der Medical University of Charleston in South Carolina, USA.

Die noch unpublizierte Studie wurde in Brügge beim 14 Vitamin D-Workshop vorgestellt.

Noch aktueller weist eine finnische Studie nach, dass selbst bei einer Nahrungsergänzung mit Vitamin D-Pillen  in der von den Fachgesellschaften empfohlenen Dosis, 71 Prozent der Schwangeren unter einem Vitamin D-Mangel leiden – mit gravierenden Konsequenzen für das Knochenwachstum und die Größe der Babies.

Ein weitere Studie, die im März d.J. erscheinen soll,  bestätigt einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Vitmain D-Status der Schwangeren und dem Entwicklungsstand des Babies bei der Geburt. Die Forscher betonen das komplexe Verhältnis, bei dem nicht alle Faktoren bisher bekannt seien. Soe scheine es einen erheblichen Unterschied zwischen den Rassen zu geben.

Über ähnliche Ergebnisse weiterer Studien zu Vitamin D, Schwangerschaft und Geburt haben wir hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier

Quelle: Times Online

Studien:

H.T. Viljakainen et al., Maternal Vitamin D Status Determines Bone Variables in the Newborn, Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, Februar 2010, online vorab veröffentlicht

Lisa M. Bodnar et al., Maternal Serum 25-Hydroxyvitamin D Concentrations Are Associated with Small-for-Gestational Age Births in White Women, The Journal of Nutrition (March 3, 2010)

Wer ausreichend Vitamin D – überwiegend durch UV-Strahlung – tankt, ist deutlich weniger anfällig für typische “Volkskrankheiten” wie Herz-Kreislauf-, Gefäß- und Stoffwechselerkrankungen, Diabetes und das sogenannte “metabolische Syndrom”,  eine Kombination aus Übergewicht, gestörtem Zuckerstoffwechsel, Bluthochdruck und hohen Blutfettwerten. So das Ergebnis eine Meta-Studie an der englischen University of Warwick.

Die britischen Forscher um Studienleiter Prof. Oscar Franco hatten 28 methodisch hochwertige Studien mit 95.745 Teilnehmern ausgewertet, um den Zusammenhang von Vitamin D-Spiegel im Blut und weit verbreiteten chronischen Krankheiten zu untersuchen.

Die Probanden mit den höchsten Vitamin D-Werten hatten ein um 43 Prozent geringeres Risiko für Gefäß- und Stoffwechselkrankheiten als diejenigen mit den geringsten Blutwerten. Bei älteren Menschen und Menschen mittleren Alters verringerte sich das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen um 33 Prozent, für Diabetes um 55 Prozent und für das metabolische Syndrom um 51 Prozent.

Wenn damit auch noch nicht abschließend die Frage nach Ursache und Wirkung  geklärt sei, so Prof. Franco, sollte doch bereits beim gegenwärtigen Stand der Forschung die ausreichende Versorgung mit dem “Sonnenschein-Vitamin” vor allen für die “epidemischen” Herz- und Gefäßkrankheiten hohe Priortät geniessen.

Vor allem im “Vitamin D-Winter”, wenn die schräg stehende Sonne im Freien die Vitamin D-Synthese in der Haut nicht “ankurbeln” kann, ist – in engen Grenzen – die richtige Ernährung (fetter Fisch, Pilze, Milch) oder Nahrungsergänzungen besonders wichtig.  Soalrien mit ausreichendem UVB-Anteil im Strahlensprektrum können darüber hinaus die natürliche Rolle der Sonne als Vitamin D-Produzent übernehmen.

Quelle: Wissenschaft aktuell

Studie:  O.H. Franco et al.,  Levels of vitamin D and cardiometabolic disorders: Systematic review and meta-analysis, Maturitas, Volume 65, Issue 3, Pages 225-236 (März 2010)

Ryan McLaughlin vor dem schottischen Parlament  Foto: David Cheskin/PA Wire

Ryan McLaughlin vor dem schottischen Parlament Foto: David Cheskin/PA Wire

Ein 14-jähriger Schüler und seine Protestaktionen führen jetzt zur Einberufung einer internationalen Konferenz über die Gesundheitswirkungen des “Sonnenschein-Vitamin D”.

Ryan McLaughlin aus dem schottischen Glasgow hatte sich mit einer Petition an das schottische Parlament gewandt: Er habe erfahren, dass Vitamin D und der besonders in Schottland weit verbreitete Sonnen- und damit Vitamin D-Mangel eine wichtige Rolle bei der Multiplen Sklerose seiner Mutter spielen könnte. Der Schüler wollte das Parlament veranlassen, Richtlinien über die Versorgung mit Vitamin D zu erlassen und über das richtige Verhalten an der Sonne besser zu informieren – statt die Angst vor den Sonnenstrahlen noch zu schüren.

Seiner Bitte hatte er mit Mahnwachen vor dem Parlament Nachdruck verliehen und in den Medien damit einige Aufmerksamkeit erregt. Jetzt hat das Parlament und die Regierung darauf positiv reagiert:

Die schottische Regierung stellte einen “dringenden Bedarf” nach öffentlichen Informationen fest,  sowohl für Ärzte als auch für medizinische Laien, besonders Mütter.  Eine entsprechende Kampagne wurde in Auftrag gegeben.

Ausserdem wurde für den 27. April dieses Jahres eine wissenschaftliche Konferenz einberufen, an der Experten zu Sonnenlicht, Vitamin D und Multipler Sklerose (MS) aus aller Welt teilnehmen werden.

Abgeordnete und Regierungsmitglieder beglückwünschten Ryan McLaughlin zu seinem ungewöhnlichen Erfolg.

Quelle: Times Online

Menschen mit einer ausreichenden Vitamin D-Versorgung verringern ihr Darmkrebs-Risiko um die Hälfte im Vergleich zu Menschen mit Vitamin D-Mangel. So das Ergebnis einer großen europäischen Studie mit einer halben Million Teilnehmern in 10 europäischen Ländern.

Forscher vom Imperial College, London, und der International Agency for Cancer Research (IARC) hatten in den Jahre 1992-1998 im Rahmen der  European Prospective Investigation into Cancer study (EPIC) umfangreiche Daten zu Ernährung und Lebensführung abgefragt und Blutwerte erhoben. In den folgenden Jahren waren 1.248 Menschen aus dieser Gruppe an Darmkrebs erkrankt und wurden in dieser Studie mit ebenso vielen gesunden Probanden verglichen.

Das Ergebnis bestätigt frühere epidemologische Studien, über die wir hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier berichtete haben.

Diese große und sorgfältig durchgeführte Studie ist ein überzeugender Beleg für die Bedeutung des Vitamin D für den Schutz vor Darmkrebs…. Wir wissen, wie wichtig es ist, darauf zu achten, genügend Sonnenlicht zu bekommen – ohne die Haut zu schädigen -  um den Vitamin D-Spiegel im Blut hoch zu halten (Übers. d.Red),” so der Leiter der Studie am Imperial College,  Prof. Elio Riboli.

Einen Zusammenhang zwischen der Verminderung des Darmkrebs-Risikos und Vitamin D-reicher Ernährung konnten die Forscher nicht finden. Das Sonnenlicht sei offensichtlich sehr viel bedeutender für die Vitamin D-Versorgung als die Ernährung.

Eine Entdeckung von großer Bedeutung machten die Forscher sozusagen nebenbei: Vitamin A, Retinol, das etwa in Lebertran vorkommt, bremst die positive Wirkung von Vitamin D oder macht sie gar ganz zunichte. Diese Erkenntnis erklärt möglicherweise auch die widersprüchlichen Ergebnisse frühere Studien, je nachdem ob diese Studien in nordlichen Lädern mit hohem Lebertran-Konsum oder in südlichen Landern durchgeführt wurde. Die Fogeln dieser Entdeckung für die Therapie vieler chronischer Erkrankungen ist noch garnicht abzusehen.

Kleine Ironie am Rande: Die gleiche Organisation, die IARC, die Solarien erst kürzlich und die Sonne bereits 1992 als krebserregend eingestuft und damit eine Flut negativer Schlagzeilen über die künstliche Besonnung produziert hatte, betont jetzt mit der Veröffenltichung der spektakulären Bedeutung des “Sonnenschein-Vitamins” z. B. für den Darmkrebs die wichtige Rolle der Sonne bei der Vorbeugung und Heilung dieser Krebsart (und vemutlich vieler anderer bösartiger Tumore).

Quelle: Pressemeldung Imperial College

Studie:  Jenab et al.,  Association between pre-diagnostic circulating vitamin D concentration and risk of colorectal cancer in European populations: a nested case-control study, British Medical Journal 2010;340:b5500 (21. Januar 2010) – PDF

Der Vitamin D-Spiegel im Blut beeinflusst ganz wesentlich die Entwicklung eines Lymphknotenkrebses und die Chance, diesen Krebs zu überleben.

Forscher an der Mayo-Klinik in Rochester und der University of Iowa, USA, kamen bei der Untersuchung von 374 Lymphom-Patienten zu dem Ergebnis, dass ein Vitamin D-Mangel das Risiko, an diesem Krebs zu sterben um das Doppelte erhöht und sich das Wachstum des Tumors um das 1,5fache beschleunigt. Die vom National Cancer Institute der USA finanzierte Studie wurde jetzt auf dem Jahreskongress der American Society of Hematology vorgestellt.

Leiter der Forschergruppe und Endokrinologe an de Mayo Klink Prof. Matthew Drake: “Unsere Ergebnisse sind zweifellos unter den fundiertesten Erkenntnissen über den Zusammenhang von Vitamin D und Krebs überhaupt. Sie werfen die Frage auf, ob Vitamin D in der Behandlung dieses Krebses eingesetzt werden sollte. Weitere Forschungen wären wichtig.

Diese Forschungsergebnisse unterstütze die wachsende Einsicht in die Bedeutung des Vitamin D für die allgemein Gesundheit, so Drake: “Zumal es so einfach ist, die Vitamin D-Versorgung sicherzustellen durch Supplementierung oder im Sommer durch 15 Minuten Aufenthalt an der Sonne mindestens drei Mal pro Woche.”

Quelle: Science Daily

Studie: Matthew T Drake et al., Vitamin D Deficiency Is Associated with Inferior Event-Free and Overall Survival in Diffuse Large B-Cell Lymphoma, Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2009 114: Abstract 1952

Babies von Frauen, die die größte Zeitspanne ihrer Schwangerschaft in den sonnenreichsten Monaten des Jahres verbrachten,  litten seltener unter Multipler Sklerose, als Babies aus Schwangerschaften in den “dunkleren” Monaten des Jahres.

Schwedische Wissenschaftler der Umeå University untersuchten 9.361 Geburten nach den Schwangerschaftsmonaten und verglichen sie mit den Daten aller Geburten in Schweden zwischen 1900 und 2007.
Ergebnis: Die Zahl der Neugeborenen mit MS lag im Juni um 11 Prozent über dem Durchschnitt der Fälle in den übrigen Monaten. Im Dezember und Januar Geborene dagegen wurden im gleichen Verhältnis seltener mit MS diagnostiziert.

Fazit der Forscher: “Geringerer Aufenthalt an der Sonne (und geringere Intensität der Sonnenstrahlen) im Winter mit der Konsequenz niedrigerer Vitamin D-Werte während der Schwangerschaft scheinen diese Ergebnisse zu erklären.”

Eine fränzösische Studie der Universität Marseille, die zur gleichen Zeit der gleichen Frage nachging, ermittelte den November als den Monat mit den niedrigsten MS-Erkrankungen bei Neugeborenen. Auch hier zogen die Forscher den gleichen Schluss:  Der hohe Vitamin D-Spiegel  durch die Sommermonate während der Schwangerschaft scheint einer Multiplen Sklerose bei den Babies vorzubeugen.

Auch eine andere, soeben erschienen Studie europäischer und kanadischer Forscher mit fast 10.000 Teilnehmern bestätigen das Ergebnis der französischen Untersuchung:
Im November wurden wesentlich weniger Kinder mit dem “MS-Gen” HLA-DRB1 geboren als in irgedeinem anderen Monat.
Der April war der Monat mit den häufigsten Geburten von Teilnehmerinnen mit dem entsprechenden Gen HLA-DRB1*15.

Quelle: High-Wire

Studien:
J. Slazer et al.,  Season of birth and multiple sclerosis in Sweden, Acta Neurologica Scandinavica,  23. November 2009 (online vorab veröffentlicht).

D.A. de Abreu et al. , Season of birth and not vitamin D receptor promoter polymorphisms is a risk factor for multiple sclerosis. Multiple Sclerosis, 2009 Oct;15(10):1146-52

G. C. Ebers et al, HLA-DRB1 and month of birth in multiple sclerosis, NEUROLOGY 2009;73:2107-2111

Die Sonne wurde schon vor mehr als hundert Jahren für die Therapie der Tuberkulose eingesetzt. Aber erst heute ist die Wissenschaft in der Lage, diese antibakterielle und antivirale Wirkung der Sonne zu erklären. Seither ist die Bedeutung der Sonne und des “Sonnenschein-Vitamins D” für Vorbeugung und Behandlung von Infektionen von der Wundinfektion bis zur Influenza einerseits und von Autoimmunerkrankungen wie Diabetes und MS andererseits in hunderten von Studie erforscht worden.

In einer Review-Studie fasst jetzt der Forscher Adrian F. Gombart vom Linus Pauling Institut, Oregon, USA,  den aktuellen  Stand des Wissens zusammen. Der Schlüssel zum Verständis dieser weitreichenden Bedeutung des Vitamin D bei der Infektionsabwehr liegt in dessen “Fähigkeit” zur Steuerung eines Peptids mit antibiotischer Wirkung, des Cathelicidin, das in dieser Form nur beim Menschen und Primaten vorkommt.

Kein Zweifel mehr, dass die Natur das Vitamin D als “Feuerwehr” gegen alle Arten von Infektionen und Fehlssteuerungen des Immunsystems vorgesehen hat.  Um so dramatischer der weit verbreitete Vitamin D-Mangel, vor allem im “Vitamin D-Winter”. In der Zeit von Okotber bis März funktioniert die bei weitem wichtigste Quelle für die Beschaffung des lebenswichtigen Vitamins nicht:  Die UVB-Strahlen der schräg einfallenden Sonne sind für die Vitamin D-Synthese in der Haut nicht stark genug.

Der Vitamin D-Spiegel im Blut sinkt bis auf einen Tiefstand Ende Februar, Anfang März. Und das ist auch die Zeit der Grippe-Epidemien.

Etwa  70Prozent der US-Bevölkerung hat unzreichende Vitamin D-Werte,” so Gombart, “ein umso zentraleres Thema,  je mehr wir erfahren über die vielen Rollen, die das Vitamin D spielt beim Kampf gegen Infektionen, beim Ausbalancieren des Immunsystems, der Regulierung bei Autoimmun- und sogar Herzkrankheiten.

Die Angst vor einer Schweinegrippe-Pandämie hat jetzt die Diskussion über dieses gefährliche Defizit beschleunigt. Erstaunlicherweise aber läuft diese Diskussion völlig losgelöst von einer anderen parallel sich immer schriller äussernden Diskussion über die Gefahren der UV-Strahlen von Sonne und Solarium.  Statt der Suche nach einer optimalen Balance bei der Dosierung der natürlichen Heilkraft von UV-Strahlen der Sonne oder des Solariums wird mancherorts mit manischer Verbissenheit an Abschreckungsszenarien und Verhüllungsempfehlungen gebastelt bis hin zu grotesken Ersatzstrategien vom Pillenschlucken bis zum Aufsprühen chemischer Bräunungsmittel.

Eine Übersichtsstudie aller methodisch anspruchsvollen wissenschaftlichen Arbeiten seit 1948 war kürzlich zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen und hatte den Einsatz von Vitamin D für die Therapie und weiterere klinische Studien zur Wirksamkeit des “Sonnenschein-Vitamins” für Tuberkulose, Influenza und Atemwegserkrankungen angefordert.

Quelle: Science Daily

Studien:
A.F. Gombart,  The vitamin D–antimicrobial peptide pathway and its role in protection against infectionFuture Microbiology, November 2009, Vol. 4, No. 9,  1151-1165

Alexandra V. Yamshchikov et al., Vitamin D for Treatment and Prevention of Infectious Diseases: A Systematic Review of Randomized Controlled Trials, Endocrine Practice, American Association of Clinical Endocrinologists, Volume 15, Number 5 / July – August 2009

Übergewichtige Jugendliche haben ein doppelt so hohes Risiko, später an Multipler Sklerose zu erkranken, als Normalgewichtige. Der wichtigste Grund dafür ist vermutlich Vitamin D-Mangel. Das fettlösliche Vitamin D lagert sich in den Fettgeweben des Körpers ab und kann bei Übergewichtigen nicht in ausreichendem Maße “aktiviert” werden.  Die Immunsteuerung versagt.

Diese Ergebnisse päsentierte jetzt eine Forschergruppe der Harvard Medical School, Boston, USA im internationalen Fachmagazin Neurology.

Sie untersuchten dafür die Daten von 238,371 Frauen im Alter zwischen25 und 55 Jahren aus der Nurses’ Health Study and Nurses’ Health Study II, von denen in Verlauf von 40 Jahren  593 Frauen eine Multiple Sklerose entwickelten.

Bei 18-jährigen Frauen mit nur einem leichten Übergewicht beim Start des Programms  (BMI 25 to 29.9) erhöhte sich das Risiko kam merklich. Erst ab einem BMI von 30 stieg das MS-Risiko steil an bis zum Doppelten einer 18jährigen mit einem BMI von 18.5 and 20.9.

Erstaunlich die Entdeckung, dass diese Situation nur bei Jugendlichen, nicht aber bei Kindern oder Erwachsenen zutraf. In der Tat werden auch in den meisten Studien zur Vitamin D-Versorgung der Bevölkerung die Jugendlichen, neben den alten Menschen, als besondere Problemgruppe erkannt – im Gegensatz zur “Folklore” von Organisationen, die besonders bei Jugendlichen einen überproportionalen Aufenthalt an der Sonne vermuten und damit eine besondere Hautkrebsgefährdung.

Unsere Ergebnisse legen den Schluß nahe, dass das Gewicht in der Jugendzeit – und nicht in der Kindheit oder im Erwachsenenalter – über das Riskio einer MS-Erkrankung entscheidet.” So die Studienleiterin und Harvard-Professorin Kassandra Munger.

Quelle: ScienceDaily

Studie:  Kassandra L. Munger et al., Body size and risk of MS in two cohorts of US women, NEUROLOGY 10. November 2009;73:1543-1550

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