Archiv für das Tag 'Sonnenbank'

Darauf haben manche lange gewartet! Nach Dutzenden von Versuchen mit äusserst schütteren Ergebnissen kommt jetzt eine großangelegte Studie mit der Botschaft:  Solarien verursachen “schwarzen” Hautkrebs, und zwar je öfter und je länger desto mehr.

Schon die medienwirksame Einordnung der Solarien als “definitiv krebserregend” durch die IARC vor knapp einem Jahr stand auf äusserst schwachen wissenschaftlichen Füssen: Nur vier von 19 Studien hatten in einer Meta-Studie überhaupt statistisch relevante Ergebnisse in dieser Richtung erbracht – und hatten dabei zum Teil wichtige andere Faktoren außer Acht gelassen.

Dennoch erschreckten IARC, WHO und Medien die Menschen mit der Aussage, das Melanom-Risiko steige bei Solarium-Gebrauch vor dem 35. Lebensjahr um 75 Prozent. Dass damit das tatsächliche , absolute Risiko immer noch deutlich unter 0,1 Prozent lag, die Steigerung also winzig ausfiel, blieb wohlweislich unerwähnt.

Zudem geriet die einseitige Auswahl der Studien und andere methodische Probleme sehr schnell unter Beschuss von internationalen Experten.  Die Absicht hinter den Ergebnisformulierungen der Studien-Autoren war nur allzu deutlich.

Das gilt nun auch verstärkt für die jetzt vorgelegte Studie, die einst von einem der Geldgeber mit dem Auftrag auf die Reise geschickt wurde “Instrumente zu entwickeln, mit denen die Nutzung von Solarien entmutigt werden können” (Übers. durch die Red.).

Das Forschungsprojekt aus dem mittleren Westen der USA, dem Bundesstaat Minnesota, mit 2,268 Teilnehmern versucht seit 2004 einen Zusammenhang von künstlicher Besonnung und “schwarzem” Hautkrebs, dem Melanom, herzustellen. Basis ist eine umfangreiche schriftliche und telefonische Befragung über das Verhalten an der Sonne, über die Nutzung von künstlicher Besonnung und über die Art der Besonnungsgeräte  rückwirkend bis in die 80ger Jahre des vorigen Jahrhunderts.

Das Ergebnis: Bei Menschen, die irgendwann einmal eine Sonnenbank genutzt hatten, erhöhte sich, laut Studie, das Risiko, an einem Melanom zu erkranken, um 74 Prozent. Bei häufiger und längerer Nutzung sogar um das Dreifache.

Allerdings war es dabei gleichgültig, wann die Person mit der Solarium-Nutzung begonnen hatte. Damit widersprechen die Ergebnisse den bisherigen Annahmen, dass besonders die Solarium-Nutzung durch Jugendliche das Krebsrisiko erhöht.

Erst bei der genauen Analyse der veröffentlichten Daten findet man in dieser Studie Ergebnisse, die in der Zusammenfassung und Diskussion durch die Autoren tunlichst in einen Nebensatz verdrängt werden.

So stellt sich heraus (wie ähnlich auch in früheren Studien), dass Menschen mit regelmäßigem oder berufsbedingtem Aufenthalt an der Sonne weniger häufig an einem Melanom erkranken, als Menschen, die sich selten an der Sonne aufhalten. Mehr Sonne – weniger “schwarzer” Hautkrebs!

Interessant und ebenfalls in der Auswertung unerwähnt:  Regelmäßige und intensive Nutzung von Sonnenschutzmitteln führt nicht zu weniger sondern zu erheblich mehr Melanom-Fällen (auch darüber haben wir kürzlich berichtet).

Hier bestätigen sich denn auch die Zweifel an der “Neutralität” dieser Studie, ebenso wie bei der medienwirksamen Formulierung der Zusammenfassung. Dort wird mit “relativen” statt mit “absoluten” Risiken gearbeitet. Was das heisst und wie sich das auswirkt, lässt sich am besten am Beispiel erläutern.

Der Glaube an die Statistik, die man ….

Nehmen wir an, das Risiko, bei einem Spaziergang auf einem städtischen Bürgersteig von einem fallenden Dachziegel getroffen zu werden, sei 0,002 Prozent. Heisst: bei 100.000 Spaziergängen kommt es zu zwei Ziegeltreffern.

Nun findet eine wissenschaftliche Studie heraus, dass schon bei Windstärke 5 sich das Dachziegel-Unfallrisiko um erschreckende 75 Prozent erhöht.

Am nächsten Tag liest man in BILD:  “Tod vom Dach! Bei leichtem Wind 75 Prozent mehr Füßgänger tödlich getroffen.”

Politiker fordern schärfere Dachkontrollen und Meisterbriefe für jeden Dachdecker. Die Leute trauen sich jenseit von Windstärke 4 nicht mehr aus dem Haus – mit unabsehbaren Folgen für Wirtschaft und Volksgesundheit.

Und in Wirklichkeit?

Selbst wenn die Ergebnisse der Studie korrekt sind, wird bei höheren Windstärken aus einem minimalsten Risiko von 0,002 Prozent ein fast ebenso minimales Risiko von 0,0035 Prozent.

In anderen Worten: Viel Wind um (fast) nichts!

So auch hier

Ähnliche Zweifel und eine ganze Reihe zusätzlicher Einwände können auch für die Minnesota-Studie geltend gemacht werden. Nur einige davon sollen hier kurz erwähnt werden:

  1. Die Studie ist entstanden aus einem größeren Studienprojekt mit dem klaren Auftrag, “Instrumente zu entwickeln, mit denen die Nutzung von Solarien entmutigt werden können.” So einer der Geldgeber, das National Cancer Institute. Das Endurteil war damit bereits in den Studienansatz “eingebaut”.
  2. Mit diesem Auftrag wurden nach den schriftlichen Interviews Telefongespräche geführt, zur Hälfte mit Menschen, die inzwischen an einem Melanom erkrankt waren.  Bei “richtiger” Befragung neigen derart Betroffene dazu ihre Erinnerung an frühere Sonnenbank-Nutzung und Zeiten den Bedingungen anzupassen,  zumal wenn ihnen die Sonnenbank als “Schuldiger” für ihren Zustand vorab suggeriert worden war.
  3. Die Studie beschränkt sich auf den Staat Minnesota. Ausgerechnet dieser Staat zeichnet sich aus durch einen weit überproportionalen Anteil an Menschen nordeuropäischer Herkunft. Der besonders gefährdete Hauttyp 1 ist daher hier sehr viel häufiger vertreten als im Rest der Bevölkerung.
  4. Erinnerungen an so unwichtige Ereignisse wie das Sonnenbaden im Freien oder im Sonnenstudio, oder gar deren Länge und Häufigkeit, sind nach 20 Jahren und mehr eher zufällig. Dass darüber hinaus auch noch der Gerätetyp aus z.B. dem Jahr 1990 korrekt erinnert wird, ist unwahrscheinlich. Auf solchen Erinnerungen aber basiert diese Studie.
  5. Statistiken der Verbände zur Solarium-Nutzung im Staat Minnesota weisen einen Anteil von 10 Prozent an der Bevölkerung insgesamt aus. Die Studie aber entdeckte einen Anteil von 62 Prozent Solariennutzer bei der vom Melanom betroffenen Gruppe und 51 Prozent in der zufällig ausgewählten Vergleichsgruppe. Eine derartige Differenz, selbst bei ungenauen Daten, ist bei einer repräsentativen Auswahl ausgeschlossen. Hier wurde also vermutlich “vorselektiert”.
  6. Wenn es richtig ist (wie die Studie ausweist), dass regelmäßiger Aufenthalt an der Sonne das Melanom-Risiko eher senkt als steigert, die UV-Strahlen der Sonne sich aber nicht bzw. nur in der Zusammensetzung, von den UV-Strahlen des Solariums unterscheiden, ist die Risiko-Steigerung gerade bei regelmäßiger Sonnenbank-Nutzung nicht schlüssig erklärbar. Zwei Ergebnisse der gleichen Studie widersprechen sich also unmittelbar an dieser Stelle.
  7. In der Studie selbst, vor allem aber in dem jetzt anlaufenden Medien-Echo wird durchgängig mit “relativen” statt “absoluten” Risiken argumentiert. Unser Beispiel oben zeigt, wieviel dramatischer sich die Ergebnisse auf diese Weise darstellen lassen. Tatsächlich liegt das absolute Risiko, an einem Melanom zu erkranken in den USA bei weniger als  o,3 Prozent – und unterscheidet sich nach anderen Studie kaum zwischen Nutzern und Nicht-Nutzern von Solarien. Da die Studie nur Menschen bis zum Alter von 59 Jahren einbezieht, das Melanom aber eine typische Alterskrankheit ist, liegt folglich das absolute Risiko einer Melanom-Erkrankung in den untersuchten Altersgruppen noch sehr viel niedriger als im Durchschnitt der gesamten Bevölkerung.
  8. In der Melanom-Gruppe befinden sich mehr als dreimal so viele Menschen mit vielen oder sehr vielen Muttermalen wie in der Vergleichsgruppe und immerhin ein Viertel mehr Menschen mit mehr als 5 schweren Sonnenbränden im Freien. Beides, Anzahl der Muttermale und Sonnenbrände, sind typische Risikofaktoren für ein Melanom. Mit Solarium haben sie nichts zu tun!
  9. Obwohl in der Studie viele andere Melanom-Risiken genannt und ausgeschlossen werden, bleiben die erstaunlichen Daten zu einem Zusammenhang von Sonnenschutzmitteln und Melanom unberücksichtigt. Dabei erhöht sich, laut Daten der Studie selbst, das Melanom-Risiko durch Sonnenschutz-Gebrauch um ganze 35 Prozent.

Trotz solcher und anderer Einwände bleiben die Ergebnisse der Studie bedenklich, im wahrsten Sinne des Wortes.  Andererseits sagt eine Studie mit Erinnerungsdaten aus der Vergangenheit – über die gesamte Entwicklungsgeschichte der künstlichen Besonnung hinweg – sehr wenig über die aktuelle tatsächliche oder vermeintliche Gefährdung durch moderne Solarien oder über künftige Entwicklungen.

Mit den Rahmenbedingungen durch Normen, Gesetz und Verordnungen, wenn sie realistisch ausgestaltet und angemessen kontrolliert werden, ist für die Zukunft eine Gefährdung so gut wie auszuschließen – falls es denn in der Vergangenheit eine gegeben haben sollte.

Quellen:  Science Daily/HighWire/SmartTan

Studie:  DeAnn Lazovich et al., Indoor Tanning and Risk of Melanoma: A Case-Control Study in an Highly Exposed Population, Cancer Epidemology, Biomarkers & Prevention,  online vorab publiziert, 26. Mai 2010

Wissenschaftler kritisiert unsaubere Untersuchungsmethodik der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) – IARC-Bericht sei fehlerhaft, da unterschiedliche Hauttypen nicht berücksichtigt wurden


Einer der weltweit renommiertesten Vitamin-D-Forscher, William B. Grant, geht mit der Methodik, die die Internationale Agentur für Krebsforschung (International Agency for Research on Cancer – IARC) bei ihren Untersuchungen über einen Zusammenhang zwischen Solariennutzung und Hautkrebsrisiko anwendet, hart ins Gericht.

Die IARC hat für eine sogenannte Meta-Analyse insgesamt 19 Studien als Basis herangezogen und kam nach der Datenauswertung zu dem Schluss, dass für die Altersgruppe der unter 35jährigen eine Verbindung zwischen Solariennutzung und Hautkrebsrisiko besteht. Von diesen 19 Studien bezogen sich fünf auf Menschen, die den Hauttyp eins aufweisen. Da dieser Hauttyp genetisch bedingt mit einem höheren Risiko, an Hautkrebs zu erkranken verbunden ist, wird dieser Bevölkerungsgruppe seit jeher dringend geraten, Besonnung – sei es unter dem Solarium oder im Freien – zu vermeiden. Um methodisch sauber zu arbeiten, muss man diese Gruppe gesondert betrachten. Das hat die IARC ganz offensichtlich versäumt“, erläutert William B. Grant.

Nehme man, so Grant weiter, diese getrennte Betrachtung vor, ergäben sich keine kausalen Zusammenhänge zwischen Solariennutzung und Hautkrebsrisiko. Über die kritische Beurteilung der IARC-Ergebnisse durch führende internationale Wissenschaftler hatten wir hier, hier und hier berichtet. Eine kritische Einschätzung der IARC-Kategorisierung von Sonne und Solarien finde Sie hier.

Studie: William B. Grant, Critique of the International Agency for Research on Cancer’s meta-analyses of the association of sunbed use with risk of cutaneous malignant melanoma (A critical review of Vitamin D and Cancer ), in: Dermato-Endocrinology 1:6, 1-7; November/December 2009“.

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John Dalli, Eu-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz

Für die Presse war es wieder einmal ein gefundenes Fressen und einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich nicht so genau ins Maul.

Jede siebte Sonnenbank macht krank“,  “Sonnenstudios gefährden die Gesundheit”, “Burn Baby Burn: Strahlende Sonnenbänke“, “Neueste Horrormeldung…” – es rauschte mal wieder im deutschen Blätterwald, und wie so oft bei diesem Thema spielten die Fakten eine eher untergeordnete Rolle. Was war passiert?

Der neue EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz, John Dalli, hatte in Brüssel eine Erhebung aus den letzten beiden Jahren vorgestellt, bei der sich zeigte, dass knapp 15 Prozent der europaweit untersuchten Sonnenstudios nicht den neuen EU-Bestimmungen (Euronorm) zum Beispiel über Bestrahlungsstärken von 0,3 W/m² entsprachen.

Hätten nun die deutschen Medien und Presseagenturen genauer hingeschaut, wäre ihnen aufgefallen, dass

  1. diese neuen EU-Regulierungen, vor allem die o,3 W/m² für alle Geräte,  in Deutschland überhaupt noch nicht gelten. Das passiert erst mit der Verabschiedung der noch in Arbeit befindlichen Verordnung zum sog. “Solariengesetz” vom Juli vergangenen Jahres, und u.a. aus diesem Grund,
  2. in Deutschland nur ganze zwei (2) Studios, davon ein Selbstbedienungsstudio, in die Untersuchung einbezogen worden waren, und dass sich folglich
  3. das Entsetzen über die Verfehlung eines nicht gültigen Standards durch 0,04 Prozent der deutschen Sonnenstudios sich eigentlich in Grenzen halten sollte.

Soviel journalistische Sorgfalt, dass auch noch der Unterschied zwischen Bestrahlungsstärke und der für die Wirkung ausschlaggebenden Bestrahlungsdosis berücksichtigt würde, mag man den überlasteten Redakteuren erst garnicht zumuten. Dass

  • zwei Stunden in der Mittagssonne am Ballermann mehr Schaden in der Haut anrichten und weniger positive Wirkungen wie etwa Vitamin D-Synthese bewirken kann als
  • 10 Minuten auf einer Sonnenbank mit 0,6 W/m²

ist allerdings auch ohne umfassende Recherche nachvollziehbar.

Erst garnicht erwähnt wird die auch vom EU-Kommissar ausdrücklich gewürdigte Tatsache, dass sich die Solarienverbände, vertreten durch die European Sunlight Association (ESA), seit Jahren aktiv und in enger Kooperation mit der europäischen Kontroll-Initiative PROSAFE im Rahmen der “Joint Action on Sunbeds (JAS)” an der Entwicklung und Durchsetzung einheitlicher Regularien in Europa beteiligt hat.  Ein einheitlicher Standard und durchsichtige Kontrollmechanismen sind – leicht nachvollziehbar – durchaus auch im Interesse der europäischen Solarienbranche! (Hier die Stellungnahme der ESA dazu).

Nun mangelt es sicher am deutschen Besonnungmarkt – wie in allen anderen Branchen auch – nicht an “schwarzen Schafen”, die sich auch nach der offiziellen Einführung von allgemein akzeptierten Standards als anpassungsresistent erweisen werden.  Aber das kann dann erst nach Einführung der Standards durch Kontrollen festgestellt und dann – sicher wieder mit dramatisch-semantischem Aufwand – von den einschlägigen Medien beklagt werden.

Quelle: Pressemeldungen EU-Kommission und ESA/diverse Veröffentlichungen in der Tagespresse

Sonnenbank-Nutzer sind besser informiert - und besser drauf!

Sonnenbank-Nutzer sind besser informiert - und besser drauf!

Junge Leute, die gut informiert sind über Gefahren und Nutzen der UV-Strahlen, gehen häufiger in ein Sonnenstudio als die weniger gut Informierten.

Mit einer Art spürbarem Entsetzen haben jetzt Wissenschaftler der Wake Forest Universität in den USA dieses offenbar unerwartete Ergebnis ihrer eigenen Forschung zur Kenntnis genommen.  Offenbar, so die Forscher, liessen sich die Menschen eher von ihrer Überzeugung leiten, dass sie durch die Sonnenbank-Nutzung vitaler und attraktiver würden und sich insgesamt wohler fühlten.

Ihre nicht so ganz wissenschaftliche Schlussfolgerung: Um die Menschen von der Sonnenbank fernzuhalten, müsse man in  Anti-Solarien-Kampagnen diese Motivation aufnehmen und nutzen, um chemische Bräunungsmittel (“sunless tanning”) zu empfehlen. Auf die Idee, dass Wohlgefühl und Vitalität ihre Gründe in den positiven Gesundheits- und Stimmungseffekten der Sonnenstrahlen oder ihrer “Stellvertreter” auf der Sonnenbank haben könnten, scheint ihnen garnicht gekommen zu sein.

Genau diese positiven Effekte aber haben bereits früher anderen Forschern den Verdacht nahegelegt, Sonnenstrahlen und Sonnenbank könnten süchtig machen. Erst bei näherem Hinsehen kam dann die Erkenntnis, dass hier die Motivation schlicht das verbesserte Köpergefühl war und z.B. das Verschwinden chronischer Schmerzen und nicht eine wie auch immer ausgelöste Sucht.

(Kuriosität am Rande: Forscherkollegen an der gleichen Universität hatten erst kürzlich in einer Studie die lindernde und heilende Wirkung der Sonnenbank bei chronischen Schmerzen bestätigt).

Erst vor wenigen Monaten hatte auch eine deutsche Studie festgestellt, dass gründliche Information über die UV-Strahlen von Sonne und Solarium den Besuch von (gut geführten) Sonnenstudios eher fördert als verhindert.
Kurios auch hier: Die Studie war im Auftrag einer Organisation gefertigt worden, die in in regelmäßigen öffentlichen Äusserungen Menschen von der Verderblichkeit der künstlichen Besonnung überzeugen möchte.

Quelle: PubMed

Studie:  Leslie K Dennis et al.,  Tanning behaviour among young frequent tanners is related to attitudes and not lack of knowledge about the dangers, Health Education Journal, Vol. 68, No. 3, 232-243 (2009)

Frauen, die häufiger als drei mal pro Jahr eine  Sonnenbank benutzen, verringern ihr Risiko, an einem Gebärmutter-Krebs zu erkranken, um 50 Prozent im Vergleich zu Frauen, die nie oder selten ein Solarium benutzen.  Sonnenbaden im Sommer führt immerhin noch zu einer Risiko-Senkung um etwa 20 Prozent.

So das Ergebnis einer Langzeitstudie mit fast  30.000 Teilnehmerinnen über 15 Jahre hinweg.  Die Forscher am Institute of Clinical Sciences der Universität Lund in Schweden hatten mit dieser Studie den Zusammenhang von Sonne, UV-Strahlen und Gebährmutterkrebs untersucht.

Der Gebärmutterkrebs ist die vierthäufigste Krebsart bei Frauen und die häufgste der weiblichen Geschlechtsorgane mit etwa 12.000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland.

Wissenschaftliche Erkenntnisse wie diese (und hunderte ähnlicher Studie über die positiven Gesundheitswirkungen der Sonnenstrahlen) werden in der derzeit wieder hoch schwappenden Diskussion um gesetzliche Regulierungen von Solarien völlig ausgeblendet – eine Diskussion, bei der sich die meisten Medien ohne Gegenwehr dermatologische Scheuklappen aufsetzen lassen.

In einer Pressekonferenz der Deutschen Krebshilfe und der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) vor einigen Tagen wurde die längst wissenschaftlich gesicherte Bedeutung der UV-Strahlen und des “Sonnenschein-Vitamins” D – zu etwa 90 Prozent “Produkt” dieser Strahlen -  für die Prävention und Therapie vieler “Volkskrankheiten” wie Osteoporose, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs völlig ausgeblendet.

Mehr noch, die Protagonisten dieser Inszenierung forderten auch ein Verbot aller Aussagen über diese positiven Wirkungen der UV-Strahlen in Zusammenhang mit der künstlichen Besonnung auf der Sonnenbank. Ziel dabei ist der Druck auf die Autoren der kommenden Ausführungsverordnung zum “Solariengesetz”, das seit Anfang August in Kraft ist und die Nutzung von Solarien durch Jugendliche unter 18 Jahre verbietet.

Bei derartig aggressiven Versuchen, eigene standespolitische Interessen durchzusetzen ohne Rücksicht auf die fatalen Auswirkungen solcher Verbote für die Gesundheit der Bevölkerung, bleibt nur die Hoffnung auf die Weisheit und Belesenheit der Verordnungsgeber.

Quelle: ScienceDaily

Studie:  E. Epstein , P.G. Lindqvist, B. Geppert , H. Olsson,  A population-based cohort study on sun habits and endometrial cancer, British Journal of  Cancer, 2009 Aug 4;101(3):537-40

fussballZur Jahreswende versuchten viele Tageszeitungen in ihren Sportteilen die Fußball-Fans mit Berichten und Interviews aus den Trainingslagern der Bundesliga-Mannschaften über die Fußball-freie Zeit  hinwegzutrösten.

Zweifellos am orginiellsten die Wahl von Mönchengladbach und der Kommentar des Trainers Hans Mayer:
Als einziger Erstligist hatte Borussia Mönchengladbach kein Trainingslager unter südlicher Sonne bezogen. Der Trainer wollte das nicht als Nachteil gelten lassen:

Wir haben ein beheiztes Trainingsgelände, und für das Team-Building können wir alle zusammen im Solarium auf die Sonnenbank gehen“,  so Hans Mayer.

Ob sich inzwischen nach diesem Vorbild viele Sonnenstudios um Investitionen in Team-Sonnenbänke bemühen, ist nicht überliefert.

Quelle: BILD/ Süddeutsche Zeitung Newsticker

Nachtrag 08.01.09:  Nun sind sie doch in den Süden geflogen, meldet BILD. War doch wohl nicht genug Platz auf der Team-Sonnenbank.

Sonnenbank und Vitamin DAuch die Nutzung von Sonnenbänken mit geringeren UV-B-Anteil am Strahlensprektrum erhöht den Vitamin D-Spiegel.
Den Nachweis liefert jetzt eine Studie an der Universität von Kopenhagen, bei der neben modernen Solarien mit sonnen-ähnlichen Strahlenspektren auch Bänke mit einem deutlich überproportionalen UVA-Anteil eingesetzt wurden.

Das lebensnotwendige Vitamin D wird ganz überwiegend durch die Sonnenstrahlen auf der Haut “hergestellt”. Durch die modernen Lebensformen und die Tatsache, dass im “Vitamin D-Winter” von Ende Oktober bis März bei uns die Sonne nicht stark genug ist, diesen Prozess anzustossen, kommt es zu erheblichen Vitamin D-Defiziten in breiten Bevölkerungskreisen. In Deutschland etwa leiden knapp 60 Prozent der Menschen nach Untersuchungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) an einem Vitamin D-Mangel, der die Entstehung von Brust- und Darmkrebs, Osteoporose, Diabetes, Multipler Sklerose, Infektions- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen etc. begünstigt.

Ausgleich könnte hier die regelmäßige, kontrollierte Nutzung von Solarien schaffen.

Dass sich diese einfache Lösung eines derart verbreiteten Gesundheitsproblems bisher nicht hat durchsetzen können, liegt auch an den ebenso unermüdlich wiederholten wie falschen Argumenten der Solariengegner: Da das Solarium kaum UV-B – notwendig für die Vitamin D-Synthese – sondern fast ausschliesslich UV-A  ausstrahle, so wird behauptet, könne es auf der Sonnenbank nicht zu einer ausreichenden Vitamin D-Produktion kommen.

Das ist, wie sich nun erweist,  ein doppelter Trugschluss:

  1. Ähneln moderne Solarien der Sonne im Anteil der abgegebenen UVB-Strahlen, haben also in etwa die gleiche Wirkung und
  2. beweist die neue Studie, dass auch Solarien mit höherem UV-A-Anteil die Vitamin D-Produktion in der Haut in Gang bringen.

Unsere Studienergebnisse zeigen, dass Sonnenbänke mit einer Strahlung von nur 0,5% bzw. 1,4% UVB den Vitamin D-Spiegel (Serum 25 OH D) im Blut erhöhen.” So der Leiter der Forschergruppe am Bispebjerg Hospital der Universität Kopenhagen.

Zwei repräsentativ ausgewählte Gruppen gesunder europäischer Frauen wurden zunächt in Abständen von zwei-vier Tagen vier Mal für zunächst jeweils sechs Minuten später weitere vier Mal für 12 Minuten auf eine Sonnenbank mit niedrigem UVB-Anteil (Gruppe 1: 0,5% UVB, Grupps 2: 1,4% UVB) geschickt.
Eine vergleichbare Kontrollgruppe erhielt keine Besonnung auf der Sonnenbank.

Ergebnis: Während sich  bei der “unbesonnten” Kontrollgruppe innerhalb von 9 bzw. 18 Tagen keinerlei Veränderung im Vitamin D-Spiegel zeigte,  hatte sich in der Gruppe 1 innerhalb von 9 Tagen der Spiegel um 12, bei der Grupppe 2 um 27 nmol/mL gesteigert.

In den folgenden Tagen stieg der Spiegel zwar weiter an, erreichte aber gegen Ende der Beobachtungszeit ein oberes Plateau und blieb danach unverändert.

(Über ähnliche Ergebnisse hatten wir auch schon in der Vergangenheit hier, hier, hier, und hier berichtet)

Studie: E.Thieden et al., Sunbed Radiation Provokes Cutaneous Vitamin D Synthesis in Humans. A Randomized Controlled TrialPhotochemistry and Photobiology Nov-Dez. 2008 ; 84(6):1487-92 (vorab online veröffentlicht 29.05.2008 )

Sonnenbank ist optimal für die Vitamin D-Synthese

In Ländern wie Deutschland oder mehr noch wie in den skandinavischen Ländern ist die Kraft der natürlichen Sonne zwischen Oktober und März nicht stark genug, das lebensnotwenige Vitamin D im Köper “herzustellen”. Die im Sommer angesammelten Vorräte an Vitamin D, die im Fettgewebe des Körpers gespeichert sind, sinken rapide ab. Die Menschen werden anfällig gegen viele Krankheiten, weil etwa ihr Immunsystem nicht mehr ausreichend durch das “Sonnenschein-Vitamin” gesteuert wird.

Kann in dieser Mangel-Situation die Sonnenbank mit ihren UV-Strahlen helfen? oder lässt sich der Mangel ebensogut oder besser durch die Ernährung oder Nahrungsergänzungen beheben?

Dieser Frage ist eine Forschergruppe an der medizinischen Fakultät der Universität Oslo nachgegangen. Die Ergebnissse münden in ein Plädoyer für die Sonnenbank:

Die Teilnehmer an dem Experiment, Norweger zwischen 20 und 35 Jahren, mit dem sensiblen Hauttyp I oder II, erhielten zweimal pro Woche eine Bestrahlung auf einer handelsüblichen Sonnenbank unterhalb der Erythem-Grenze (MED – die Bestrahlungsdosis, bei der die Haut eine erste Rötung zeigt) für die Dauer von vier Wochen.

Es zeigte sich, dass ohne Hautschäden der Vitamin D-Spiegel (25 OH D3) in dieser Zeit um durchschnittlich 40 Prozent gesteigert werden konnte. Die Probanden entwickelten eine milde Bräunung ihrer Haut.

Im Anschluss an die Besonnung auf der Sonnenbank wurde einer Gruppe regelmäßig Lebertran – das effektivste Nahrungsergänzungmittel mit Vitamin D – verabreicht. Eine andere Gruppe erhielt keine zusätzliche Vitamin D-haltige Nahrung.

Acht Wochen nach dem letzten Besuch der Sonnenbank war der Vitamin D-Pegel bei allen Probanden wieder auf den ursprünglich gemessenen Stand zurückgegegangen – auch in der “Lebertran-Gruppe”!

Quelle: PubCrawler

Studie: Alina Carmen Porojnicua et al., Sun beds and cod liver oil as vitamin D sources, Journal of Photochemistry and Photobiology B: Biology, doi:10.1016/j.jphotobiol.2008.02.007 (online vorab veröffentlicht)

frau-sonne-solarium-klein.jpgZumindest in den USA muss das gängige Bild vom typischen Sonnenbank-Nutzer revidiert werden. Deutlich häufiger als bisher vermutet suchen auch Menschen über 50 Jahre ein Sonnenstudio auf.

In einer Studie mit fast 30.000 erwachsenen Amerikanern, die im Rahmen des Forschungsprojekts “National Health Interview Survey (NHIS)” nach ihren Gesundheits-Gewohnheiten befragt wurden, berichten die Wissenschaftler vom Fox Chase Cancer Center, Philadelphia, USA ausserdem über typisches Risikoverhalten beim Umgang mit Sonne und Sonnenschutz.

Zwar machten die jüngeren Jahrgänge einen größeren Anteil bei den Solarium-Nutzern aus (20 Prozent der 18-29jährigen und 17% der 30 – 39jährigen) aber immerhin noch 10 Prozent der 50-64jährigen und gar noch 8 Prozent der über 65jährigen legten sich zumindest gelegentlich auf eine Sonnenbank.
(Für Deutschland kommt eine noch unveröffentlichte Studie des Forschungszentrums Jülich im Auftrag des Bundesamts für Strahlenschutz zu ähnlich überraschenden Ergebnissen.)

Die Solarien-Nutzer waren überwiegend Frauen, weiss und besser ausgebildet, mit einem höheren Schulabschluss. In den höheren Altersgruppen glich sich das Verhältnis von Männern zu Frauen auf der Sonnenbank immer mehr an.

Gleichzeitig aber zeigte die Studie auch, dass bei den unter 50jährigen die Sonnenbank-Nutzer schneller bräunten, gleichzeitig aber auch über mehr Sonnenbrände in ihrer Freizeit im Freien berichteten und weniger auf Sonnenschutz (Cremes, Aufenthalt im Schatten) achteten.

Ungewollt bestätigten diese Ergebnisse die Vermutung, dass einige Studien, die einen Zusammenhang von Solarien-Nutzung und Hautkrebs festzustellen glaubten, die tatsächlichen Gründe für diese Verbindung in Wirklichkeit bei den “Freizeit-Sonnern” mit häufigen Sonnenbränden hätten suchen müssen.

Quelle: Science Daily

Studien:
E.J. Coups et al., Prevalence and correlates of indoor tanning among US adults. Journal of the American Academy of Dermatology, 2008, 5. März (online vorab veröffentlicht)

E.J. Coups et al., Multiple skin cancer risk behaviors in the U.S. population . Am J Prev Med. 2008 Feb;34(2):87-93

frau-nah-sonnenbank-solarent.jpgDie Nutzung von Solarien hat nichts mit der Entstehung von “schwarzem” Hautkrebs (Melanom) zu tun. Das ist das Ergebnis einer dänischen Studie, die in diesen Tage in der internationalen Fachzeitschrift “Photodermatology, Photoimmunology & Photomedicine” veröffentlicht wurde.

Die Forscher waren von der Annahme ausgegangen, dass sich ein Unterschied in der Entwicklung der Melanom-Fälle seit der Erfindung und dem Boom der Sonnenbank in Dänemark zwischen Männern und Frauen durch die wesentlich höher Nutzung der Sonnenbank durch Frauen ergeben müsste.

Zu ihrer Überraschung aber entwickelten sich die Kurven der Melanom-Fälle (Inzidenz) von Frauen und Männern völlig gleich, sowohl in den Jahren vor (1977-89) wie nach (1990-2004) dem Solarien-Boom. Und das obwohl die Frauen drei-viermal häufiger ein Solarium nutzten als die Männer.

Auch die Erklärung, dass sich halt die Männer in dieser Zeit statt im Solarium häufiger im Freien sonnten, erwies sich als nicht stichhaltig. Es gab keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern in ihrem Freizeitverhalten an der Sonne über den gesamten untersuchten Zeitraum.

Ein Einfluss der Sonnenbank auf die Entstehung von schwarzem Hautkrebs sei damit sehr unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher allerdings nach Lage der Daten ein Zusammenhang von Solariennutzung und dem harmloseren Basaliom.

Quelle: PubMed

Studie: A. Faurschou , H.C Wulf, Ecological analysis of the relation between sunbeds and skin cancer, Photodermatology, Photoimmunology & Photomedicine, 2007; 23(4):120-5