Archiv für das Tag 'Solarium'

Johan Moan, Querdenker, Pionier und einer der weltweit bekanntesten UV- und Vitamin D-Forscher erhält in diesem Jahr den renommierten Forschungspreis der Universität Oslo (UiO). Moan leitet die Forschungsabteilung für Biophysik und Photodynamische Therapie am Universitätsklinikum Oslo und ist Professor am Physikalischen Institut der Universität Oslo. Er wird insbesondere für seine Forschung über die Effekte von Besonnung auf die menschliche Gesundheit ausgezeichnet.

Bei uns auf SonnenNews.de war der Wissenschaftler schon oft “zu Gast” mit bahnbrechenden Einsichten und Erkenntnisen (z.B. hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier), die er in einem Interview mit der Redaktion zusammenfasst:

Prof. Moan hatte in vielen seiner Forschungsprojekte etablierten dermatologischen Ansichten widersprochen und manchen eher reflexartig von “Experten” in den Medien wiederholten Vorurteile wissenschaftlich begründete Einsichten entgegengestellt. Vor allem der vernünftige Umgang mit dem lange “verteufelten” UVB als Quelle der Vitamin D-Synthese im menschlichen Körper gehört zu seinen zentralen Botschaften. Er gehörte schon zu einer Zeit, da diese Botschaften auch in Wissenschaftskreisen noch praktisch tabuisiert waren, zu den “Verteidigern”  der “guten”, der lebensspendenden Sonne – auch und gerade der Mittagssonne.

Inzwischen gehören die Arbeiten und die Ergebnisse der Forscher um den norwegischen Professor Johan Moan zum aktuellen Stand der Forschung über die Rolle der UV-Strahlen – ob natürlich oder künstlich – für Prävention und Therapie vor allem bei chronischen Erkrankungen.

Die Preisverleihung findet am 2. September 2010 im Zuge des Jahresempfangs der Universität Oslo statt. Der UiO-Forschungspreis ist mit 250.000 Norwegischen Kronen dotiert.

Quelle: Sunlight Research Forum

Darauf haben manche lange gewartet! Nach Dutzenden von Versuchen mit äusserst schütteren Ergebnissen kommt jetzt eine großangelegte Studie mit der Botschaft:  Solarien verursachen “schwarzen” Hautkrebs, und zwar je öfter und je länger desto mehr.

Schon die medienwirksame Einordnung der Solarien als “definitiv krebserregend” durch die IARC vor knapp einem Jahr stand auf äusserst schwachen wissenschaftlichen Füssen: Nur vier von 19 Studien hatten in einer Meta-Studie überhaupt statistisch relevante Ergebnisse in dieser Richtung erbracht – und hatten dabei zum Teil wichtige andere Faktoren außer Acht gelassen.

Dennoch erschreckten IARC, WHO und Medien die Menschen mit der Aussage, das Melanom-Risiko steige bei Solarium-Gebrauch vor dem 35. Lebensjahr um 75 Prozent. Dass damit das tatsächliche , absolute Risiko immer noch deutlich unter 0,1 Prozent lag, die Steigerung also winzig ausfiel, blieb wohlweislich unerwähnt.

Zudem geriet die einseitige Auswahl der Studien und andere methodische Probleme sehr schnell unter Beschuss von internationalen Experten.  Die Absicht hinter den Ergebnisformulierungen der Studien-Autoren war nur allzu deutlich.

Das gilt nun auch verstärkt für die jetzt vorgelegte Studie, die einst von einem der Geldgeber mit dem Auftrag auf die Reise geschickt wurde “Instrumente zu entwickeln, mit denen die Nutzung von Solarien entmutigt werden können” (Übers. durch die Red.).

Das Forschungsprojekt aus dem mittleren Westen der USA, dem Bundesstaat Minnesota, mit 2,268 Teilnehmern versucht seit 2004 einen Zusammenhang von künstlicher Besonnung und “schwarzem” Hautkrebs, dem Melanom, herzustellen. Basis ist eine umfangreiche schriftliche und telefonische Befragung über das Verhalten an der Sonne, über die Nutzung von künstlicher Besonnung und über die Art der Besonnungsgeräte  rückwirkend bis in die 80ger Jahre des vorigen Jahrhunderts.

Das Ergebnis: Bei Menschen, die irgendwann einmal eine Sonnenbank genutzt hatten, erhöhte sich, laut Studie, das Risiko, an einem Melanom zu erkranken, um 74 Prozent. Bei häufiger und längerer Nutzung sogar um das Dreifache.

Allerdings war es dabei gleichgültig, wann die Person mit der Solarium-Nutzung begonnen hatte. Damit widersprechen die Ergebnisse den bisherigen Annahmen, dass besonders die Solarium-Nutzung durch Jugendliche das Krebsrisiko erhöht.

Erst bei der genauen Analyse der veröffentlichten Daten findet man in dieser Studie Ergebnisse, die in der Zusammenfassung und Diskussion durch die Autoren tunlichst in einen Nebensatz verdrängt werden.

So stellt sich heraus (wie ähnlich auch in früheren Studien), dass Menschen mit regelmäßigem oder berufsbedingtem Aufenthalt an der Sonne weniger häufig an einem Melanom erkranken, als Menschen, die sich selten an der Sonne aufhalten. Mehr Sonne – weniger “schwarzer” Hautkrebs!

Interessant und ebenfalls in der Auswertung unerwähnt:  Regelmäßige und intensive Nutzung von Sonnenschutzmitteln führt nicht zu weniger sondern zu erheblich mehr Melanom-Fällen (auch darüber haben wir kürzlich berichtet).

Hier bestätigen sich denn auch die Zweifel an der “Neutralität” dieser Studie, ebenso wie bei der medienwirksamen Formulierung der Zusammenfassung. Dort wird mit “relativen” statt mit “absoluten” Risiken gearbeitet. Was das heisst und wie sich das auswirkt, lässt sich am besten am Beispiel erläutern.

Der Glaube an die Statistik, die man ….

Nehmen wir an, das Risiko, bei einem Spaziergang auf einem städtischen Bürgersteig von einem fallenden Dachziegel getroffen zu werden, sei 0,002 Prozent. Heisst: bei 100.000 Spaziergängen kommt es zu zwei Ziegeltreffern.

Nun findet eine wissenschaftliche Studie heraus, dass schon bei Windstärke 5 sich das Dachziegel-Unfallrisiko um erschreckende 75 Prozent erhöht.

Am nächsten Tag liest man in BILD:  “Tod vom Dach! Bei leichtem Wind 75 Prozent mehr Füßgänger tödlich getroffen.”

Politiker fordern schärfere Dachkontrollen und Meisterbriefe für jeden Dachdecker. Die Leute trauen sich jenseit von Windstärke 4 nicht mehr aus dem Haus – mit unabsehbaren Folgen für Wirtschaft und Volksgesundheit.

Und in Wirklichkeit?

Selbst wenn die Ergebnisse der Studie korrekt sind, wird bei höheren Windstärken aus einem minimalsten Risiko von 0,002 Prozent ein fast ebenso minimales Risiko von 0,0035 Prozent.

In anderen Worten: Viel Wind um (fast) nichts!

So auch hier

Ähnliche Zweifel und eine ganze Reihe zusätzlicher Einwände können auch für die Minnesota-Studie geltend gemacht werden. Nur einige davon sollen hier kurz erwähnt werden:

  1. Die Studie ist entstanden aus einem größeren Studienprojekt mit dem klaren Auftrag, “Instrumente zu entwickeln, mit denen die Nutzung von Solarien entmutigt werden können.” So einer der Geldgeber, das National Cancer Institute. Das Endurteil war damit bereits in den Studienansatz “eingebaut”.
  2. Mit diesem Auftrag wurden nach den schriftlichen Interviews Telefongespräche geführt, zur Hälfte mit Menschen, die inzwischen an einem Melanom erkrankt waren.  Bei “richtiger” Befragung neigen derart Betroffene dazu ihre Erinnerung an frühere Sonnenbank-Nutzung und Zeiten den Bedingungen anzupassen,  zumal wenn ihnen die Sonnenbank als “Schuldiger” für ihren Zustand vorab suggeriert worden war.
  3. Die Studie beschränkt sich auf den Staat Minnesota. Ausgerechnet dieser Staat zeichnet sich aus durch einen weit überproportionalen Anteil an Menschen nordeuropäischer Herkunft. Der besonders gefährdete Hauttyp 1 ist daher hier sehr viel häufiger vertreten als im Rest der Bevölkerung.
  4. Erinnerungen an so unwichtige Ereignisse wie das Sonnenbaden im Freien oder im Sonnenstudio, oder gar deren Länge und Häufigkeit, sind nach 20 Jahren und mehr eher zufällig. Dass darüber hinaus auch noch der Gerätetyp aus z.B. dem Jahr 1990 korrekt erinnert wird, ist unwahrscheinlich. Auf solchen Erinnerungen aber basiert diese Studie.
  5. Statistiken der Verbände zur Solarium-Nutzung im Staat Minnesota weisen einen Anteil von 10 Prozent an der Bevölkerung insgesamt aus. Die Studie aber entdeckte einen Anteil von 62 Prozent Solariennutzer bei der vom Melanom betroffenen Gruppe und 51 Prozent in der zufällig ausgewählten Vergleichsgruppe. Eine derartige Differenz, selbst bei ungenauen Daten, ist bei einer repräsentativen Auswahl ausgeschlossen. Hier wurde also vermutlich “vorselektiert”.
  6. Wenn es richtig ist (wie die Studie ausweist), dass regelmäßiger Aufenthalt an der Sonne das Melanom-Risiko eher senkt als steigert, die UV-Strahlen der Sonne sich aber nicht bzw. nur in der Zusammensetzung, von den UV-Strahlen des Solariums unterscheiden, ist die Risiko-Steigerung gerade bei regelmäßiger Sonnenbank-Nutzung nicht schlüssig erklärbar. Zwei Ergebnisse der gleichen Studie widersprechen sich also unmittelbar an dieser Stelle.
  7. In der Studie selbst, vor allem aber in dem jetzt anlaufenden Medien-Echo wird durchgängig mit “relativen” statt “absoluten” Risiken argumentiert. Unser Beispiel oben zeigt, wieviel dramatischer sich die Ergebnisse auf diese Weise darstellen lassen. Tatsächlich liegt das absolute Risiko, an einem Melanom zu erkranken in den USA bei weniger als  o,3 Prozent – und unterscheidet sich nach anderen Studie kaum zwischen Nutzern und Nicht-Nutzern von Solarien. Da die Studie nur Menschen bis zum Alter von 59 Jahren einbezieht, das Melanom aber eine typische Alterskrankheit ist, liegt folglich das absolute Risiko einer Melanom-Erkrankung in den untersuchten Altersgruppen noch sehr viel niedriger als im Durchschnitt der gesamten Bevölkerung.
  8. In der Melanom-Gruppe befinden sich mehr als dreimal so viele Menschen mit vielen oder sehr vielen Muttermalen wie in der Vergleichsgruppe und immerhin ein Viertel mehr Menschen mit mehr als 5 schweren Sonnenbränden im Freien. Beides, Anzahl der Muttermale und Sonnenbrände, sind typische Risikofaktoren für ein Melanom. Mit Solarium haben sie nichts zu tun!
  9. Obwohl in der Studie viele andere Melanom-Risiken genannt und ausgeschlossen werden, bleiben die erstaunlichen Daten zu einem Zusammenhang von Sonnenschutzmitteln und Melanom unberücksichtigt. Dabei erhöht sich, laut Daten der Studie selbst, das Melanom-Risiko durch Sonnenschutz-Gebrauch um ganze 35 Prozent.

Trotz solcher und anderer Einwände bleiben die Ergebnisse der Studie bedenklich, im wahrsten Sinne des Wortes.  Andererseits sagt eine Studie mit Erinnerungsdaten aus der Vergangenheit – über die gesamte Entwicklungsgeschichte der künstlichen Besonnung hinweg – sehr wenig über die aktuelle tatsächliche oder vermeintliche Gefährdung durch moderne Solarien oder über künftige Entwicklungen.

Mit den Rahmenbedingungen durch Normen, Gesetz und Verordnungen, wenn sie realistisch ausgestaltet und angemessen kontrolliert werden, ist für die Zukunft eine Gefährdung so gut wie auszuschließen – falls es denn in der Vergangenheit eine gegeben haben sollte.

Quellen:  Science Daily/HighWire/SmartTan

Studie:  DeAnn Lazovich et al., Indoor Tanning and Risk of Melanoma: A Case-Control Study in an Highly Exposed Population, Cancer Epidemology, Biomarkers & Prevention,  online vorab publiziert, 26. Mai 2010

Professor Johan Moan

Professor Johan Moan

Where the sun does not shine – schwarzer Hautkrebs an Körperstellen, an die die Sonne nicht (hin)scheint gilt als Phänomen. Wissenschaftler aus Oslo und San Francisco haben das Auttreten des Scheidenmelanoms im Zusammenhang mit dem Auftreten des malignen Melanom untersucht und habe Überrachendes herausgefunden.

Forscher um den norwegischen Professor für Strahlenbiologie Johan Moan und den amerikanischen Vitamin D-Forscher William B. Grant entdecken die Möglichkeit einer protektiven Wirkung von Sonnenstrahlen gegen das maligne Melanom. An dieser Untersuchung waren die Abteilung Strahlenbiologie des Krebsforschungsinstituts im Universitätskrankenhaus Oslo, der Fachbereich Physik der Universität Oslo und das Sunlight, Nutrition and Health Research Center (SUNARC) in San Francisco, USA, beteiligt.

Intermittierende, also zeitweilige Sonnenexposition im Urlaub am Strand und Sonnenbrand sind Boten des bösartige schwarzen Hautkrebses (malignes Melanom). Maligne Melanome können aber auch an Körperstelen entstehen, die so gut wie nie Sonnenstrahlen ausgesetzt werden, z.B. den weiblichen Geschlechtsorganen. Bislang waren die Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen Sonnenexposition und Melanomen an der Vulva nicht sehr umfangreich. Die Forscher aus Oslo und San Francisco haben zeitliche und breitengradbedingte Zusammenhänge zur Häufigkeit des Schwarzen Hautkrebses bei hellhäutigen Frauen kaukasischen Typs untersucht -  in Schweden, den neuen Bundesländern Deutschlands, in den USA und im Bundesstaat Vitoria in Australien.

Ergebnis dieser Untersuchungen war, das der Anteil der Scheidenmelanome an der Häufigkeitsrate des malignen Melanoms insgesamt sinkt. Die Anzahl der Fälle schwarzen Hautkrebses insgesamt hat zugenommen, während die Häufigkeit des Scheidenmelanoms im Betrachtungszeitraum konstant blieb, oder sogar rückläufig war. In den USA steigt die Zahl der Scheidenmelanome von Süden nach Norden, während die Häufigkeit des malignen Melanoms an Hautstellen, die der Sonne ausgesetzt sind, von Süden nach Norden abnimmt. Im Vergleich ihres Auftretens nach unterschiedlichen Breitengraden zeigen das maligne Melanom und das Scheidenmelanom also gegenläufige Entwicklungen. Immer, wenn die Häufigkeit des schwarzen Hautkrebses steigt – sowohl mit der Zeit als auch mit kleiner werdenden, südlichen Breitengraden, ein Zeichen also für eine stärkere Sonnenstrahlung – nimmt die Anteil der Scheidenmelanome an der Zahl des malignen Melanoms insgesamt ab.

Diese Erkenntnisse bekräftigen die Annahme, dass Scheidenmelanome nicht durch UV-Strahlen erzeugt werden. Außerdem besteht die Möglichkeit, das UV-Strahlung eine schützende Wirkung gegen das Scheidenmelanom hat – wahrscheinlich über ihre Rolle bei der Vitamin D-Photosythese in sonnenexponierter Haut. Diese Annahmen zu bestätigen bedarf aber weiterer Untersuchungen, so die Forscher.

Über die positive, oft sogar protektive Wirkung von UV-Licht auf, bzw. gegen verschiedene Krebsarten haben wir schon mehrfach berichtet – u.a. hier, hier, hier und unter diesem Link.

Quelle: Science Direct

Studie: Johan Moan, Alina C. Porojnicu, Arne Dahlback, William B. Grant, Asta Juzeniene, Where the sun does not shine: Is sunshine protective against melanoma of the vulva? Journal of Photochemistry and Photobiology B: Biology, In Press, Corrected Proof, online erhältlich

Wissenschaftler kritisiert unsaubere Untersuchungsmethodik der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) – IARC-Bericht sei fehlerhaft, da unterschiedliche Hauttypen nicht berücksichtigt wurden


Einer der weltweit renommiertesten Vitamin-D-Forscher, William B. Grant, geht mit der Methodik, die die Internationale Agentur für Krebsforschung (International Agency for Research on Cancer – IARC) bei ihren Untersuchungen über einen Zusammenhang zwischen Solariennutzung und Hautkrebsrisiko anwendet, hart ins Gericht.

Die IARC hat für eine sogenannte Meta-Analyse insgesamt 19 Studien als Basis herangezogen und kam nach der Datenauswertung zu dem Schluss, dass für die Altersgruppe der unter 35jährigen eine Verbindung zwischen Solariennutzung und Hautkrebsrisiko besteht. Von diesen 19 Studien bezogen sich fünf auf Menschen, die den Hauttyp eins aufweisen. Da dieser Hauttyp genetisch bedingt mit einem höheren Risiko, an Hautkrebs zu erkranken verbunden ist, wird dieser Bevölkerungsgruppe seit jeher dringend geraten, Besonnung – sei es unter dem Solarium oder im Freien – zu vermeiden. Um methodisch sauber zu arbeiten, muss man diese Gruppe gesondert betrachten. Das hat die IARC ganz offensichtlich versäumt“, erläutert William B. Grant.

Nehme man, so Grant weiter, diese getrennte Betrachtung vor, ergäben sich keine kausalen Zusammenhänge zwischen Solariennutzung und Hautkrebsrisiko. Über die kritische Beurteilung der IARC-Ergebnisse durch führende internationale Wissenschaftler hatten wir hier, hier und hier berichtet. Eine kritische Einschätzung der IARC-Kategorisierung von Sonne und Solarien finde Sie hier.

Studie: William B. Grant, Critique of the International Agency for Research on Cancer’s meta-analyses of the association of sunbed use with risk of cutaneous malignant melanoma (A critical review of Vitamin D and Cancer ), in: Dermato-Endocrinology 1:6, 1-7; November/December 2009“.

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In einer Übersichtsstudie zum aktuellen Stadt der Forschung um Vitamin D, Sonne und UV-Strahlen kommt einer der bekanntesten deutschen Vitamin D-Forscher (wir haben über Studien seiner Forschergruppe hier, hier, hierhier, hier, hier und hier berichtet), Dr. Armin Zittermann vom Herzzentrum Bad Oeynhausen, zu dem Ergebnis, dass durch eine deutliche Verbesserung der Unterversorgung mit Vitamin D (40-45 Prozent der deutschen Bevölkerung) und vor allem des akuten Vitamin D Mangels (weitere 15-30 Prozent) im deutschen Gesundheitssystem jährlich ein Betrag von fast 40 Milliarden Euro eingespart werden könnte.

Zittermann berücksichtigt bei seinen Kalkulationen lediglich die “tragfähigsten” Ergebnisse der jüngeren Forschung, vor allem Studien zu Osteoporose und einigen chronischem Erkrankungen wie Diabetes, MS und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Es müsse, so der Forscher, möglich sein, in Deutschland den Vitamin D-Mangel innerhalb von 5 – 10 Jahren zu beseitigen – durch kontrollierte UV-Bestrahlung (Sonne und Solarium) und/oder Nahrungsergänzung in einer Größenordnung von 25 g täglich.

Dr. Zittermann:
Die derzeitigen offiziellen Sonnenschutz- und Ernährungs-Empfehlungen verursachen zweifellos den gegenwärtigen Vitamin-Mangel. Daher ist es dringend notwendig, die Sonnenschutz-Politik und die Vitamin D-Empfehlungen für Ernährung und Nahrungsergänzung drastisch zu ändern.”

Gleichzeitig erscheint eine Studie zu den gesundheitsökonomischen Effekten des Vitamin D-Mangels in Kanada. Die Autoren vom Sunlight, Nutrition, and Health Research Center (SUNARC) in San Francisco, USA, kommen in ihren Berechnungen  zu dem Ergebnis, dass bei ausreichender Vitamin D-Versorgung der Bevölkerung durch UVB-Strahlen der Sonnen oder im Solarium bzw. durch Nahrungsergänzung in Kanada allein 37.000, also etwa 16 Prozent, der jährlichen Todesfälle vermieden werden könnten. Die eingeparten Gesundheitskosten lägen bei 14,4 Milliarden Dollar, knapp 7 Prozent der Gesamtkosten.

Quelle: PubCrawler

Studien:
A. Zittermann, The estimated benefits of vitamin D for Germany, Molecular Nutrition & Food Research, online vorab publiziert 01.04.2010

W.B. Grant et al., An estimate of the economic burden and premature deaths due to vitamin D deficiency in Canada, Mol Nutr Food Res., 29. März 2010, vorab online publiziert

Sonnenbank-Nutzer sind besser informiert - und besser drauf!

Sonnenbank-Nutzer sind besser informiert - und besser drauf!

Junge Leute, die gut informiert sind über Gefahren und Nutzen der UV-Strahlen, gehen häufiger in ein Sonnenstudio als die weniger gut Informierten.

Mit einer Art spürbarem Entsetzen haben jetzt Wissenschaftler der Wake Forest Universität in den USA dieses offenbar unerwartete Ergebnis ihrer eigenen Forschung zur Kenntnis genommen.  Offenbar, so die Forscher, liessen sich die Menschen eher von ihrer Überzeugung leiten, dass sie durch die Sonnenbank-Nutzung vitaler und attraktiver würden und sich insgesamt wohler fühlten.

Ihre nicht so ganz wissenschaftliche Schlussfolgerung: Um die Menschen von der Sonnenbank fernzuhalten, müsse man in  Anti-Solarien-Kampagnen diese Motivation aufnehmen und nutzen, um chemische Bräunungsmittel (“sunless tanning”) zu empfehlen. Auf die Idee, dass Wohlgefühl und Vitalität ihre Gründe in den positiven Gesundheits- und Stimmungseffekten der Sonnenstrahlen oder ihrer “Stellvertreter” auf der Sonnenbank haben könnten, scheint ihnen garnicht gekommen zu sein.

Genau diese positiven Effekte aber haben bereits früher anderen Forschern den Verdacht nahegelegt, Sonnenstrahlen und Sonnenbank könnten süchtig machen. Erst bei näherem Hinsehen kam dann die Erkenntnis, dass hier die Motivation schlicht das verbesserte Köpergefühl war und z.B. das Verschwinden chronischer Schmerzen und nicht eine wie auch immer ausgelöste Sucht.

(Kuriosität am Rande: Forscherkollegen an der gleichen Universität hatten erst kürzlich in einer Studie die lindernde und heilende Wirkung der Sonnenbank bei chronischen Schmerzen bestätigt).

Erst vor wenigen Monaten hatte auch eine deutsche Studie festgestellt, dass gründliche Information über die UV-Strahlen von Sonne und Solarium den Besuch von (gut geführten) Sonnenstudios eher fördert als verhindert.
Kurios auch hier: Die Studie war im Auftrag einer Organisation gefertigt worden, die in in regelmäßigen öffentlichen Äusserungen Menschen von der Verderblichkeit der künstlichen Besonnung überzeugen möchte.

Quelle: PubMed

Studie:  Leslie K Dennis et al.,  Tanning behaviour among young frequent tanners is related to attitudes and not lack of knowledge about the dangers, Health Education Journal, Vol. 68, No. 3, 232-243 (2009)

Kühe in Sonnenschutz-Kleidung  Foto: Farming UK/Hansen
Kühe in Sonnenschutz-Kleidung  Foto: Farming UK/Hansen

Milch ist neben fettem Fisch und Pilzen eines der wenigen Nahrungsmittel, die etwas zur Vitamin D-Versorgung des Menschen beisteuern kann. Vitamin D wird deshalb Sonnen-Vitamin genannt, weil es zu 80-90 Prozent im Körper selbst entsteht – und zwar durch die UVB-Strahlen der Sonne oder des Solariums auf der Haut. Im Herst und Winter aber ist die Sonne zu schwach für diese Arbeit. Die Menschen sind dann entweder auf das Solarium oder auf die Nahrung bzw. Nahrungsergänzung angewiesen, so eben auch auf die Milch.

Und da liegt der Hase – oder besser hier: die Kuh – im Pfeffer!

Die Kuh nämlich ist für die Vitamin D-Bildung genau wie der Mensch auf die Sonne angewiesen. Vorräte an Sonnenschein Vitamin im Fettgewebe des Körpers sind begrenzt und irgendwann im Laufe der dunklen Saison verbraucht.  Der Vitamin D-Gehalt in der Milch nimmt ab, gerade dann, wenn der Milchtrinker ihn am dringendsten braucht.

Und da die künstliche Besonnung das Problem beim Menschen auf einfachste Weise löst, kam jetzt Wissenschaftlern an der landwirtschaftlichen Universität Aarhaus der Gedanke, die Kühe ebenfalls ins Solarium zu schicken, in der Hoffnung, dass die Besonnung den Vitamin D-Spiegel bei den Kühen und dadurch auch in der Milch erhöhen könnte.

Zuerst aber wollten die Wissenschaftler wissen, in welcher Körperregion der Kuh die UV-Strahlen am effektivsten eingesetzt werden könnten. Sie schneiderten ihren Kühen eine Art von Kleidern, die ganz unterschiedliche Körperteile der Tiere bedeckten und so vor der Sonne verbargen. Nach drei Wochen an der Sonne verlichen die Forscher dann die Vitamin D-Haltigkeit der Milch von den unterschiedlich bekleideten Kühen.

Die so entdeckten Vitamin D-sensiblen Körperzonen werden dann mit einer Art Solarium mit viel UVB-Licht bestrahlt und der Effekt auf die Milch gemessen.

Ziel der Untersuchungen ist es, einen gleichmäßigen Gehalt an Vitamin D über das gesamte Jahr hin zu garantieren,”  so der Studienleiter,  Lone Hymøller. Das Projekt wird von der dänischen Vereinigung der Milchbauern und von der dänischen Regierung unterstützt.

Ob diese Methode der natürlichen Vitamin D-Versorgung im “Vitamin D-Winter” bereits den Widerstand der Dermatologen provoziert hat, die gegen diese Methode der Gesundheitsvorsorge beim Menschen Sturm laufen, ist nicht bekannt.

Quelle:  Farming UK

bild eines mannes mit brille

Sonne macht klug! - vor allem im Alter. Foto: fotolia

Vitamin D hält das Gehirn in Schwung. Es verbessert insbesondere die Gehirnleistung älterer Männer.

Das  “Sonnenschein-Vitamin” wird in unseren Breiten zu 80-90 Prozent durch die UVB-Strahlen der Sonne oder im Solarium im Körper selbst gebildet und ist daher eigentliche ein “Sonnenschein-Hormon”.

Forscher von acht (8) europäischen Universitäten haben jetzt in einem gemeinsamen Projekt die Auffassungsgabe und das Gedächtnis von 3.369 Männer aus der European Male Ageing Study (EMAS) im Alter zwischen 40 und 79 Jahren geprüft und mit dem Vitamin D-Spiegel im Blut abgeglichen.

Ergebnis:  “In unserer Studie zeigte sich eine eindeutige Verbindung von Vitamin D-Mangel und geringerer Gehirn-Leistung im Test“, so der Studienleiter Prof. David M. Lee, von der Universität Manchester.

Denkbar ist sowohl, dass das Vitamin D die Nerven schützt, als auch dass es die Erzeugung von Neurotransmitter reguliert”, vermutet Lee.

Da nur Männer untersucht wurden, kann die gleiche Wirkung des Sonnenschein-Vitamins bei Frauen nur vermutet werden.

Die Studie könne, so Lee, ein guter Ausgangspunkt für die weitere Erforschung der Wirkung von Vitamin D auf  die Gehirnleistung älterer Menschen geben.

Über weitere Studien mit ähnlichen Ergebnissen haben wir hier, hier, hier, hier, hier, hier, und hier berichtet.

Quelle: ScienceDaily

Studie: David M Lee et al., Association between 25-hydroxyvitamin D levels and cognitive performance in middle-aged and older European men, Journal of Neurology, Neurosurgery and Psychiatry, online vorab veröffentlicht,  21. Mai 2009

In den USA ist die Zahl der Fälle von schwarzem Hautkrebs bei jüngeren Frauen (15 bis 39 Jahre) in den vergangenen Jahren seit 1980 um 50 Prozent gestiegen. Das ergab eine Sonderauswertung der US-Krebsstatistiken (SEER) durch eine Gruppe von Medizinstatistikern des National Cancer Institutes in Maryland, USA

Bei den gleichaltrigen Männern dagegen blieb der Anteil über all die Jahre unverändert.

Die Gründe für dieses Phänomen wurden nicht untersucht. Das hinderte den Studienleiter, Dr. Mark Purdue, allerdings nicht, sich in Gesprächen mit den Medien in kuriosesten Spekulationen zu ergehen:

Wahrscheinlich, so Purdue,  sei das veränderte Freizeitverhalten und inbesondere die sprunghaft gestiegene Nutzung von Solarien für diesen erschreckenden Anstieg verantwortlich. Bei den Männern wisse man halt nicht, warum es hier keine Steigerung gegeben habe.  Die legten sich ja vermutlich auch kaum auf Sonnenbänke.

Der Wissenschaftler übersah dabei geflissentlich, dass

  • der steilste Anstieg der Melanom-Fälle in der ebenfalls erfassten Zeit zwischen 1973 und 1980 passierte – damals gab es noch keine Sonnenbänke! (s. nebenstehende Graphik)
  • das Freizeitverhalten von US-Mädchen und jungen Frauen sich nicht anders entwickelt hat als das der jungen Männer, den Unterschied in der Zahl der Melanom-Erkrankungen also keinesfalls begründen kann,
  • Umfang und Intensität der Beschäftigung Jugendlicher im Freien an der Sonne in den letzten Jahren eher deutlich abgenommen hat, wie zahlreiche Studien zum Freizeitverhalten Jugendlicher zeigen. Inzwischen sind die Jugendlichen die Altersgruppe mit den höchsten Vitamin D-Defiziten aufgrund von Sonnenmangel,
  • der Anteil der jungen Frauen in den USA, die ein Solarium nutzen, zwar in den Jahren zwischen 1980 und 1994 von 1 auf 24 Prozent (gelegentliche oder regelmäßige Nutzung) gestiegen , seither aber unverändert geblieben ist,
  • die jungen Männer inzwischen fast ein Drittel der Solariennutzer stellen, was sich dann entsprechend in den Melanom-Fällen widerspiegeln müsste,
  • in anderen Ländern, z.B. Dänemark, kein Unterschied in der Entwicklung/Anstieg der Melanom-Fälle zwischen Frauen und Männern auftritt, was genau zu der umgekehrten Argumentation führt, dass die Solariennutzung hier keine Rolle spielen könne.
Entwicklung 1980-2004 in Deutschland bei Männer und Frauen bis 34 Jahren

Entwicklung 1980-2004 in Deutschland bei Männer und Frauen bis 34 Jahren

Ähnliche reflexartige Verdächtigungen ohne jede Basis in der Wirklichkeit werden auch in Deutschland häufig an die hier ebenfalls bedenklichen Melanom-Statistiken geknüpft.

Tatsächlich geben die Daten mindestens ebenso viel Anlass, die Gründe eben nicht oder nur sehr eingeschränkt im Genuß von Sonne und UV-Strahlen zu suchen, wie ausgerechnet und ausschließlich Sonne und Solarien für die in der Tat erschreckende Entwicklung verantwortlich zu machen.

Der schwarze Hautkrebs und die Erforschung der Gründe für seinen Vormarsch in fast allen Ländern der Erde (auch und gerade bei solchen, in denen Solarien so gut wie unbekannt sind) ist zu wichtig, um sie den Vorurteilen spekulierender Statistiker und Anti-Solarien-Kreuzzügler zu überlassen.

Quelle: Washington Post

Studien:
Mark P Purdue et al., Recent Trends in Incidence of Cutaneous Melanoma among US Caucasian Young Adults, Journal of Investigative Dermatology, vorab online July 2008

June K. Robinson et al., Indoor Tanning Knowledge, Attitudes, and Behavior Among Young Adults From 1988-2007,  Archives of  Dermatology, 2008;144(4):484-488

Solarium erhöht Vitamin D-Spiegel

Immer häufiger wird in wissenschaftlichen Studien und Empfehlungen darauf verwiesen, dass Solarien eine wichtige Rolle beim Ausgleich von Vitamin-D-Defiziten spielen könnten.

In einem Kommentar in der internationalen Fachzeitschrift “Journal of Nutritional Science and Vitaminology” kommt jetzt eine Gruppe von amerikanischen und asiatischen Forschern zu dem Schluss, “eine kontrollierte UV-Therapie (im Solarium) kann eine phantastische Methode sein, den Vitamin D-Status bei solchen Gruppen zu heben, die in höheren Breitengraden leben, wo im Winter die Sonne für die Vitamin D-Bildung nicht ausreicht, und wo im allgemeinen die Lebensmittel nicht mit Vitamin D angereichert sind.”

Die Wissenschaftler beziehen sich auf ein Reihe von Studien, darunter auch eine in diesem Weblog referierte Untersuchung, bei der die künstliche Besonnung mit handelsüblichen Solarien auch dort den Vitamin D-Spiegel erhöhte, wo Nahrungsergänzung als Therapie versagt hatte. (Ähnlich auch hier, hier und hier)

Quelle: Prakash Chandra, Mohit Agarwal, Shiva G Sharma and Sukhdeep Basra, Tanning Can Be an Alternative Source of Vitamin D in High Risk Populations . J. Nutr. Sci. Vitaminol. 2008, 54: 105

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