Archiv für die Kategorie 'Vitamin D-Mangel'

Während die Vorbeugung vor Rachitis, sozusagen die klassische Gesundheitswirkung des Sonnenschein-Vitamins, in den entwickelten Ländern seine Bedeutung (fast) verloren hat, bleibt die Verformung der Knochen bei Kindern und Jugendlichen (med. Genu varum/valgum) ein oftmals nicht ausreichend beachtetes Phänomen.

Eine aktuelle französisch-moldawische Studie untersuchte 226 offensichtlich gesunde, europäische Heimkinder mit einer Fleisch- und Milch-armen Ernährung.  21 Prozent der Kinder mit einem ausgesprochenen Vitamin D-Mangel (<25 nmol/L)  litten unter einer Verformung der Beine und Füsse im Vergleich zu Heimkindern mit ausreichender Vitamin D-Versorgung. Vor allem im Winter und Frühjahr trat der Vitamin D-Mangel und im Zusammenhang damit bei 74 Prozent der Kinder mit unzureichenden Vitamin D-Werten (<50 nmol/L) ein akuter Kalzium-Mangel auf.

Quelle: PubMed

Studie: Laure Esterle et al., High prevalence of Genu varum/valgum in European children with low vitamin D status and insufficient dairy products/calcium intakes, European Journal of Endocrinology 2010, 25. August 2010 (vorab online veröffentlicht)

Sonnenschein-Vitamin D macht geistig fit und beweglich

Sonnenschein-Vitamin macht geistig fit (nicht nur) im Alter Foto: Fotolia

Es gibt einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Versorgung mit dem Sonnenschein-Vitamin und der geistigen Leistungsfähigkeit im Alter: Je niedriger der Vitamin D-Spiegel im Blut, desto schneller bauen Jahr für Jahr die kognitiven Leistungen ab. Ein akuter Vitamin D-Mangel kann ein Grund sein für Altersdemenz!

Hinweise auf diese Verbindung von Sonnenexposition, Vitamin D und geistigem Alterungsprozess gab es auch bisher schon (und wir haben darüber berichtet: hier, hier, hier, hier , hier, hier, hier, hier, hier und hier). Jetzt aber liegen gleich in drei aktuellen Studien überzeugende Nachweise vor:

Wissenschaftler an der Universität von Exeter, UK, unter Leitung von Prof.  David J. Llewellyn nutzten die Daten von 858 Teilnehmern über 65 Jahren der italienischen INCHIANTI Studie und verfolgten deren Entwicklung der Vitamin D-Serumwerte und der geistigen Leistungsfähigkeit, gemessen an international üblichen Testverfahren (Mini-Mental State Examination, MMSE) , über insgesamt sechs  Jahre.

Es zeigte sich, dass die Teilnehmer mit einem niedrigen Vitamin D-Spiegel (<25 nmol/L) Jahr für Jahr um etwa 30 Prozent schneller alterten als die Probanden mit normalen Werten (>75 nmol/L).
Unsere Ergebnisse eröffnen neue Perspektiven für Vorbeugung und Behandlung von Altersdemenz“, so die Autoren.

Noch rigoroser gingen die Forscher am University College Cork, Irland, vor bei der Überprüfung der Entwicklung geistiger Leistungen im Verhältnis zur Vitamin D-Versorgung bei knapp 400 Teilnehmern im Alter von 58 – 87 Jahren.  Die kognitiven Fähigkeiten wurden gemessen mit der umfassenden Cambridge Neuropsychological Testing Automated Battery (CANTAB). Bei 36 Prozent der Probanden lag der Vitamin D-Spiegel im Jahresdurchnitt unter 50 nmol/L.

Die Leistungen in den verschiedenen Kategorien des Tests lagen deutlich höher bei den Teilnehmern im oberen Drittel der Vitamin D-Messung im Vergleich zum unteren Drittel. Dieser Unterschied war besonders ausgeprägt bei Frauen, weniger bei Männern.

Bestätigt werden diese Resultate durch eine etwas ältere Studie (2009) von der Tufts Universtität in Boston, USA, unter Leitung von Prof. Katherine L. Tucker.  In dieser Studie wurden nicht nur geistige Fähigkeiten sondern auch Beweglichkeit und Orientierung im Alltag gemessen und eine Reihe von Faktoren ausgeschlossen, wie Alter, Geschlecht, Übergewicht, Bildungsstandard, Nierenfunktion, sportliche Aktivitäten etc.

Zwischen den Teilnehmern mit normalem  und denen mit unzureichendem Vitamin D-Spiegel ergaben sich deutliche Unterschiede vor allem bei den Tests zur Geschicklichkeit und der Fähigkeit zur Konzentration und Informationsverarbeitung, nicht aber bei der Gedächtnisleistung.

Quelle: PubCrawler/Eurekalert/HighWire

Studien:
D.J. Llewellyn et al., Vitamin D and risk of cognitive decline in elderly persons, Archive of  Internal Medicine, 170(13):1135-41 (vorab online 12. Juli 2010)

K.M. Seamans et al., Vitamin D status and measures of cognitive function in healthy older European adults, European Journal of  Clinical Nutrutrition, online vorab 11. August 2010

Katherine L. Tucker et al., Vitamin D Is Associated With Cognitive Function in Elders Receiving Home Health ServicesThe Journals of Gerontology A (2009)   64A  (8):  888-895

DNA-Modell Foto: fotolia

Eine Milliarde Menschen, so schätzen die Experten, leiden weltweit unter einem Vitamin D-Mangel. Fast täglich werden neue Wirkweisen des Sonnenschein-Vitamins und Einflüsse auf die menschliche Gesundheit entdeckt – und von Kritikern mit dem Tunnelblick auf mögliche UV-Schäden der Haut angezweifelt. Eine soeben erschienene Studie mit “dramatischen” (“Science Daily“) Ergebnissen könnte diesen Zweifeln ein Ende setzen.

Forschern an der Oxford University in England ist es nämlich gelungen,  sämtliche Gene zu identifizieren, die – mit einem Vitamin D-Rezeptor ausgestattet – vom Sonnenschein-Vitamin beeinflusst oder gesteuert werden. Auf der “DNA-Landkarte” des menschlichen Erbguts (Genom) entdeckten die Wissenschaftler bei mehr als 229 der Gene an 2.776  “Andock-Stellen” Vitamin D-Rezeptoren, sozusagen die Vitamin D-eigenen Eingangstore zu den Zellen. Damit ist das gewaltige Ausmaß überschaubar geworden, in dem das Vitamin D oder der Mangel an Vitamin D die Vorbeugung bzw. den Ausbruch von hunderten von Krankheiten beeinflusst, die jetzt im einzelnen benannt und gezielt angegangen werden können.

Diese Rezeptoren häufen sich offensichtlich an den Stellen auf der DNA, die bei Autoimmun-Erkrankungen wie Diabetes, Multiple Sklerose, Morbus Crohn, rheumatische Arthritis und bestimmte Krebsarten eine Rolle spielen.

Unsere Untersuchung zeigt den dramatisch breiten Einfluss des Vitamin D auf unsere Gesundheit,” so Prof. Andreas Heger von der MRC Functional Genomics Unit der Universität und einer der führenden Autoren der Studie.

Prof. Sreeram Ramagopalan vom Wellcome Trust Centre for Human Genetics ergänzt:
Jetzt liegen die Beweise vor für die bedeutende Rolle des Vitamin D für eine Fülle von Krankheiten, ihre Vorbeugung und Bekämpfung. So zum Beispiel würde eine Vitamin D-Ergänzung für Schwangere und Kinder einen erheblichen Effekt für die Gesundheit der Kinder in ihrem späteren Leben haben.

Gleichzeitig bestätigen diese Ergebnisse die seit langem geäusserte Vermutung, dass die Frage der Vitamin D-Versorgung durch die UV-Strahlen der Sonne ganz wesentlich die Entwicklung der menschlichen Rassen in der frühen Menschheitsgeschichte bestimmt hat:
Bei ihrer Wanderung aus den afrikanischen Steppen in den sonnenärmeren Norden überlebten und vermehrten sich im Verlauf vieler Generationen nur die Menschen mit hellerer, und daher für die Vitamin D-Synthese  empfänglicheren Haut. Vitamin D-Mangel, verursacht durch zu viel Sonnenschutz aufgrund der dunklen Hautpigmente, führte zu Problemen bei der Geburt und zu körperlichen Behinderungen bei den Kindern, die ein Überleben unter den harten Umweltbedingungen damals unmöglich machte.

Vitamin D war damit ein wesentlicher Auswahlfaktor bei der Evolution der menschlichen Bevölkerung in nördlichen Regionen: Je mehr von der knappen Sonne durch die (hellere) Haut “verarbeitet” werden konnte, desto größer die Chancen zu überleben und die Gene an die Nachkommen weiter zu geben.

Skeptisch merkt ein anderer der Studien-Autoren, Prof. George Ebers, an: “Es kann sein, dass wir immer noch nicht genügend Zeit hatten, alle die Anpassungen (in unserer genetischen Ausstattung) zu machen, die es uns ermöglicht, mit unserer nördlichen Umwelt fertig zu werden.”

Wenn dann zu den “genetischen Defiziten” noch die kulturellen (z.B. städtische und In-Haus-Lebens- und Arbeitsweise)  und ideologischen (z.B. Angst vor der Sonne) Veränderungen treten, ist der gegenwärtige Zustand eines “pandemischen” Sonnen- und Vitamin D-Mangels unvermeidlich.

Quelle: Science Daily

Studie: S.V. Ramagopalan et al., A ChIP-seq-defined genome-wide map of vitamin D receptor binding: Associations with disease and evolution, Genome Research 2010 (online vorab publiziert, 24. August 2009)

Vitamin D-Produktion durch Sonne im Sommer reicht nicht für Vitamin D-Winter

In unseren Breiten reicht der Sommer-Sonnen-Vorrat für den Vitamin D-Winter zumeist nicht aus

Dieser Frage gingen jetzt Wissenschaftler der Universität Manchester nach. Sie bestimmten den Vitamin D-Spiegel am Ende des Sommers über einige Wochen, wenn die Vorräte im Fettgewebe der Menschen am höchsten sind, von 125 Männern und Frauen im Alter zwischen 20 und 60 Jahren aus der Region Manchester. Die Stadt liegt etwa auf einem Breitengrad mit Berlin. Gleichzeitig wurden die Ernährung und die Dauer des Aufenthalts an der Sonne geprüft.

Die gleiche Prozedur wurde jeweils in jeder der vier Jahreszeiten wiederholt.

Die Vitamin D-Zufuhr durch Ernährung spielte in allen Jahreszeiten eine gleichmäßige aber zu vernachlässigende Rolle.  Die Sonnenexposition dagegen war – wie zu erwarten – im Frühling und Sommer relativ hoch, im Herbst gering und im Winter praktisch nicht vorhanden.

Der Vitamin D-Spiegel war am höchsten im September mit allerdings immer noch nicht optimalen 28.4 ng/mL im Durchschnitt der Teilnehmer (das Optimum wird derzeit von den meisten Experten bei >32 ng/mL angesetzt)  und im Februar am niedrigsten mit 18.3 ng/mL, also einem Vitamin D Mangel.

Um zumindest den auf 20 ng/mL angesetzten Grenzwert zwischen einem Mangel und lediglich einer Unterversorgung zu erreichen, mussten die Teilnehmer im September durch die Sommersonne mindestens Vitamin D-Werte von durchschnittlich 30,4 ng/mL bei Frauen und 34,9 ng/mL bei den Männern angesammelt haben.

Optimale Werte von 32 ng/mL und darüber erreichte keiner der Teilnehmer.

Immerhin reichte der im Sommer angesammelte Vitamin D-Vorrat für die Hälfte der Teilnehmer aus, um einen akuten Vitamin D-Mangel, also weniger als 20 ng/mL,  im Winter zu verhindern. Bei 50 Prozent der Probanden aber fielen die Werte so weit ab, dass hier die Risiko-Schwelle   für viele chronische Erkrankungen bei einem Vitamin D-Mangel überschritten wurde.

Für die Autoren ist klar, die Menschen in diesen Breiten müssten sich in den sonnenreicheren Monaten häufiger und länger an der Sonne aufhalten, um ihre “Vitamin D-Tanks” für den “Vitamin D-Winter” ausreichend zu füllen.

Ein mögliches Fazit: Ergänzung des Sonnenlichts durch künstliche Besonnung im Solarium – nicht nur in den Wintermonaten, wenn die Sonne keinerlei Vitamin D über die Haut produzieren kann, sondern auch im Frühjahr und Sommer.

Quelle: PubMed

Studie: A.R. Webb et al., The role of sunlight exposure in determining the vitamin D status of the UK white Caucasian adult population, British Journal of Dermatology 2010 (vorab online veröffentlicht 12. August 2010)

Kinder und Jugendliche sind eine “Problemgruppe” bei der Versorgung mit dem Sonnenschein-Vitamin D. Nicht nur die Studien zum Vitamin D-Mangel weltweit sondern immer häufiger auch Detailstudien über den Zusammenhang von Sonnen-/Vitamin D-Mangel und einzelnen Krankheiten bei jungen Menschen bestätigen diese Einschätzung.

In den vergangenen Wochen sind ein halbes Dutzend solcher Studien erschienen. Zwei davon behandeln ein weit verbreitetes Problem bei Kindern und Jugendlichen: Atemwegserkrankungen, Allergien, Enzündungen, Asthma.

Gleichzeitig fordern die Lungenärzte der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), die Vitamin D Versorgung von Kindern mit Asthma regelmäßig zu kontrollieren. Kinder mit geringem bis mittelschwerem Asthma seien stärker gefährdet, Asthmaanfälle zu erleiden, wenn sie einen Mangel an Vitamin D aufwiesen.

50 Prozent mehr Asthma-Anfälle bei Vitamin D-Mangel

Forscher am Brigham and Women’s Hospital, Boston, USA, hatten 1024 Kinder mit leichtem bis mittelschwerem Asthma auf ihren Vitamin-Spiegel im Blut getestet und dann über einen Zeitraum von vier Jahren der Fortgang der Krankheit, Einlieferung in eine Klinik oder eine Notfall-Behandlung beobachtet. 35 Prozent der Kinder hatten einen ausgeprägten Vitamin D-Mangel.

Die Kinder mit niedrigem Vitamin D-Spiegel (<30 ng/ml) hatten ein um 50 % erhöhtes Risiko, einen Asthma-Anfall zu erleiden, der in der Klinik oder einer Notfallstation behandelt werden musste.

Je besser der Vitamin D-Spiegel desto weniger Medikamente nötig

In einer weiteren Studie mit 100 Asthma-kranken Kindern untersuchten Wissenschaftler vom National Jewish Health Institut in Denver, Colorado, USA, den Zusammenhang von Vitamin D-Status und der Entwicklung der Krankheit, insbesondere unter Kortison-Therapie.  Auch hier war das Ergebnis eindeutig:

Alle Tests und Messwerte für entzündliche und allergene Asthma-Reaktionen verbesserten sich mit steigenden Vitamin D-Werten. Je höher der Vitamin D-Spiegel, desto geringer auch die benötigten Kortison-Mengen. Der Wirkungsgrad der Medikamente steigerte sich mit zunehmender Vitamin D-Versorgung.

Quelle: PubMed

Studien:
J.M. Brehm et al. (Childhood Asthma Management Program Research Group und weitere 258 Mitautoren),  Serum vitamin D levels and severe asthma exacerbations in the Childhood Asthma Management Program study, Journal of Allergy and  Clinical Immunology. 2010 Jul;126(1):52-8.e5

D.A. Searing et al., Decreased serum vitamin D levels in children with asthma are associated with increased corticosteroid use, Journal of Allergy and  Clinical Immunology, 2010  May;125(5):995-1000

Drei weitere Studien zu diesem Thema – mit besonderem Akuent auf Unterschiede der Rassen/Ethnien:

Freishtat RJ et al., High prevalence of vitamin D deficiency among inner-city African American youth with asthma in Washington, DC. J Pediatr 2010 Jun; 156:948

Dong Y et al., Low 25-hydroxyvitamin D levels in adolescents: Race, season, adiposity, physical activity, and fitness, Pediatrics 2010 Jun; 125:1104.

Brehm JM et al., Serum vitamin D levels and markers of severity of childhood asthma in Costa Rica, Am J Respir Crit Care Med 2009 May 1; 179:765

Je besser die Versorgung mit den Sonnenschein-Vitamin D, desto geringer das Risiko, an der Parkinson`schen Krankheit zu erkranken.

In einer Langzeitstudie untersuchten finnische Forscher die Auswirkungen des Vitamin D-Mangels mit dem chronischen Dopamin-Verlust, der diese “Schüttellähmung” verursacht. Die Wissenschaftler vom National Institute for Health and Welfare, Helsinki, Finland, unter Leitung von Paul Knekt, untersuchten 3.173 Männer und Frauen im Alter von 50 bis 79 Jahren, die bei Beginn der Studie im Jahr 1978 noch keine Parkinson-Symptome aufwiesen. 30 Jahre später hatten 50 Teilnehmer einen Parkinson entwickelt.

Die Teilnehmer mit den höchsten Vitamin D Werten im Blut litten zu 67 Prozent seltener an der Krankheit als die Probanden im unteren Viertel der Vitamin D-Versorgung.

Trotz des allgemein niedrigen Vitamin D-Spiegels von weniger als der Hälfte der optimalen Dosis von 75-80 nmol/l im sonnenarmen Finnland zeigte sich eine eindeutige Beziehung zwischen der Vitamin D-Dosis und dem Auftreten der Krankheit.

Unsere Ergebnisse belegen die Vermutung, dass chronischer Vitamin d-Mangel ein Risikofaktor für die Parkinson`schen Krankheit darstellt.”

Quelle: JamaMedia.org

Studie: Paul Knekt et al., Serum Vitamin D and the Risk of Parkinson Disease, Archives of  Neurology 2010;67[7]:808-811

Editorial: M.L. Evatt, Beyond vitamin status: is there a role for vitamin d in Parkinson disease? Arch Neurol. 2010 Jul;67(7):795-7

Sonnen-Lust und Sonnenschutz - Konflikt oder gesunde Allianz?

Sonnen-Lust und Sonnenschutz - Konflikt oder gesunde Allianz?

Macht Deine Sonnen-Creme Dich dick, alt und depressiv?” titelt der Daily Mirror, führende britische Boulevard-Zeitung, zum Sommeranfang und zählt die Gesundheitsschäden auf, die durch die Angst vor den Sonnenstrahlen entstehen.

Jahrzehnte lange Panik-Kampagnen der Kosmetik-Industrie mit Hilfe von Dermatologen-Verbänden und Krebs-Organsationen haben den Menschen die Sonne in einem Umfang ausgetrieben, der inzwischen so etwas wie einen gesundheitlichen Notstand produziert. Dieser Notstand hat viele Facetten, am bedeutendsten aber ist sicher der epidemische Mangel an Vitamin D, dem Sonnenschein-Vitamin.

Immer mehr wissenschaftliche Studien aus vielen Ländern warnen, dass der Vitamin D-Mangel in den vergangenen Jahren in dem Maße zugenommen hat, wie die Menschen im täglichen Leben gelernt haben, die Sonne zu meiden oder sich durch immer höhere Schutzfaktoren abzuschirmen. Moderne Lebensstile tun ein übriges.

Da die Medien oft unkritisch die Anti-Sonnen-Kampagnen einschliesslich noch der zweifelhaftesten Behautpungen ungeprüft übernehmen, kommt es zu einer eher paradoxen Erscheinung am Rande: Von den negativen Gesundheitsfolgen dieser Kampagnen sind die gebildeteren Schichten, als Zeitungsleser und an Gesundheitsinformationen interessiert, stärker betroffen als die übrige Bevölkerung. Auch die Politik reagiert ähnlich paradox mit bürokratischer Hektik, wie derzeit bei der sogenannten “Solarienverordnung”.

Doch ganz allmählich, durch hunderte wissenschaftlicher Studien und ihre langsame Verbreitung in einem größeren Publikum, setzt sich die Erkenntnis durch, dass das besinnungslose Trommeln gegen Sonne und Solarium und für immer wirksamere Sonnenschutz-Mittel und chemische Bräunung nicht der Gesundheit hilft sondern schadet – und das gleich mehrfach:

  1. Studien haben nachgewiesen, dass die Nutzung von Sonnenschutzmitteln nicht, wie angeblich beabsichtigt, vor Hautkrebs schützt, sondern in vielen Fällen genau das Gegenteil bewirkt: Das Melanom-Risiko steigt! (Jüngste Beispiele von vielen hier)
  2. Sonnencremes mit hohem Lichtschutzfaktor verhindern praktisch vollständig die Bildung von Vitamin D über die Haut und befördern so den Vitamin D-Mangel. Ein steter Anstieg chronischer Erkrankungen wie Osteoporose, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen etc. sind die Folge.
  3. Die so hoch gepeitschte Sonnen-Angst und die panische Fixierung auf die Abwehr von UV-Strahlen macht einen vernünftigen,  für die Gesundheit notwendigen, positiven Umgang mit der natürlichen und künstlichen Sonne unmöglich. Statt gesunden Genuss der “guten” Sonne und dem ganz natürliches Ausweichen vor der “bösen” Sonne, fördern die vereinigten Industrie- und Dermatologen-Kampagnen den einseitigen Verzicht auf die lebensnotwendige aber kostenlose Sonnen-Gesundheit zugunsten der teuren und profitablen Sonnen-Killer.

Der Erfolg dieser Kampagnen aber trägt bereits den Keim ihres Mißerfolgs in sich.

Den Dermatologen hat ihre millionen-schwere Öffentlichkeitsarbeit, die vor eingenartigen statistischen Manipulationen nicht zurückschreckte,  die Honorar-Milliarden eines flächendeckenden Hautkrebs-Screenings beschert. Deren medizinischer Sinn aber wird inzwischen von Ärzten und Wissenschaftlern selbst in Zweifel gezogen. (“Gesetzliches Hautkrebsscreening vor dem Aus?“)

Die Kosmetik-Industrie hat zunehmend mit den Zweifeln an der Glaubwürdigkeit ihrer donnernden Sonnenschutz- und Selbstbräuner-Kampagnen zu kämpfen, je weiter sich die Informationen über die lebenswichtige Bedeutung von Vitamin D und die mangelnde Schutzwirkung gegen den Hautkrebs ausbreiten.  Um kreative Lösungen nie verlegen werden jetzt Selbstbräunungs-Cremes und Sprays mit Vitamin D-Zusatz auf den Markt geworfen – doppelter Gewinn mit angeblich modischer Bräune plus gesundem Vitamin D. Das aber liefert die Sonne kostenlos in sehr viel effizienterer Kombination bei vernünftigem Gebrauch.

Panik-Reaktion der Panik-Macher?

Schwer zu verstehen, warum es so schwierig sein soll,  Sonnengenuss und Sonnenschutz in sinnvoller Balance darzustellen und durchzusetzen. Dem Wohlbefinden und der Gesundheit dient beides – im Teamwork statt beim Catch-As-Catch-Can.

So wanderten die Ahnen (in der Mitte der Nordpol)

So wanderten die Ahnen (in der Mitte der Nordpol)

Sonnenbräune ist ein raffinierter Trick der Evolution. Ohne die unterschiedliche Fähigkeit zur Bräunung und damit zur Anpassung an die unterschiedlich und wechselnd  intensiven Sonnenstrahlen hätte der Mensch die Jahrtausende dauernde Wanderungen von der Wiege der Menschheit in Afrika nach Osten und Norden nicht überlebt. Dabei geht es nicht um den Schutz vor Sonnenbrand und Hautkrebs, wie bisher angenommen. Beides ist kein Hindernis für die Fortpflanzung. Sondern es geht dabei um die ausbalancierte Versorgung mit Vitamin D einerseits und Folsäure andererseits.

Das jedenfalls behaupten  Wissenschaftler von der Penn State University, USA.  Dass mit dem Verlust der Behaarung bei unseren Urahnen das Melanin, der Stoff aus dem die dunklen Pigmente sind, eine schützende Rolle vor zu viel tropischer Sonne spielte, ist seit langem bekannt.  Dass hierfür aber der Schutz vor Hautkrebs entscheidend war, wird jetzt von der Gruppe um die Anthropologin Nina Jablonski bestritten. Vielmehr sei die flexible Pigmentierung eine nowendige genetische Ausstattung gewesen, um die feine Balance zwischen zwei lebenswichtigen Mikro-Nährstoffen, dem Vitamin D und der Folsäure zu garantieren.

Vitamin D wird durch die UVB-Strahlen der Sonne im Körper gebildet und ist notwendig für die Steuerung etlicher Funktionen im menschlichen Körper, wie die Zellteilung oder die Immunregulierung. Dagegen wird Folsäure, Vitamin B9 – vor allem in der Schwangerschaft für das schnelle Zellwachstum von Bedeutung – durch UVB-Strahlung und Hitze zerstört.

Zu wenig UBV führt, vereinfacht gesagt, zu Vitamin D-Mangel mit katastrophalen Gesundheitsfolgen.  Zu viel UVB dagegen führt zu einem Mangel an Folsäure, mit den negativen Folgen für Zellwachstum, Blutbildung und Schwangerschaft. In anderen Worten: Die Fortpflanzung der menschlichen Rasse hing ab von genau der richtigen Wirkung und Dosierung der UV-Strahlen.

Das Melanin, die Hautbräunung, übernahm hier die Funktion des Schiedsrichters. Je mehr Sonne und damit UV-Strahlen, desto dunkler die Haut, je weniger und schräger einfallend die Sonnenstrahlen, desto heller und damit empfänglicher die Haut.

Damit aber war nur ein Problem gelöst: Die Menschen ganz im Süden waren dunkel, schützten ihre Folsäuren-”Bestände” und bildeten dennoch ausreichend Vitamin D. Die Menschen ganz im Norden waren hellhäutig und sonnenempfindlich, um überhaupt genügend Vitamin D in der Haut entwickeln zu können; Folsäure war nicht ihr Problem. Die Anpassung in den mittleren Breiten aber, dazu gehört auch Deutschland, blieb damit ungelöst. Hier wechselten sich Phasen intensiver UVB-Strahlung mit Phasen geringster Strahlung ab, was sich zu einer tödlichen Kombination von Vitamin D-Mangel und Mangel an Folsäure hätte entwickeln können.

Dagegen “erfand” die Natur den Bräunungsprozess. Die Lösung des Problems: Die Bräunung. Diese Fähigkeit wurde den Menschen in den mittleren Breiten genetisch “einprogrammiert” und garantierte das Überleben. Wie das Chamäleon wechselten die Menschen in den mittleren Breiten ihre Hautfarbe “opportunistisch”, heisst: wie der Körper es jeweils zum optimalen Funktionieren brauchte. Ein bisschen Sonnenempfindlichkeit für die Vitamin D-Bildung, ein bisschen Hautpigmentierung zum Schutz der Folsäure – je nach Situation, zum Beispiel je nach Saison.

Je besser diese Anpassung funktionierte, desto gesunder war der Mensch.

Die Natur war erst mit ihrer Weisheit am Ende, als der Mensch zwei Gewohnheiten entwickelte: Mobilität und Mode! Was Prof. Jablonski als “die Verschwörung der Moderne” bezeichnet.

Mobilität führte dazu, dass – im Vergleich zur Evolution “blitzschnell” – dunkelhäutige Menschen aus dem Süden in die sonnenarmen Länder des Nordens reisten und dort blieben, und umgekehrt. Die einen entwickelten Krankheiten durch den Vitamin D-Mangel – die magere Sonne des Nordens reichte nicht aus, die Melanin-Schutzschilde der dunkeln Haut zu durchdringen. Die anderen “verbrannten” und die ungeschützte DNA degenerierte zum Hautkrebs. Alle Einwanderungsländer, egal ob im Süden oder Norden haben dieses besondere Gesundheitsproblem der Zugereisten.

Schlimmer aber war die Entwicklung von Moden. Die Mode-Diktate  und gesellschaftlichen oder religiösen Regeln pfuschten der Natur ins Handwerk, seien es Ganzkörper-Verhüllungen oder Ballermann-Schickeria.

Die jüngste Variante dieses modischen Pfuschs haben uns ausgerechnet die Dermatologen, oder doch einige von ihnen, eingebrockt. Seit mehr als 40 Jahren predigen sie unentwegt gegen die weise Balance der Natur aus Exposition und Schutz. Sonnenbräune, der Ausdruck dieser gelungenen Balance, ist ihnen ein Graus. “Blass is beautiful” ihr Credo. Die Sonne ist der böse Feind, und da ihnen das niemand abnimmt (der gesunde Menschenverstand, das gesunde Menschengefühl, die Erfahrung von Jahrhunderten und seit vielen Jahren auch die Wissenschaft sagen etwas anderes), haben sie einen Ersatzfeind ausgemacht, den sie wie den Sack prügeln, wenn sie den Esel meinen: Das Solarium.

Alles Humbug, meinen die Forscher aus Pennsylvania. O-Ton Prof. Nina Jablonski: “Hautbräunung hat sich viele Male an verschiedenen Stellen der Welt zu verschiedenen Zeiten entwickelt, um die Menschen vor den schädlichen Wirkungen der UV-Strahlen zu schützen.” Ohne die Vitamin D-Bildung über die Haut zu verhindern.

Quelle: Eurekalert/Science Daily

Studie: Nina G. Jablonski. George Chaplin, Human skin pigmentation as an adaptation to
UV radiation
, PNAS, Colloquium paper, 2010

Patienten mit ausreichenden Vitamin D-Werten haben nach der Diagnose eines Darmkrebses  eine wesentlich bessere Chance, den Krebs zu überleben als Patienten mit einem Vitamin D-Mangel.

Wer sonnt lebt länger!” unter diesem etwas saloppen Slogan hatten wir in der Vergangenheit bereits eine Reihe von Studien zusammengefasst, die eine höhere Lebsenserwartung bei Menschen mit ausreichender Vitamin D-Versorgung (>32 ng/ml bzw. 75 nmol/l) belegen, vor allem auch angesichts Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bei bestimmten Krebsarten (dazu hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier).  Umstritten ist die lebensverängernde Wirkung des Sonnenschein-Vitamins beim Darmkrebs.

Beim diesjährigen Kongress der American Society of Clinical Oncology berichtete jetzt ein Forscher-Team vom renommierten Memorial Sloan-Kettering Cancer Center, New York, von einer langjährigen Untersuchung über den Zusammenhang des Vitamin D-Status bei der Diagnose eines Darmkrebs und die langfristige Überlebenschance .

Dazu konnten sie auf das im Institut zum Zeitpunkt der Diagnose archivierte Blutserum von 250 Patienten mit Darm- und Rektal-Krebs im fortgeschrittenen Stadium und auf die Behandlungsunterlagen zum Abgleich zurückgreifen.  Das Ergebnis war eindeutig:

Unter Berücksichtigung der eingesetzten Therapien und anderer Daten zum Gesundheitszustand der Patienten waren die Überlebenschance der Probanden mit Vitamin D-Werten unter 30 ng/ml um 150 Prozent geringer als die der Patienten mit normalem oder optimalem (>40 ng/ml) Vitamin D-Spiegel.

Bemerkenswert auch, dass von den 250 Teilnehmern in der untersuchten Gruppe der Darmkrebspatienten nur ganze 7 Personen zum Zeitpunkt der Diagnose einen Wert von über 40 ng/ml aufwiesen. 83 Prozent der Patienten dagegen litten unter einem Vitamin D-Mangel.  Ein Hinweis darauf, dass auch bei der Entstehung des Krebses bereits die unzureichende Vitamin D-Versorgung eine Rolle gespielt haben könnte.

Quelle: NewsWise

Studie: K. M. Wesa et al., Vitamin D levels and survival in colorectal cancer (CRC), Abstract 3615, Journal of Clinical Oncology, 2010 ASCO Annual Meeting Proceedings, Vol 28, No 15_suppl (May 20 Supplement), 2010: 3615

Foto: fotolia

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Viele Frauen leiden nach der Geburt an Stimmungsschwankungen, Trauergefühlen bis hin zur Depression. Die Wirkung von Vitamin D bei psychischen Störungen ist vielfach belegt. Die Frage lag also nahe nach einem Zusammenhang von Vitamin D-Mangel und “Baby Blues” oder der schwereren Form,  der “Postpartalen Depression”.

Ein Forschertam an der University of South Carolina, USA, ging dieser Frage nach bei knapp 100 Frauen, die nach der Geburt wegen unterschiedlich gravierender depressiver Verstimmungen in Behandlung waren. Nach einem  gängigen Depressionstest (Edinburgh Postpartum Depression Scale, EPDS) wurden in sieben  Besuchen monatlich der Vitamin D-Spiegel gemessen und mit dem Grad der depressiven Verstimmung abgeglichen.

Es zeigte sich, dass sich der Grad der Erkrankung mit dem Ausmaß des Vitamin D-Mangels veränderte. Je größer der Mangel, desto schwerer im Durchschnitt die Depression.

Allerdings weisen die Autoren selbst darauf hin, dass für eine sichere Schlussfolgerung breiter angelegt und methodisch präzisere Studien notwendig wären.

Quelle: PubMed

Studie: Pamela K. Murphy et al., An Exploratory Study of Postpartum Depression and Vitamin D, Journal of the American Psychiatric Nurses Assiciation, Vol. 16, No. 3, 170-177 (2010)

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