Archiv für das Tag 'Besonnung'

junger-mann-in-der-sonneMännliche Hormone (Androgene) richten sich nach der Sonne.  Männer mit einem normalen Vitamin D-Spiegel im Blut von mindestens 30 ng/l haben deutlich höhere Testosteron-Werte (insbesondere an nicht gebundenem, verfügbarem und daher wirksamen Testosteron) als Männer mit niedrigeren Vitamin D-Werten (20-29 oder gar <20 ng/l).
Diese Werte sind – genau wie die Vitamin D-Werte – von der Sonneneinstrahlung abhängig. Ende März – am Ende des “Vitamin D-Winters” -  ist der Testosteron-Spiegel am niedrigsten, Ende August am höchsten. Flapsig gesprochen: Je höher die Sonne steigt, desto männlicher der Mann!

Ganz so drücken es zwar die Forscher an der Medizinischen Universität Graz nicht aus, die diesen Zusammenhang untersucht haben und jetzt die Ergebnisse in der Fachzeitschrift “Clinical Endocrinology” veröffentlichten.  Ihre Untersuchungen von 2299 Männern über einen  Zeitraum von vier Jahren bestätigen aber einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der  Versorgung mit dem “Sonnenschein-Vitamin D”, saisonalen Einflüssen und der Höhe des wirksamen männlichen Hormon-Pegels.

Da 80-90 Prozent des “Sonnenschein-Vitamins”  durch die UV-Strahlen der Sonne oder im Solarium über die haut im Körper selbst gebildet wird, reicht die Ernährung für eine ausreichende Versorgung nich annnähernd.  “Das UVB-Licht ist und bleibt der wichtigste Lieferant, wer zu wenig in der Sonne ist, muss Vitamin D zusätzlich einnehmen“, so der Leiter der Forschungsgruppe, Dr. Winfried März vom Synlab Medizinischen Versorgungszentrum Heidelberg, im Interview mit pte.

Vor allem im Winter könne künstliches Sonnenlicht in Solarien das fehlende Sonnenlicht  ersetzen. “Die nötige Menge ist nicht einmal besonders hoch. Eine Exposition von 15 bis 20 Minuten reicht dafür aus“, so der Mediziner abschließend.

Quelle:  ScienceDaily/pte

Studie: E. Wehr, S.  Pilz, B.O. Boehm , W. März, B. Obermayer-Pietsch, Association of vitamin D status with serum androgen levels in menClinical Endocrinology 29. Dezember 2009

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Keine Angst vor der Mittagssonne

Dass die Warnungen und die Angstkampagnen einiger Dermatologenverbände mit verantwortlich sind für den “epidemischen” Vitamin D-Mangel in der Bevölkerung mit seine Folgen für die chronischen Volkskrankheiten, ist inzwischen verbreitete Einsicht in medizinischen wie in Laienkreisen.  Nun aber zeigt eine Studie in einer Art Laborversuch,  dass selbst die Menschen, die diesem Unsinn trotzen und sich gelassen aber wohldosiert auch im Sommer der Mittagssonne aussetzen, zwar eine ausreichende, nicht aber eine optimale Vitamin D-Versorgung erreichen.

Photobiologen am englischen Manchester Academic Health Science Centre liessen 120 Stadtbewohner im Alter zwischen 20 und 60 Jahren im Winter – also ohne “störenden” Einfluss der Sonne – im Labor mit UV-Licht bestrahlen, das so exakt wie möglich den Sonnenstrahlen im englischen Sommer zur Mittagszeit nachgebildet war.  Die Probanden waren mit Shorts und T-Shirt bekleidet, und damit war etwa ein Drittel der Hautoberfläche den Strahlen ausgesetzt.  Die Strahlendosis entsprach 1,3 SED (Standard Erythema Dose), also weniger als der Hälfte einer Bestrahlung, die zu ersten Rötungen der Haut führt (MED).

Nach drei Bestrahlungen pro Woche über sechs Wochen wurden  bei 90 Prozent der Teilnehmer zwar ein Stand von über 20 ng/ml Vitamin D,  25 (OH)D,  gemessen, die Untergrenze des “Normalen”, aber nur 26 Prozent der Teilnehmer erreichten den als “optimal” definierten Stand von 32 ng/ml.

In anderen  Worten: Bei einer Besonnung um die Mittagszeit im Sommer von etwa 13 Minuten auf 35 Prozent der Hautoberfläche wird bei typischen Mitteleuropäern in ausreichendem, aber nicht in bestmöglichem Maße Vitamin D3 im Körper gebildet. Da viele der positiven Gesundheitswirkungen des “Sonnenschein-Vitamins” dosisabhängig sind,  weisen diese Ergebnisse auf eher “mehr” – wohldosiert eingesetzte – als auf “weniger” Sonne hin, selbst im Sommer.

Quelle:  PubCrawler

Studie: L.E. Rhodes et al.,  Recommended Summer Sunlight Exposure Levels Can Produce Sufficient (>/=20 ng ml(-1)) but Not the Proposed Optimal (>/=32 ng ml(-1)) 25(OH)D Levels at UK Latitudes, Journal of  Investigative  Dermatology, 14. Januar 2010 (vorab online)

In ungewöhnlich deutlichen Worten distanzierte sich in diesen Tagen der niederländische „Gesundheitsrat“ (Dutch Health Council), das wissenschaftliche Beratungsgremium des Gesundheitsministeriums, von negativen Aussagen über Sonne und Solarien der Weltgesundheitsorganisation, WHO, und ihres wissenschaftlichen Beirats, IARC.

Die Einstufung der Solarien als “krebserregend” durch die Wissenschaftsagentur  im Juli dieses Jahres hatte eine beispiellose Medienlawine ausgelöst bis hin zu  Vergleichen von Sonnenbänken mit tödlichen Gasen und Giften.

Schon damals wiesen international renommierte Wissenschaftler auf Fehler und Schwächen in der Begründung und auf die einseitige Auswahl der Studien hin.

In einer Stellungnahme an die holländische Regierung wendet sich das Dutch Health Council sowohl gegen die Falschinformationen durch die Medien als auch gegen die wissenschaftlich fragwürdigen Behauptungen der IARC (International Agency for Research on Cancer):

  1. Die Aufnahme in die Top-Liste der “krebserregenden” Substanzen sage nichts über das Ausmass der Gefährdung und noch weniger über die Bedingungen und Voraussetzungen  unter denen überhaupt ein Krebsrisiko durch (künstliche) Besonnung entstehen könnte.
  2. Tatsächlich gäbe es keinen wissenschaftlich überzeugenden Grund, mäßiges und kontrolliertes  Sonnen im Freien oder im Solarium mit der Entstehung vor allem des gefährlichen “schwarzen” Hautkrebs, Melanom, in Verbindung zu bringen.
    Wörtlich:
    Der Gesundheitsrat ist der Ansicht, dass eine sichere Aussage über die Folgen der Solarien-Nutzung für die Ausbreitung des Melanoms nicht möglich ist.”  Zumindest müssten dann die genauen Umstände benannt werden, wie etwa die Nutzungshäufigkeit und -intensität, die Strahlendosis, Alter und Hauttyp sowie natürlich die Art der Strahlenquelle, etwa der Besonnungslampen.
  3. Das Wissenschaftsgremium der WHO habe außerdem einseitig auf die möglichen negativen Folgen der UV-Strahlen verwiesen, ohne die bedeutenden positiven Gesundheitswirkungen auch nur im Ansatz zu berücksichtigen.

Die Wissenschaftler verweisen auf die “10 Goldenen Regeln” für vernünftiges Sonnen, die der Rat schon vor Jahren formuliert hatte. Darín sehen sie  den kürzesten Weg zur
optimalen Balance zwischen dem positiven Gesundheitsnutzen der UV-Strahlen von Sonne und Sonnenbank einerseits und den Gefahren einer übermäßigen Besonnung andererseits.

Der Dutch Health Council ist das bedeutendste wissenschaftliche Beratungsgremium der Niederlande im Gesundheitbereich. Seine Studien, Stellungnahmen und Empfehlungen bilden häufig die inhaltliche Grundlage für Gesetzgebungsverfahren. Ihm gehören eine Reihe  renommierter Wissenschaftler von verschiedenen niederländischen Universitäten an.

Quelle:  Sunlight Research Forum (SRF)

Die Stellungnahme der Dutch Health Council: Advisory letter UV radiation and sunbeds, Download (PDF)

blassSind die Warnungen  vor Sonne und Solarium an hellhäutige Menschen (Hauttyp 1 und 2) zu weit gegangen?

Forscher von verschiedenen renommierten Instituten in Großbritannien geben eine eindeutige Antwort:
“Öffentliche Gesundheitskampagnen mit dem Rat an hellhäutige Menschen, die Sonne zu meiden,  müssen geändert werden, weil sie zu Vitamin D-Mangel führen bzw. das Risiko eines Vitamin D-Mangels erhöhen.” (Übers. d. Red.)

Dass auch für Menschen mit heller, schlecht oder garnicht bräunender Haut der Satz gilt:  “Die Dosis macht das Gift”, wird in den Angstkampagnen einiger Gesundheitsorganisationen grob mißachtet. Die hier gelegentlich propagierte totale Sonnen-Enthaltsamkeit und in der Folge gravierende Vitamin D-Mängel haben gefährliche Gesundheitsfolgen. Aus Angst vor dem Hautkrebs wird dem Körper die Schutzwirkung des “Sonnenschein-Vitamins” gerade auch gegen verschiedene Krebsarten entzogen.

In der  Studie wurden 1414 weisse Frauen im Alter von 18 – 79 Jahren nach ihrem Hauttyp registriert und nach ihrem Verhalten an der Sonne befragt. Das von der Forschern so nicht erwartete Ergebnis:
Frauen vom Hauttyp 1 und 2 hatten einen deutlich geringeren Vitamin D-Spiegel – 15 Prozent im Durchschnitt – als die Frauen mit Hauttyp 3 oder 4.

Der Grund war im wesentlichen die Vermeidungshaltung der Frauen mit hellerem Hauttyp vor jedem Kontakt mit Sonnenstrahlen oder UV-Strahlen im Solarium. So hatten in der Vergangenheit die Probanden mit Hauttyp 3 und 4 im Schnitt 23 Wochen Ferien in südlichen Gefilden gemacht gegenüber nur 18 Wochen bei den Hauttypen 1 und 2.  Während 52 Prozent der Frauen des dunktleren Hauttyps schon einmal eine Sonnnenbank genutzt hatten, waren es bei den Frauen vom helleren Hauttyp nur 39 Prozent.

Die Vitamin D-Versorgung entsprach diesem Besonnungsmuster. Häufigere Sonnenbank-Nutzung und Ferien an der Sonne entsprachen einem höheren Vitamin D-Spiegel im Blut. Umgekehrt aber das Verhältnis von Vitamin D-Spiegel und Sonnenbrände: Die Teilnehmer, die weniger als zwei (2) Sonnenbrände in der Vergangenheit angaben, hatten einen deutlich höheren Vitamin D-Spiegel im Blut als die Teilnehmer mit mehr als zwei  Sonnenbränden.

In anderen Worten:  Der sprunghafte Umgang mit Sonne und UV-Strahlen – mal Sonnenvermeidung, dass unvorbereitetes übermäßiges Sonnen – führt zu einer schlechteren Vitamin D-Versorgung. Oder umgekehrt: Menschen, die mäßig aber regelmäßig im Freien oder im Solarium sonnen, schützen sich besser vor den negativen Wirkungen der UV-Strahlen und nutzen gleichzeitig besser die vielen positiven Gesundheitswirkungen von Sonne und Solarium.

Alle Teilnehmer an der Studie hatten im Herbst und Winter, dem sogenannten “Vitamin D-Winter”,  einen um mehr als ein Drittel reduzierten Vitamin D-Spiegel im Blut gegenüber den Frühlings- und Sommermonaten.

Wissenschaftliche Verantwortung sollte nicht die Flucht vor den UV-Strahlen von Sonne und Solarium sondern den klugen, kontrollierten und “hauttyp-gerechten” Genuss auch für Hellhäutige anraten.

Ein Beispiel für gefährliche Sonnen-Meidung

Welches Ausmass die Folgen von undifferenzierten Warnung vor Sonne und Solarien haben kann, zeigt eine Studie aus Neuseeland mit 228 Immigrantinnen aus Süd-Asien.

Nur 16 Prozent der Teilnehmerinnen wiese einen ausreichenden Vitamin D-Serumspiegel im Blut von mehr als 50 nmol/l (ein Wert der ohnehin schon deutlich unter dem von vielen Experten empfohlenen “normalen” Gehalt von 75 nmol/l liegt).

Zwei Drittel der Frauen gaben an, aus Angst vor Hautkrebs die Sonne so weit wie möglich zu meiden.  Die Sonne in Neuseeland war ihnen als besonders gefährlich geschildert worden.

Zu dem bereits zu niedrigen Spiegel im Sommer kam ein steiler Abfall der Werte im Winter bis zum Frühling hinzu. Die gesundheitlichen Folgen dieses chronischen Vitamin D-Defizits aufgrund von Sonnenangst und häuslichem Lebensstil waren nicht Thema der Untersuchung.

Quelle: PubMed

Studien:
D. Glass, M. Lens , R. Swaminathan, T.D. Spector , V. Bataille (2009), Pigmentation and Vitamin D Metabolism in Caucasians: Low Vitamin D Serum Levels in Fair Skin Types in the UK, PLoS ONE 4(8): e6477

P.R. von Hurst et al.,  Vitamin D status and attitudes towards sun exposure in South Asian women living in Auckland, New Zealand, Public Health Nutr. 2009 Aug 4:1-6

Angst-Kampagnen überzeugen nicht

Angst-Kampagnen überzeugen nicht

Noch nie wurde so viel über Gesundheit und den richtigen Weg dorthin geschrieben und geredet. Geholfen hat das offensichtlich nicht. Im Gegenteil, der Anteil der Menschen mit einem gesunden Lebenswandel geht ständig zurück.

Das zumindest ist die Aussage einer repräsentativen Studie der Medizinischen Universität von South Carolina, USA.  Danach hat in den USA die Zahl der übergewichtigen (BMI >30) Erwachsenen zwischen 40 und 74 Jahren in den letzten 18 Jahren von 28 auf 36 Prozent zugenommen.  Die Menschen bewegen sich deutlich weniger (Rückgang der sportlichen Aktivitäten von 53 auf 43 Prozent) und  der Alkohol-Konsum stieg erheblich an. Nicht einmal der Anteil der Raucher an der Bevölkerung ging nennenswert zurück.

Am drastischsten schrumpfte der Anteil der Amerikaner, die sich die Empfehlung der Ernährungsexperten zu Herzen nehmen und fünf mal am Tage Obst und Gemüse essen. Waren das vor 20 Jahren noch stolze 42 Prozent,  so  blieben bis 2006 nur mickrige 26 Prozent bei der Stange.

Die für die USA repräsentativen Daten stammen aus der gewaltigen Umfrage-Datenbank des National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES).

Obwohl nach dem Verhalten an der Sonne in dieser Studie nicht gefragt wurde,  kann mit Recht vermutet werden, dass auch hier die Anteile der vernünftigen Sonnen-Geniesser eher rückläufig sind. (Wir haben vor allem zum Verhalten von Jugendlichen in diesem Weblog immer wieder über entsprechende  Studien berichtet, z.B. hier).

Um so verwunderlicher, dass auch in Deutschland, wie in den USA, sich die Mahnungen, Warnungen und Kassandra-Rufe – einschliesslich der einseitigen Begründungen für detaillierte staatliche Verordnungsregelungen -  just auf den einzigen Bereich konzentrieren: die künstliche Besonnung und hier sogar auf die qualitätsgeprüften Sonnenstudios, der zumindest potentiell die einzige Gewähr für die wohldosierte Nutzung der zahlreichen Gesundheitswirkungen von Sonne und UV-Strahlen bietet.

Kampagnen und Predigten ohne Augenmaß und ohne Rücksicht auf die Alltagserfahrung der Menschen (hier z.B. die Erfahrung: “Sonne tut gut und ist gesund“) bewirken leicht das Gegenteil des Gewollten – zum Schaden einer gesunden Lebensführung.

Über ähnliche Studien hatten wir vor kurzem berichtet.

Quelle:  ScienceDaily

Studie:  Dana E. King et al.,  Adherence to Healthy Lifestyle Habits in US Adults, 1988-2006 Journal of Medicine, Volume 122, Issue 6 (Juni 2009),  528-534.

Jahrelang hat die Kosmetik-Industrie die zum Teil haarstäubenden Angst-Kampagnen gegen Besonnung und Solarien gefördert und dazu beigetragen, dass ein großer Teil der Bevölkerung heute aus Angst vor Sonnenstrahlen und Sonnenbänken ihre Gesundheit durch ein zu wenig an Sonne auf`s Spiel setzt.

Seit einiger Zeit nun kommen immer mehr Fakten ans Licht der Öffentlichkeit, die geeignet sind, die Geschichte von Kosmetik, Haut und Sonnenschutz  neu zu schreiben.

So haben jetzt zum Beispiel Forscher an der bekannten Rutgers University in New Jersey, USA, in umfangreichen Labortests entdeckt, dass gängige Feuchtigkeitscremes unter UV-Bestrahlung die Bildung von Hautkrebs, vor allem dem gefährlichen Melanom, befördert. Die Forscher waren auf diesen Effekt eher durch Zufall bei Experimenten mit Coffein im Tierversuch gestoßen, bei denen die Cremes lediglich als Trägerstoffe gedacht waren.

Das Risiko der Versuchsmäuse, ein Melanom zu entwickeln, stieg mit dem regelmäßigen Eincremen um bis zu 95%. Welche Substanzen dabei genau für diesen Effekt verantwortlich waren, konnte die Studie nicht nachweisen.

Obwohl die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den Menschen noch überprüft werden müsste,  sollte beim Umgang mit Feuchtigkeitscremes auf besonnter Haut Vorsicht geboten sein.

Vor kurzem erst waren Sonnenschutzmittel mit allgemein üblichen inzwischen aber als giftig identifizierten Inhaltsstoffen ins Gerede geraten (wir hatten berichtet).

Quelle: Ärztliche Praxis

Studie: Y.P. Lou et al., Tumorigenic Effect of Some Commonly Used Moisturizing Creams when Applied Topically to UVB-Pretreated High-Risk Mice, Journal of Invest. Dermatology,  August 2008, vorab online veröffentlicht

Sonne im Park

Willkommen beim Photomed-Kongress - Dr. Norbert Schmid-Keiner

(Wie immer: Ein Klick auf die Fotos ruft das Bild in Originalgröße auf. Das Kongress-Video, s.u., kann auch in höherer Auflösung hier heruntergeladen werden.)

Die Sonne hatte die Botschaft verstanden und spielte mit beim 2. Europäischen Fachkongress Solarien und Besonnung. Alles was Rang und Namen hat in der Solarienbranche hatte sich im Europaparkt in Rust zum Jahresevent rund und Sonne und Besonnung versammelt.

Im noblen Colosseo mit leicht antikem Flair ging es denn auch im ersten Teil des Programms um die “böse” und die “gute” Sonne und um die Entscheidung für eine von beiden.

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=kmompaD6VLI]
Neuorientierung auf die Trendsetter!

Das Sonnenstudio der Zukunft - Bernhard HeinzlmaierDie Botschaft des Trendforschers Bernhard Heinzlmaier hätte nicht eindeutiger ausfallen können:
In seinem Vortrag zum “Sonnenstudio der Zukunft” geißelte er ebenso witzig wie zielsicher alles, was auch nur von weitem an Turbo-Bräune und Deko-Palmen seligen Angedenkens erinnerte. Mit Hilfe von sogenannten Sinus-Milieus, Typen sozialer Lebenswelten und sozialer Schichten, demonstrierte er den gebannt zuhörenden Studio-Betreibern die Notwenigkeit, ihre Denke, Kommunikation und Stilsprache einer Klientel anzupassen, die, so Heinzlmaier, bisher eher selten den Weg in die Sonnenstudios gefunden Gespannte Aufmerksamkeithätte und die alles Schrille und Übertriebene verabscheue: Die besser ausgebildeten und besser betuchten mittleren und Trendsetter-Schichten von der “bürgerlichen Mitte” bis zu den “Modernen Performern” und den “Experimentalisten“.

Diese neuen Meinungsführer setzten auf drei Trends, denen das Studio der Zukunft gerecht werden müsste:

  • Sicherheit durch nachprüfbare Qualität,
  • Gesundheit und individuelle Gesundheisförderung (Heinzlmaier: ” Die große Differenzierung der Schichten und Lebenswelten in Deutschland spielt sich gerade über die Gesundheitsfrage ab“),
  • klar erkennbarer Produktnutzen,

und das in einer stilsicheren, eher zurückhaltenden aber bildhaften Ansprache.

Sein Rat an die Branche: Setzen Sie auf diese neuen Zielgruppen und damit auf die Trendsetter, die anderen werden schon folgen!

Ohne die Initiative Sanftes Sonnen einiger Betreiber zertifizierter Studios beim Namen zu nennen, hatte Heinzlmaier zielgenau deren Programm beschrieben. Und lieferte nicht nur damit dem nächsten Redner eine Steilvorlage.

Staatliche Regulierung der Solarien - Dr. Karl-Eugen HuthmacherDie staatliche Regulierung aller Solarien kommt

Der Vertreter der Bundesregierung, der Leiter der Strahlenschutzabteilung im Bundesumweltministerium, Dr. Karl Eugen Huthmacher, nahm den Ball dankbar auf. Mit einer freundlichen Geste in Richtung zertifizierter Studios im allgemeinen und der Initiative Sanftes Sonnen im besonderen ließ Dr. Huthmacher aber keinen Zweifel an der Entschlossenheit seines Ministeriums, die wichtigsten Kriterien des Runden Tisch Solarien (RTS) für alle Studios durchzusetzen – und die 0,3W/m² auch für Altgeräte ohnehin.

Noch nicht alle scheinen das Problem richtig verstanden zu haben!” und in Richtung der versammelten Studio-Betreiber: “Die gesetzlichen Regeln gelten immer und für alle. Die Sicherheit der UV-Bestrahlung muss von allen gewährleistet werden.”

Bei der Frage nach den Übergangsfristen gab er sich zwar konziliant, verwies aber auf die verstrichene Zeit seit Einführung der Zertifizierung. Trotz de Feststellung: “es bewegt sich etwas, die Branche ist im Aufbruch!” sei nach der jahrelangen Hinhaltetaktik der Branche der Eingriff des Gesetzgebers unvermeidlich geworden.

Fragen zum Solarien-Gesetz und zu SolarkosmetikAuch in den Detailfragen, wie etwa der Beratungsqualität und er Zulässigkeit von SB-Studios oder bei dem geforderten Unbedenklichkeitsnachweis für Solarkosmetika bezog der Regierungsvertreter klare Positionen:

  • Kein Betrieb von Solarien ohne qualifizierte Beratung von Erstnutzern,
  • keine Solarkosmetik vor der Besonnung ohne Unbedenklichkeitsnachweis.

Zu dem zweiten Punkt dann noch eine Klarstellung in der anschliessenden Fragerunde, die kein Ende nehmen wollte und den Zeitplan des Kongresses zu sprengen drohte:
Auch in zertifizierten Studios kann alle Solarkosmetik verkauft werden, es muss aber von ihrem Gebrauch vor der Besonnung abgeraten werden – bis die Bescheinigung vorliegt.

Auf die Frage, warum hier wieder einmal nur die Solarien, nicht aber der Verkauf anderswo von ähnlichen Solarkosmetika auf`s Korn genommen würde, hatte Dr. Huthmacher nur ein freundlich verständnisvolles Schulterzucken, mit dem ein “selbst schuld” zumindest angedeutet wurde.

Der Weg sei vorgezeichnet, die Erfolgsvoraussetzungen für die Zukunft seien die vom Vorredner skizzierten: Der Ministerialbeamte als Trendforscher.

Sonne, Vitamin D und sanftes Sonnen - Prof. Dr. Jörg ReichrathDie Wissenschaft auf Seiten der (sanften) Sonne

Auf solidem wissenschaftlichen Boden aber mit gleicher Richtung dann das Wort aus der Forschung: Prof. Dr. Jörg Reichrath referierte, was manchem im Saal revolutionär vorkam, was aber Lesern des Photomed-Weblog und der Photomed-News sehr vertraut klang:
Sanftes Sonnen” ist nicht nur der Stil der Zukunft sondern auch ein besonders effizientes Gesundheitskonzept. Solarium und Gesundheit können ein harmonisches Paar sein oder zumindest werden.

[youtube=http://de.youtube.com/watch?v=-5qwEY0tBKM]Der weltweit renommierte Forscher mit dem fast schüchternen Gestus versuchte, die komplexen Zusammenhänge einem aufmerksamen Publikum verständlich zu machen: Die Wiederentdeckung der “heilenden Sonne”.

Sanftes Sonnen und Vitamin D - Die Botschaft kommt anSein Vortrag galt vor allem den erstaunlichen Erkenntnissen aus neuerer Zeit über die Gesundheitswirkungen des “Sonnenschein-Vitamins“, Vitamin D. Moderate, auf die individuellen Voraussetzungen abgestimmte Besonnung könne ein probates Mittel zur Bekämpfung des weitverbreiteten Vitamin D-Mangels sein, bekräftigte Reichrath auch auf dem “roten Photomed-Sofa” beim Video-Interview (die vollständigen Vorträge und Interviews von Prof. Jörg Reichrath, Dr. Karl-Eugen Huthmacher und Bernhard Heinzlmaier können auf DVD beim Photomed-Verband bestellt werden).

Prof. Reichrath erläuterte ausführlich den für das Sonnenverhalten entscheidenden Unterschied bei der Entstehung des relativ harmlosen „weissen“ zum gefährlicheren „schwarzen“ Hautkrebs. Der „weisse“ Hautkrebs entstehe vor allem im Alter nach langanhaltender, andauernder Sonnenbestrahlung. Der „schwarze“ Hautkrebs dagegen werde begünstigt durch abrupte, starke UV-Bestrahlung mit Sonnenbränden vor allem im Kindesalter, während sich hier eine andauernde, mäßige UV-Bestrahlung gerade umgekehrt, nämlich als langfristiger Schutz vor dem „schwarzen“ Hautkrebs auswirke.

Sanftes Sonnen als wichtiger Auslöser der Vitaemin D-Synthese sei inzwischen als Vorsorge gegen Krebs, Osteoporose, Multiple Sklerose, Diabetes, Tuberkulose und wohl auch verschiedene psychische Erkrankungen solide belegt. Er warnte allerdings vor pauschalen Aussagen. Zu viel Sonne oder zu wenig Sonne, das könne immer nur individuell entschieden werden.

Sicher sei allerdings, dass die gelegentlich hysterischen Warnungen vor der Sonne zu weit gegangen seien. Auch in Deutschland habe deshalb bei Gesundheitsorganisationen und auch bei den Dermatologen ein Umdenken eingesetzt

Reichrath:”Man kann sich auf zwei verschiedene Arten schädigen: Durch zuviel UV und durch zu wenig UV.” Im Moment sei der Schaden durch zu wenig UV-Bestrahlung und Vitamin D-Defizit sicher größer als der mögliche Schaden durch zuviel Sonne.

Die Wissenschaft hat hier längst die Richtung gewiesen. Nun muss nur noch die Praxis auf breiter Front folgen.

Öffentlichkeitsarbeit für Sonnenstudios - Michael MärzheuserTipps und Tricks für die Studio-Praxis

Die Praxis kam denn auch im Folgeprogramm ausgiebig zu ihrem Recht.

Die schwierige Öffentlichkeits- und Pressearbeit zwischen globalen Imageproblemen und lokaler Kontaktpflege schilderte mit vielen Tipps für die Arbeit vor Ort der Münchener PR-Profi Michael Märzheuser.

Marketing mit kleinem Budget - Stefanie GriesbaumNoch ein Stück näher an der Studio-Praxis: Der Workshop “Werbung mit kleinem Budget” mit der branchen-erfahrenen Moderatorin Stefanie Griesbaum.

Der rechte Umgang mit dem Kunden war dann Gegenstand gleich mehrerer Vorträge und Workshops, in denen – nicht immer unwidersprochen – eine Fülle von praktischen Hinweisen und Verhaltenstipps geliefert wurden.

Und dann durfte auch noch gelacht werden, und zwar lautstark und anhaltend: Bärbel Hinz-Käfer übte mit den Teilnehmern ansteckende Fröhlichkeit. Nich nur “Sex sells” sondern auch “Smile sells“.

Heiterkeit und Zuversicht für dei Solarienbranche - Joachim BullermannNach der dann folgenden, markerschütternden Heiterkeit beim atemberaubenden Vortrag des Motivations-Oldies Joachim Bullermann zu urteilen hat die Branche – allen Unkenrufen zum Trotz – den kollektiven Depri längst hinter sich gelassen und ist im brüderlichen Schulterschluss der Qualitäts-Studios auf dem Weg zur Sanften Sonne und zur Freiheit von Überlebensangst.

(Videos und Tonaufzeichnungen aller Vorträge und der Interviews mit Dr. Huthmacher, Prof. Reichrath,
Bernhard Heinzlmaier
können beim Photomed-Verband gegen eine geringe Gebühr bestellt werden).

Der nächste Photomed-Kongress 2009, der
3. Europäische Fachkongress Solarien und Besonnung
findet am 09. Mai 2009 in Berlin statt.

Mittagssonne optimale Vitmain D-VersorgungKaum klettert die Sonne am Himmel etwas höher, schon haben die Warnungen vor ihren gefährlichen Strahlen wieder Hochkonjunktur. Zu den Standards dieser Anleitungen zum Umgang mit den Sonnenstrahlen gehört der Rat, die Mittagssonne zu meiden.

Genau dieser Rat aber, so der renommierte norwegische Wissenschaftler Prof. Johan Moan, führt in die Irre.  “Um die optimale Vitamin D-Versorgung durch die Sonnenstrahlen zu erreichen mit der geringsten Hautkrebs-Gefahr ist die Mittagszeit die beste Periode.  Das bedeutet aber, daß die gemeinhin von Gesundheits-Organisationen in vielen Ländern erteilte Empfehlung, die drei bis fünf Stunden rund um die Mittagszeit zu meiden,  nicht nur falsch ist, sondern sogar das Hautkrebsrisiko erhöht,“  so das Resumé einer Studie am Krebsforschungszentrum (Institute for Cancer Research) in Oslo.

Zur Begründung verweisen die Forscher auf die unterschiedlichen Wellenlängen der UV-Strahlen (UVA und UVB) und ihre unterschiedliche Intensität zu den verschiedenen Tageszeiten.  Ein Grund für den Irrtum bisheriger Ratgeber sei auch darin zu suchen, dass die Folgen der UV-Bestrahlung immer an besonnten, horizontalen Flächen gemessen worden sei, der menschliche Körper ja aber eher zylindrische, vertikale Formen aufweise mit deutlich von der Flächenbestrahlung abweichenden Reaktionen auf die Sonnenstrahlen.

Quelle: PubMed 

Studie: J. Moan, A. Dahlback, A.C. Porojnic,  At what time should one go out in the sun? Advances in Experimental Medicine and  Biology, 624:86-8, 2008

Macht Sonne schlau?

Machen Sonne und Vitamin D klug?Fördert der regelmäßige Aufenthalt an der Sonne (oder im Solarium) und der damit verbundene hohe Vitamin D-Serumspiegel im Blut die geistige Leistungsfähigkeit? Oder umgekehrt: Führt zu wenig Sonne und ein Vitamin D-Defizit zu krankhaften Veränderungen der Gehirn- und Nervenfunktionen?

Dieser spannenden Frage sind jetzt zwei Wissenschaftler des Children’s Hospital Oakland Research Institute in Kalifornien nachgegangen. Ihr Fazit nach einer gründlichen Durchsicht der wichtigsten Studien aus den vergangenen Jahren zu diesem Thema:

Wir kommen zu dem Schluss, dass es reichlich biologische Belege gibt für die wichtige Rolle des Vitamins D für die Entwicklung des Gehirns und seiner Funktionen.

Ob damit aber ein direkter Wirkungszusammenhang z. B. von Vitamin D-Mangel und Defiziten bei den geistigen Fähigkeiten oder im Verhalten von Menschen und Tieren bewiesen ist, das lassen die Autoren vorsichtshalber offen; dazu sei das Thema zu komplex und mehr experimentelle Studien seien notwendig. (Über einige der hier besprochenen Studien hatten wir bereits in diesem Weblog berichtet:  hier, hier, hier,  hier und hier).

Quelle: HighWire

Studie: Joyce C. McCann, Bruce N. Ames, Is there convincing biological or behavioral evidence linking vitamin D deficiency to brain dysfunction?, FASEB Journal, Jan. 2008; vorab online publiziert 4. Dezember, 2007