Archiv für die Kategorie 'Vitamin D-Winter'

Während die Vorbeugung vor Rachitis, sozusagen die klassische Gesundheitswirkung des Sonnenschein-Vitamins, in den entwickelten Ländern seine Bedeutung (fast) verloren hat, bleibt die Verformung der Knochen bei Kindern und Jugendlichen (med. Genu varum/valgum) ein oftmals nicht ausreichend beachtetes Phänomen.

Eine aktuelle französisch-moldawische Studie untersuchte 226 offensichtlich gesunde, europäische Heimkinder mit einer Fleisch- und Milch-armen Ernährung.  21 Prozent der Kinder mit einem ausgesprochenen Vitamin D-Mangel (<25 nmol/L)  litten unter einer Verformung der Beine und Füsse im Vergleich zu Heimkindern mit ausreichender Vitamin D-Versorgung. Vor allem im Winter und Frühjahr trat der Vitamin D-Mangel und im Zusammenhang damit bei 74 Prozent der Kinder mit unzureichenden Vitamin D-Werten (<50 nmol/L) ein akuter Kalzium-Mangel auf.

Quelle: PubMed

Studie: Laure Esterle et al., High prevalence of Genu varum/valgum in European children with low vitamin D status and insufficient dairy products/calcium intakes, European Journal of Endocrinology 2010, 25. August 2010 (vorab online veröffentlicht)

Vitamin D-Produktion durch Sonne im Sommer reicht nicht für Vitamin D-Winter

In unseren Breiten reicht der Sommer-Sonnen-Vorrat für den Vitamin D-Winter zumeist nicht aus

Dieser Frage gingen jetzt Wissenschaftler der Universität Manchester nach. Sie bestimmten den Vitamin D-Spiegel am Ende des Sommers über einige Wochen, wenn die Vorräte im Fettgewebe der Menschen am höchsten sind, von 125 Männern und Frauen im Alter zwischen 20 und 60 Jahren aus der Region Manchester. Die Stadt liegt etwa auf einem Breitengrad mit Berlin. Gleichzeitig wurden die Ernährung und die Dauer des Aufenthalts an der Sonne geprüft.

Die gleiche Prozedur wurde jeweils in jeder der vier Jahreszeiten wiederholt.

Die Vitamin D-Zufuhr durch Ernährung spielte in allen Jahreszeiten eine gleichmäßige aber zu vernachlässigende Rolle.  Die Sonnenexposition dagegen war – wie zu erwarten – im Frühling und Sommer relativ hoch, im Herbst gering und im Winter praktisch nicht vorhanden.

Der Vitamin D-Spiegel war am höchsten im September mit allerdings immer noch nicht optimalen 28.4 ng/mL im Durchschnitt der Teilnehmer (das Optimum wird derzeit von den meisten Experten bei >32 ng/mL angesetzt)  und im Februar am niedrigsten mit 18.3 ng/mL, also einem Vitamin D Mangel.

Um zumindest den auf 20 ng/mL angesetzten Grenzwert zwischen einem Mangel und lediglich einer Unterversorgung zu erreichen, mussten die Teilnehmer im September durch die Sommersonne mindestens Vitamin D-Werte von durchschnittlich 30,4 ng/mL bei Frauen und 34,9 ng/mL bei den Männern angesammelt haben.

Optimale Werte von 32 ng/mL und darüber erreichte keiner der Teilnehmer.

Immerhin reichte der im Sommer angesammelte Vitamin D-Vorrat für die Hälfte der Teilnehmer aus, um einen akuten Vitamin D-Mangel, also weniger als 20 ng/mL,  im Winter zu verhindern. Bei 50 Prozent der Probanden aber fielen die Werte so weit ab, dass hier die Risiko-Schwelle   für viele chronische Erkrankungen bei einem Vitamin D-Mangel überschritten wurde.

Für die Autoren ist klar, die Menschen in diesen Breiten müssten sich in den sonnenreicheren Monaten häufiger und länger an der Sonne aufhalten, um ihre “Vitamin D-Tanks” für den “Vitamin D-Winter” ausreichend zu füllen.

Ein mögliches Fazit: Ergänzung des Sonnenlichts durch künstliche Besonnung im Solarium – nicht nur in den Wintermonaten, wenn die Sonne keinerlei Vitamin D über die Haut produzieren kann, sondern auch im Frühjahr und Sommer.

Quelle: PubMed

Studie: A.R. Webb et al., The role of sunlight exposure in determining the vitamin D status of the UK white Caucasian adult population, British Journal of Dermatology 2010 (vorab online veröffentlicht 12. August 2010)

Je mehr Sonne für die Mütter, desto geringer das MS-Risiko für die Babies.

Je mehr Sonne für die Mütter, desto geringer das MS-Risiko für die Babies.

Je geringer der Aufenthalt der Schwangeren an der Sonne und je niedriger die Sonne am Horizont steht, desto größer das Risiko einer MS-Erkrankungen bei den Neugeborenen. Nachdem bereits Studien in der Ländern der nördlichen Hemisphäre diese vermutung bestättigt hatten (hier, hier und hier), kommt jetzt auch eine australische Studie zu diesem Ergebnis.

In einer Studie auf der Basis von bevölkerungs- und gesundheitsstatischen und meteorologischen Daten seit 1920 entdeckte die Professorin Dr. Anne-Louise Ponsonby und ihr Team am Murdoch Childrens Research Institute in Melbourne einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Wohnort (Breitengrad) der Mütter,  ihrem Aufenthalt an der Sonne und dem Geburtsmonat der Kinder mit der Häufigkeit von Erkrankungen der Kinder an Mutlipler Sklerose.

Kinder von Müttern mit Wohnort im australischen Norden, -  also, anders als bei uns, näher zum Äquator, die im May-Juni, dem Beginn des australischen Winters, geboren wurden hatten ein deutlich erhöhtes MS-Risiko im Vergleich zu Babies, die im November-Dezember z.B. in Tasmanien im Süden des Kontinentes geboren wurden. Im ersten Fall lag die Schwangerschaft, vor allem die ersten drei Monate, überwiegend in den Sommer-, im zweiten Fall überwiegend in den Winter-Monaten.

Von ausschlaggebender Bedeutung aber erwies sich der Aufenthalt an der Sonne selbst, gemessen in Sonnentagen während der Schwangerschaftmonate.  Je häufiger, länger und intensiver die Sonne in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft geschienen hatte, umso geringer die Rate der MS-erkrankten Kinder.

Ob und inwieweit der Mangel an Sonnenstrahlen vor allem in den ersten Schwangerschaftsmonaten durch künstliche Besonnung (Solarium) behoben werden könnte, war nicht Thema der Untersuchung.

Quelle: Newswise

Studie: A. L. Ponsonby et al. BMJ,  Low maternal exposure to ultraviolet radiation in pregnancy, month of birth, and risk of multiple sclerosis in offspring: longitudinal analysis, British Medical Journal, 340 (291): c1640. (2010) – PDF kostenlos

Sonnenschein Vitamin D für Mutter und Kind - Foto: Fotolia

Sonnenschein-Vitamin für Mutter und Kind - Foto: Fotolia

Damit es ein gesundes Baby wird: Ausreichend Sonnenschein-Vitamin tut not, während der Schwangerschaft – und auch schon davor!

Während der Schwangerschaft brauchen Frauen mehr Vitamin D. Das ist besonders wichtig sowohl zur Vorbeugung gegen Komplikationen bei der Geburt als auch für die Gesundheit des Neugeborenen.

Gerade in der Schwangerschaft aber leiden die Mehrheit der Frauen an einem akuten Vitamin D-Mangel, der dann oftmals nicht mehr ausreichend durch Vitamin D-reiche Ernährung oder Vitamin D Pillen ausgeglichen werden kann. Grund ist nach Meinung von US-Wissenschaftlern: zu wenig Sonne!

In einer umfangreichen aktuellen Studie hatten Forscher von der Medizinischen Universität von Colorado und von der Kinderklinik vopn Massachussetts, Boston, einen Vitamin D- Mangel bei 70 % der Schwangeren festgestellt.

Prof. Adit Ginde, Leiter der Studiengruppe: “Wir wissen längst, dass Vitamin D wichtig ist für die Knochengesundheit von Mutter und Kind. Aber wir haben eben erst angefangen, an der Oberfläche der vielen möglichen Gesundheitsvorteile von Vitamin D während der Schwangerschschaft  zu kratzen.”

Vor allem im “Vitamin D-Winter” (Oktober bis März) und bei Frauen in nördlichen Ländern, Frauen mit dunklerer Haut und religiös oder kulturell bedingter Kleidung, die den gesamten Körper bedeckt, ist das Problem besonders gravierend.

Die Empfehlung der Wissenschaftler: Frauen sollten möglichst Monate vor Beginn Ihrer Schwangerschaft auf ihren Vitamin D-Spiegel im Blut achten! Aufenthalt an der – natürlichen oder künstlichen – Sonne das ganze Jahr über, notfalls auch zusätzliche Einnahme von Vitamin D-Präparaten, immer allerdings nach Kontrolle des Vitamin D-Spiegels im Blut, könnten den Risiken durch einen Vitamin D-Mangel vor allem bei den Babies vorbeugen.

In den vergangenen Jahren hatten medizinische Studien nicht nur Rachitis, sondern auch Krankheiten wie Wachstumsstörungen, Atemwegserkrankungen, Multiple Sklerose oder Autismus mit einer mangelnden Vitamin D-Versorgung beginnend im Mutterleib in Verbindung gebracht.

Probleme bei der Geburt vermeiden

Über ähnliche Ergebnisse einer Studie an der Medizinischen Universität von South Carolina, USA, mit knapp 500 schwangeren Frauen, berichtete die Leiterin der Studie,  Prof. Carol L. Wagner, und Prof. Bruce W. Hollis, seit 30 Jahren in der Vitamin D-Forschung aktiv, beim Jahreskongress der Pediatric Academic Societies (PAS) in Vancouver, British Columbia, Canada.

Die Studie versucht, die optimale Vitamin D-Dosis in der Schwangerschaft zu bestimmen.

Dr. Wagner: “Ernährung allein reicht nicht aus für die optimale Versorgung, und wir gehen heutzutage nicht mehr annähernd so oft an die Sonne, wie es eigentlich nötig wäre!”

Die Teilnehmerinnen an der Studie waren in drei Gruppen eingeteilt worden. Die erste Gruppe erhielt eine zusätzliche Vitamin D-Gabe von 400 IE (Internationalen Einheiten), die zweite 2.000 IE und die dritte Gruppe 4.000 IE.  Regelmäßige Kontrollen sicherten die Teilnehmerinnen gegen mögliche Unverträglichkeiten und Nebenwirkungen ab. Keine der Frauen zeigte negative Auswirkungen der Vitamin D-Supplementierung.

Wichtiger noch:
Je höher die Vitamin D-Einnahme war, desto geringer das Risiko von Geburts-Komplikationen, vor allem von Frühgeburten und Infektionen.

Quelle: Eurekalert, Science Daily, Science Direct

Studie: A. A. Ginde et al.,  Vitamin D insufficiency in pregnant and nonpregnant women of childbearing age in the United States, American Journal of Obstetrics and Gynecology, 2010, 202 (5): 436.e1-436.e8 (PDF kostenlos)

Sonnenscheinn überall!

Sonnenscheinn überall!

Am Ende des “Vitamin D-Winters”, bei uns also Ende  März bis in den April hinein, steht es schlecht um die männliche Sexualität.  Der Grund:  Ein Mangel an “Sonnenschein-Vitamin D”! Noch steht zu dieser Zeit die Sonne am Himmel nicht hoch genug, um mit ihren UV-Strahlen das Vitamin D über die Haut in nennenswerten Mengen zu erzeugen, gleichzeitig aber sind die im Fettbewebe des Körpers eingelagert Vorräte verbraucht.

Was das mit der männlichen Zeugungskraft zu tun hat?

In den männlichen Geschlechtorganen befinden sich überall sogenannte Vitamin D-Rezeptoren, die das  Sonnenschein-Vitamin in die Zellen befördern, die für die Bildung und Weiterleitung des Spermas verantwortlich sind. Dieser Zusammenhang ist jetzt wieder einmal von zwei Forschergruppen in Graz, Österreich, und in Koopenhagen, Dänemark, untersucht worden – mit erstaunlichen Ergebnissen.

Die Grazer Forscher um Prof.  W. März hatten eigentlich den Zusammenhang zwischen Vitamin D-Mangel  und einer Erkrankung der Herzkranzgefäße untersucht. Bei der Analyse der Serumproben von 2.299 älteren Männern stiessen sie auf regelmäßig starke Schwankungen der Testosteron-Werte parallel zu den saisonalen Schwankungen des Vitamin D-Spiegels im Blut. Vor allem am Ende der Winterzeit ging der Vitamin D-Mangel einher mit einem um die Hälfte gesunkenen Testosteron-Spiegel.

Insgesamt zeigte sich, dass Männer mit optimalen Vitamin D-Werten einen signifikant höheren Testosteron-Spiegel aufwiesen als Männer mit einem Vitamin D-Defizit.

Die folgen eines Testosteronmangels geht weit über den Einfluss auf die “Männlichkeit” hinaus und ist nicht nur ein Risikofaktor für zahlreiche Erkrankungen sondern ist  nachweislich auch für eine erhöhten Sterblichkeit bei Männern verantwortlich. Die Vermutung, dass der Vitamin D-Mangel der Grund für die Testosteron-Schwankungen sein könnte und nicht eine zufällige Begleiterscheinung war bereits früher in Tierversuchen und bei Untersuchungen auf molekularer Ebene erhärtet worden.

Erste Ergebnisse der gleichen Forschergruppe scheinen darauf hinzudeuten, dass  die Sonne und das Vitamin D bei Frauen genau die gegenteilige Wirkung erzeugt. Das Sonnenschein-Vitamin senkt offensichtlich den Testosteron-Spiegel bei Frauen.

Das Interesse der Forscher an der Universität Kopenhagen galt vor allem den Mechnismen, durch die das Vitamin D in den männlichen Geschlechtsorganen und im Sperma wirksam wird: den Vitamin D-Rezeptoren und den transportierenden Enzymen. Aus der überraschend großen Zahl an Rezeptoren und Vitamin D-verarbeitenden Enzymen schliessen die Wissenschaftler auf die erhebliche Bedeutung des Sonnenschein-Vitamins für die männliche Fruchtbarkeit und damit für die menschliche Fortpflanzung.

Erst kürzlich hatten wir über drei Studien zu ähnlichen Themen hier und hier berichtet .

Eine heute online erschienene Studie liest sich wie ein Kommentar zu dieser Meldung:  Wissenschaftler an der University of Western Australia hatten in den Jahren 2001-2004 mehr als 3.600 ältere Männer zwischen 70–88 Jahren auf ihre körperliche Fitness untersucht und hatten diese untersuchungen in den Jahren 2008 – 2009 wiederholt. Gleichzeitig wurden die Testosteron-Werte erhoben.

Es zeigte sich, dass die Männer mit vergleichsweise niedrigen Testosteronwerte sowohl in der Ausgangs-  als auch in der Folgeuntersuchung deutlich mehr und stärkere Symptome von Gebrechlichkeit aufwiesen und entwickelten als die Männer mit höheren Werten.

Es zeigt sich, dass die Sonne und “ihr” Sonnenschein-Vitamin über die Wirkung auf die Testosteron-Werte nicht nur die Fruchtbarkeit von Männern in jüngeren Jahren sondern auch die Fitness und Beweglichkeit im späteren Alter positiv beeinflusst. (Ähnliche Ergebnisse einer Studie hier).

Quelle: Pressemitteilung der Universität Graz

Studien:

Wehr E., Obermayer-Pietsch B. et al., Association of vitamin D status with serum androgen levels in men, Clinical Endocrinology 2010 Aug;73(2):243-8

Martin Blomberg Jensen et al.,  Vitamin D receptor and vitamin D metabolizing enzymes are expressed in the human male reproductive tract,  Human Reproduction 2010 25(5):1303-1311

Zoë Hyde et al., Low Free Testosterone Predicts Frailty in Older Men: The Health in Men Study, Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism , published online on  April 21, 2010

In einer Übersichtsstudie zum aktuellen Stadt der Forschung um Vitamin D, Sonne und UV-Strahlen kommt einer der bekanntesten deutschen Vitamin D-Forscher (wir haben über Studien seiner Forschergruppe hier, hier, hierhier, hier, hier und hier berichtet), Dr. Armin Zittermann vom Herzzentrum Bad Oeynhausen, zu dem Ergebnis, dass durch eine deutliche Verbesserung der Unterversorgung mit Vitamin D (40-45 Prozent der deutschen Bevölkerung) und vor allem des akuten Vitamin D Mangels (weitere 15-30 Prozent) im deutschen Gesundheitssystem jährlich ein Betrag von fast 40 Milliarden Euro eingespart werden könnte.

Zittermann berücksichtigt bei seinen Kalkulationen lediglich die “tragfähigsten” Ergebnisse der jüngeren Forschung, vor allem Studien zu Osteoporose und einigen chronischem Erkrankungen wie Diabetes, MS und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Es müsse, so der Forscher, möglich sein, in Deutschland den Vitamin D-Mangel innerhalb von 5 – 10 Jahren zu beseitigen – durch kontrollierte UV-Bestrahlung (Sonne und Solarium) und/oder Nahrungsergänzung in einer Größenordnung von 25 g täglich.

Dr. Zittermann:
Die derzeitigen offiziellen Sonnenschutz- und Ernährungs-Empfehlungen verursachen zweifellos den gegenwärtigen Vitamin-Mangel. Daher ist es dringend notwendig, die Sonnenschutz-Politik und die Vitamin D-Empfehlungen für Ernährung und Nahrungsergänzung drastisch zu ändern.”

Gleichzeitig erscheint eine Studie zu den gesundheitsökonomischen Effekten des Vitamin D-Mangels in Kanada. Die Autoren vom Sunlight, Nutrition, and Health Research Center (SUNARC) in San Francisco, USA, kommen in ihren Berechnungen  zu dem Ergebnis, dass bei ausreichender Vitamin D-Versorgung der Bevölkerung durch UVB-Strahlen der Sonnen oder im Solarium bzw. durch Nahrungsergänzung in Kanada allein 37.000, also etwa 16 Prozent, der jährlichen Todesfälle vermieden werden könnten. Die eingeparten Gesundheitskosten lägen bei 14,4 Milliarden Dollar, knapp 7 Prozent der Gesamtkosten.

Quelle: PubCrawler

Studien:
A. Zittermann, The estimated benefits of vitamin D for Germany, Molecular Nutrition & Food Research, online vorab publiziert 01.04.2010

W.B. Grant et al., An estimate of the economic burden and premature deaths due to vitamin D deficiency in Canada, Mol Nutr Food Res., 29. März 2010, vorab online publiziert

Mother hugging her baby boy sonHäufige Ursache, schreckliche Wirkung:
Viele Schwangere leiden unter Vitamin D-Mangel und geben diesen Mangel an ihre Babies weiter. Obwohl Frauen in der Schwangerschaft zusätzlichen Bedarf an Vitamin D haben, vor allem in den Monaten von Oktober bis Ende März („Vitamin D-Winter“), scheuen sie oft vor Sonnenbädern oder Solarium-Besuchen zurück, aus der unbegründeten Angst, Ihr Baby durch die UV-Strahlen zu schädigen.

Der Vitamin D-Mangel aber erhöht das Risiko für die Neugeborenen erheblich, an Rachitis oder anderen Stoffwechselstörungen zu leiden.
Bei diesen Babies aber kommt es bei der Geburt oder einfach beim ganz normalem Umgang im Alltag zu Knochenbrüchen.

Kinderärzte vermuten dann unter Umständen eine Kindesmisshandlung und zeigen die entsetzten Eltern an. Die Tragödie nimmt ihren Lauf.

In seinem Newsletter greift der bekannte Vitamin D-Forscher Dr. John B. Cannell, Direktor des Vitamin D Council,  dieses leidvolle Thema auf in einer Antwort auf den Brief einer verzweifelten Mutter:

Newsletter der Vitamin D-Foundation in deutsche Übersetzung (gekürzte Fassung)

Newsletter der Vitamin D-Foundation in deutscher Übersetzung mit sämtlichen Links zu wissenschaftlichen Studien (ungekürzt)

Newsletter des Vitamin D-Council im Original (Englisch)

Mangel weit verbreitet

Heute veröffentlicht:
Eine Studie der Boston University School of Medicine untersuchte 459 Mütter mit ihren Neugeborenen und fanden: “Ein hoher Anteil der Kinder und Ihrer Mütter wiesen ein Vitamin D-Defizit auf.”  Die Vitamin D-Werte der Mütter in der Schwangerschaft seien offensichtlich nicht ausreichend, die angemessene Versorgung der Babies mit dem Sonnenschein-Vitamin sicherzustellen.

In diesem Weblog haben wir über Schwangerschaft und Sonnenschein-Vitamin hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier berichtet.

Studie:  A. Merewood, M.F. Holick,  S. D. Mehta et al.,  Widespread Vitamin D Deficiency in Urban Massachusetts Newborns and Their Mothers, PEDIATRICS, vorab online 22. März 2010

Die Vitamin D-Lücke bei Jugenldichen - Quelle: Nationale Verzehrsstudie

Die Vitamin D-Lücke bei Jugenldichen - Quelle: Nationale Verzehrsstudie

Obwohl Nahrungsergänzung bei Lebensmitteln, so etwa Vitamin D-angereicherte Milch, in den USA wesentlich verbreiteter ist als in Europa oder Deutschland, klafft bei der Vitamin D-Versorgung über die Ernährung auch dort eine beträchtliche Lücke, deutlich größer als bei anderen Vitaminen und Mikronährstoffen.

Diese Lücke  ist am größten bei Jugendlichen und jungen Frauen und bei den Alten – und das obwohl 37 Prozent der Bevölkerung Vitamin D als Nahrungsergänzung zu sich nimmt.

Auch hier die Parallele zu den deutschen Verhältnissen:
96,6 Prozent der Mädchen und jungen Frauen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren erreicht nicht die notwendigen Werte für die Vitamin D-Aufnahme,  so die Nationalen Verzehrsstudie von 2008. Ähnlich die Studie des Robert-Koch-Instituts, die ebenfalls Jugendliche als “Risikogruppe” für die Unterversorgung mit dem “Sonnenschein-Vitamin” ausgemacht hatte.

Diese alarmierenden Daten erhalten aus einer ganzen Reihe von Gründen eine zusätzliche Bedeutung:

  1. Vitamin D ist neben Kalzium (auch hier wird der Grenzwert von den Jugendlichen nicht erreicht) entscheidend für den Knochenstoffwechsel. Der Knochen- und Muskelaufbau findet aber vor allem in diesem Alter statt.  Später, etwa nach dem 30. Lebensjahr zehrt der Mensch davon und sein Osteoporose-Risiko wächst, je größer der Vitamin D- und Kalzium-Mangel in der Jugend war.
  2. Vitamin D  entwickelt sich, wie eine Nachrichtenagentur dieser Tage in einem Kongressbericht schrieb, zu einem “Allzweckmittel gegen Krankheiten”: Infektionskrankheiten, Autoimmun-Erkrankungen, Herz-Kreislauf- und Gefäß-Krankheiten, Krebs und Depressionen. Ein gravierender Mangel gerade in den formativen Jahren und hier vor allem bei den jungen Frauen sollte als Warnzeichen für eine gefährliche Entwicklung der “Volksgesundheit”  dienen.
  3. Der Unterversorgung bei Vitamin D steht eine krasse “Überversorgung” beim Vitamin A,  dem Retinol, gegenüber – bei einigen Alterngruppen um das Doppelte des “Referenzwerts”, der notwendigen und empfohlenen Menge. Vitamin A aber be- oder verhindert die Wirkung von Vitamin D, wie Forscher kürzlich entdeckt haben (s. u. Studie).

Im März, am Ende des “Vitamin D-Winters”,  ist der Mangel an Sonnenschein-Vitamin besonders krass, mit den üblichen Folgen, wie vor allem einer Zunahme von Infektionskrankheiten aller Art. Die UVB-Strahlen der Sonne, die normalerweise für 80-90 Prozent der Vitamin D-Produktion verantwortlich sind, haben dazu noch nicht die nötige Kraft. Die Ernährung liefert, wie gezeigt, nicht annähernd genug Vitamin D, um die Lücke zu schließen – und den 14-17jährigen verwehrt das neue “Solariengesetz” den gezielten und dosierten Ausgleich auf der Sonnenbank.  Ein Eigentor beim Gesundheits- und Verbraucherschutz?

Frühere Berichte zu Sonne, Solarien, Vitamin D und Jugendliche hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, und hier

Studien:
R.L. Bailey et al.,  Estimation of Total Usual Calcium and Vitamin D Intake in the United StatesThe Journal of Nutrition, 24. Februar 2010 (onlien vorab veröffentlicht)

Mazda Jenab et al.,  Association between pre-diagnostic circulating vitamin D concentration and risk of colorectal cancer in European populations:a nested case-control studyBritish Medical Journal,  2010;340:b5500 (vorab publiziert 21. Januar 2010)

Wer ausreichend Vitamin D – überwiegend durch UV-Strahlung – tankt, ist deutlich weniger anfällig für typische “Volkskrankheiten” wie Herz-Kreislauf-, Gefäß- und Stoffwechselerkrankungen, Diabetes und das sogenannte “metabolische Syndrom”,  eine Kombination aus Übergewicht, gestörtem Zuckerstoffwechsel, Bluthochdruck und hohen Blutfettwerten. So das Ergebnis eine Meta-Studie an der englischen University of Warwick.

Die britischen Forscher um Studienleiter Prof. Oscar Franco hatten 28 methodisch hochwertige Studien mit 95.745 Teilnehmern ausgewertet, um den Zusammenhang von Vitamin D-Spiegel im Blut und weit verbreiteten chronischen Krankheiten zu untersuchen.

Die Probanden mit den höchsten Vitamin D-Werten hatten ein um 43 Prozent geringeres Risiko für Gefäß- und Stoffwechselkrankheiten als diejenigen mit den geringsten Blutwerten. Bei älteren Menschen und Menschen mittleren Alters verringerte sich das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen um 33 Prozent, für Diabetes um 55 Prozent und für das metabolische Syndrom um 51 Prozent.

Wenn damit auch noch nicht abschließend die Frage nach Ursache und Wirkung  geklärt sei, so Prof. Franco, sollte doch bereits beim gegenwärtigen Stand der Forschung die ausreichende Versorgung mit dem “Sonnenschein-Vitamin” vor allen für die “epidemischen” Herz- und Gefäßkrankheiten hohe Priortät geniessen.

Vor allem im “Vitamin D-Winter”, wenn die schräg stehende Sonne im Freien die Vitamin D-Synthese in der Haut nicht “ankurbeln” kann, ist – in engen Grenzen – die richtige Ernährung (fetter Fisch, Pilze, Milch) oder Nahrungsergänzungen besonders wichtig.  Soalrien mit ausreichendem UVB-Anteil im Strahlensprektrum können darüber hinaus die natürliche Rolle der Sonne als Vitamin D-Produzent übernehmen.

Quelle: Wissenschaft aktuell

Studie:  O.H. Franco et al.,  Levels of vitamin D and cardiometabolic disorders: Systematic review and meta-analysis, Maturitas, Volume 65, Issue 3, Pages 225-236 (März 2010)

Winter-Sonne reicht nicht

Winter-Sonne reicht nicht Foto: iStockphoto

Vitamin D-Mangel ist weit verbreitet in der deutschen Bevölkerung. Vor allem im Vitamin D-Winter (bei uns zwischen Oktober und März) trifft es viele der „Problemgruppen“, vor allem die Alten und die Jugendlichen. Eine Unterversorgung mit dem Sonnenschein-Vitamin D bei 80 Prozent dieser Gruppen hat dramatische Auswirkungen vor allem auf chronische Erkrankungen und „Volkskrankheiten“ wie Osteoporose, Diabetes, Herzinfarkt und Schlaganfall, Krebs und Infektionskrankheiten, Demenz und Depression.

Die Kosten für das Gesundheitssystem gehen in die Milliarden. Kosten, die vermeidbar wären. Die im Winter fehlenden UVB-Strahlen der Sonne lassen sich nämlich durch künstliche Besonnung problemlos ersetzen. Schon mit einer kleinen Serie von UVB-Bestrahlungen oder Bestrahlungen mit Sonnen-ähnlichen Geräten kann eine erhebliche Verbesserung des Vitamin D-Spiegels erreicht werden.

Bei dem besonders langen Winter im hohen Norden ist es nicht verwunderlich, dass sich vor allem auch finnische Wissenschaftler mit dieser Möglichkeit beschäftigen, der Natur auf die Sprünge zu helfen. Ein Forschergruppe aus Lahti im finnischen Norden testeten mit 56 gesunden Frauen aller Altersgruppen die Wirkungen einer Bestrahlung mit ausschließlich UVB und alternativ mit simulierten Sonnenstrahlen auf die Vitamin D-Bildung über die Haut.

77 Prozent der Frauen wiesen zu Beginn der Versuche einen Vitamin D-Mangel (weniger als 50 nmol/L) und 11 Prozent sogar einen schweren Mangel (weniger als 25 nmol/L) aus.

Schon nach sieben Bestrahlungen mit insgesamt 13 SED (Standard Erythema Units) auf den gesamten Körper war der Vitamin-d-Spiegel um 11,4 nmol/L gestiegen, bei der Bestrahlung nur von Gesicht und Armen immerhin um 1,0 nmol/L. Bei den Bestrahlungen mit sonnenähnlichem Licht erhöhte sich der Spiegel im Durchschnitt um 3,8 nmol/L.

Selbst bei Messungen nach zwei Monaten lag der Vitamin D-Spiegel der UVB-bestrahlten Gruppe noch deutlich über der der nicht bestrahlten Kontrollgruppe.

Es hat sich gezeigt, dass schon eine kurze, niedrig dosierte UVB-Bestrahlung die Vitamin D-Versorgung im Winter deutliche verbessern kann,“ so fassen die finnischen Wissenschaftler das Ergebnis Ihrer Tests zusammen.

Über ähnliche Ergebnisse hatten wir hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier berichtet.

Quelle: Highwire

Studie: K. Vähävihu et al., Narrow-band UVB course improves vitamin D balance in women in winter, British Journal of Dermatology 2010, Jan 22. (online vorab veröffentlicht)

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