Archiv für das Tag 'Vitamin D-Mangel'

Geburt und Neugeborene bei Vitamin D-MangelTrotz rasch anwachsender Informationen über Sonne und Vitamin D in der Schwangerschaft ist die Verunsicherung der schwangeren Frauen – vor allem angesichts der dermatologischen Angstkampagnen – nach wie vor groß.

Schwangere gehören zu den “Problemgruppen” in der Bevölkerung mit überdurchschnittlichem Vitamin D-Mangel bei gesteigertem Vitamin D-Bedarf.  Schon unter “normalen” Bedingungen erreichen Frauen, laut Nationaler Verzehrsstudie von 2008, zu 91 Prozent nicht die empfohlenen Ernährungs-Richtwerte für die notwendige Vitamin D-Aufnahme. Die möglichen Folgen sowohl für die Geburt als auch für die Neugeborenen sind gravierend. Nirgendwo richten die Aufrufe  zum “totalen Sonnenschutz” mehr Schaden und Leiden an als gerade hier.

In einer Podiumsveranstaltung der Universität Hohenheim (“Vitamin D-Mangel in Deutschland – ein Grund zur Sorge?“) mit einem halben Dutzend hochkarätiger Experten gab es über die Dramatik der schleichenden Vitamin D-Mangel-”Pandemie”  keine abweichende Meinung. Prof. Berthold Kletzko, Pädiater am Universitätsklinikum München, nutzte gar sein Schlusswort für einen Appell an die verantwortlichen Organisationen und Politiker, dem Problem mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

Ähnlich der dringende Aufruf von zwei der bekanntesten pädiatrischen Vitamin D-Forscher vom UCL Institute of Child Health and Centre for Paediatric Epidemiology and Biostatistics in London, Elina Hyppönen und Barbara Boucher zu einem “unified approach in National policy“  bei der Vermeidung von Vitamin D-Mangel in der Schwangerschaft, der in der August-Ausgabe des British Journal of Nutrition erschienen ist.

Zwei weitere Studien aus den vergangenen Wochen belegen diese Dringlichkeit:

Eine der häufigsten Geburtskomplikationen ist die Präeklampsie, eine Kombination verschiedener Symptome, vor allem Bluthochdruck und Ödembildung. Vitamin D-Mangel spielt dabei eine wichtige Rolle.  Forscher vom Massachusetts General Hospital in Boston, USA, untersuchten 51 Fälle von Präeklampsie bei ansonsten gesunden Frauen und verglichen die Vitamin D-Werte in der Mitte der Schwangerschaft mit denen von 304 Frauen mit unauffälligen Geburten.

Frauen mit einem Vitamin D-Spiegel von 50 nmol/L oder weniger litten vier Mal häufiger an einer schweren Präeklampsien als Schwangere mit normalen Werten von 75 nmol/L oder mehr. Nach Ausschluss verschiedener anderer Faktoren stieg das Risko einer Präeklampsie für Frauen mit Vitamin D-Mangel um mehr als das Fünffache.

Ein holländische Studie vom Institute of Health Sciences mit 3730 Schwangeren aus der Region Amsterdam belegt die Folgen eines Vitamin D-Mangels während der Schwangerschaft für die Neugeborenen: Niedrigeres Geburtsgewicht (im Durchschnitt -115 Gramm) sowie ein deutlich mehr als doppelt so hohes Risiko einer unterdurchschnittlichen Größe und eines verzögerten Wachstums.

Ein Teil der Neugeborenen konnten allerdings diese Start-Defizite durch schnelleres Wachstum und Gewichtszunahme im ersten Lebensjahr wieder “wettmachen”.

Anders als erwartet spielte die ethnische Herkunft keine wesentliche Rolle beim Auftreten des Vitamin D-Mangels und seiner negativen Folgen.

Quelle: Diverse

Studien:
E. Hyppönen, B.J. Boucher, Avoidance of vitamin D deficiency in pregnancy in the United Kingdom: the case for a unified approach in National policy, British Journal of Nutrition, 2010 Aug;104(3):309-14

Arthur M. Baker et al., A Nested Case-Control Study of Midgestation Vitamin D Deficiency and Risk of Severe Preeclampsia , Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 18. August 2010, online vorab veröffentlicht

E.R. Leffelaar et al., Maternal early pregnancy vitamin D status in relation to fetal and neonatal growth: results of the multi-ethnic Amsterdam Born Children and their Development cohort, British Journal of Nutrition. 2010 Jul;104(1):108-17

Urlaubsgeld mit SandstrandWer jetzt im Sommer die täglichen Standard-Warnungen von Dermatologen vor den tödlichen Sonnenstrahlen in den Medien verfolgt und gleichzeitig, wenn auch etwas weniger standardisiert und ritualisiert,  die Klagen der Wissenschaftler und der ärzlichen Nicht-Dermatologen über den keineswegs weniger tödlichen Mangel an Sonnenschein und Sonnenschein-Vitamin D liest, den juckt es, darüber eine Satire zu schreiben.  Rein in die Sonne, raus aus der Sonne – ja was denn nun?

Jetzt hat sich – leider nur im fernen Amerika – endlich ein bekannter Journalist und Satiriker, Harmon Leon, daran gemacht, das Rätsel der dermatologischen “Sonnenschein-bringt-uns-um-Botschaft”, wie er es nennt, zu lösen. Und zwar mit der klassischen Fragen: Wer profitiert davon? Wer hat ein Interesse an der so erzeugten “Sonnen-Panik”?

Da die Antwort am besten an der Quelle zu finden sein würde, ging Leon in den journalistischen Untergrund, sozusagen, nämlich als Patient in eine Reihe dermatologischer Praxen in seiner Heimatstadt San Franzisko. Mystery Shopping heisst das Verfahren auch im Neu-Deutschen und wird mit nie versagendem Erfolg auch bei uns  von “Enthüllungsreportern” angewendet, wenn es um die Anklage gegen die künstliche Besonnung in Sonnenstudios geht.

Anders als RTL oder BILD bei uns, die gelegentlich Mühe haben, die dramaturgisch passende “Brezelbude” (ähnlich wie bei Restaurants, Auto-Werkstätten oder öffentlichen Toiletten gibt es auch unter den Solarienbetreibern etliche Ausreisser nach unten) zu entdecken , wurde Leon schon bei seinen ersten Besuchen fündig: Die Wort und Ton-Protokolle seiner Besuche verführen zu ungehemmten Heiterkeitsausbrüchen. Aber das Lachen bleibt einem im Halse stecken. Hier wird mit Entsetzen Spott getrieben.

Mit ein wenig Dramatisierung, phantasievollen Statistik-Hinweisen und schnell konstruierten Begründungen werden irritierende Muttermale zu Melanome “aufgewertet”, auf Kassen-Kosten und Statistik-wirksam entfernt (der “schwarze” Hautkrebs gilt als eine der häufigsten Krebs-Fehldiagnosen, JNCI Journal of the National Cancer Institute 2010 102(9):605-613). In allen Fällen, mit einer einzigen Ausnahme, wurde Leon eindringlich ermahnt, im Freien immer Sonnencremes mit hohem LSF aufzutragen und vor allem die lebensgefährlichen Solarien zu meiden. Phototherapie, ebenfalls UV-Bestrahlung,  dagegen sei eine gute Sache.

Keiner der besuchten Ärzte erwähnte die Tatsache, dass Sonnenschutzmittel nachweislich nicht vor Melanoma schützen, noch dass Vitamin D-Mangel durch Vermeiden oder Blocken von Sonnenstrahlen weit mehr Schaden anrichtet als die UV-Strahlen – selbst bei unvernünftiger Anwendung, noch dass die Neuerkrankungen an “schwarzem” Hautkrebs nur “statistisch” und nur bei den Älteren ansteigen und die Todesfälle seit Jahrzehnten eher abnehmen etc. etc.

Leon`s Erklärung dieses Phänomens: “In dieser zu Panikattacken neigenden Gesellschaft profitiert die kosmetische Dermatologie davon, dass überAngst-betriebene Pipelines Patienten in die Praxen gespült werden…Die dermatologische Industrie hat sich in ihre Sandkasten-Ecke verkrochen, um nicht die wissenschaftliche Realität einer ausgewogenen Botschaft akzeptieren zu müssen: Sonnenschutz im Licht der Forschung, die völlig eindeutig die Notwendigkeit regelmäßiger Besonnung aufzeigt.”

Quelle: Harmon Leon: Is Profit Behind Dermatology’s ‘Sun Scare’ Message? Huffington Post, 13. Juli, 2010

Je besser die Versorgung mit den Sonnenschein-Vitamin D, desto geringer das Risiko, an der Parkinson`schen Krankheit zu erkranken.

In einer Langzeitstudie untersuchten finnische Forscher die Auswirkungen des Vitamin D-Mangels mit dem chronischen Dopamin-Verlust, der diese “Schüttellähmung” verursacht. Die Wissenschaftler vom National Institute for Health and Welfare, Helsinki, Finland, unter Leitung von Paul Knekt, untersuchten 3.173 Männer und Frauen im Alter von 50 bis 79 Jahren, die bei Beginn der Studie im Jahr 1978 noch keine Parkinson-Symptome aufwiesen. 30 Jahre später hatten 50 Teilnehmer einen Parkinson entwickelt.

Die Teilnehmer mit den höchsten Vitamin D Werten im Blut litten zu 67 Prozent seltener an der Krankheit als die Probanden im unteren Viertel der Vitamin D-Versorgung.

Trotz des allgemein niedrigen Vitamin D-Spiegels von weniger als der Hälfte der optimalen Dosis von 75-80 nmol/l im sonnenarmen Finnland zeigte sich eine eindeutige Beziehung zwischen der Vitamin D-Dosis und dem Auftreten der Krankheit.

Unsere Ergebnisse belegen die Vermutung, dass chronischer Vitamin d-Mangel ein Risikofaktor für die Parkinson`schen Krankheit darstellt.”

Quelle: JamaMedia.org

Studie: Paul Knekt et al., Serum Vitamin D and the Risk of Parkinson Disease, Archives of  Neurology 2010;67[7]:808-811

Editorial: M.L. Evatt, Beyond vitamin status: is there a role for vitamin d in Parkinson disease? Arch Neurol. 2010 Jul;67(7):795-7

Die Kontrolle des Blutzuckers hängt nicht zuletzt ab von einer ausreichenden Versorgung mit Vitamin D. Sonnen- und Vitamin D-Mangel spielen eine wesentliche Rolle bei der Entstehung von Diabetes 2. Gleich drei Studien aus den vergangenen Wochen belegen diesen Zusammenhang.

Ein Forscherteam der Universitäten Harvard, Tufts und Boston werteten Daten der Framingham Offspring Studie über einen Zeitraum von sieben Jahren aus. Bei 132 Teilnehmern wurde in dieser Zeit eine Diabetes 2 diagnostiziert. Im Vergleich zu dem Drittel der Teilnehmer mit dem niedrigsten Vitamin D-Spiegel im Blut zu Beginn der Untersuchung hatten die Teilnehmer im oberen Drittel der Vitamin D-Versorgung ein um 40 Prozent niedrigeres Erkrankungsrisiko. Dabei waren alle bekannten Risikofaktoren für Diabetes 2 ausgeschlossen worden.

Entsprechend die Schlussfolgerung der Forscher: “Unsere Ergebnisse belegen die Verbindung eines niedrigeren Diabetes-Risikos mit einem höheren Vitamin D-Status. Die optimale Versorgung mit Vitamin D sollte eine der Strategien sein, künftige Diabetes 2 Erkrankungen zu verhindern.”

Ähnlich die Ergebnisse einer Studie an der Johns Hopkins University School of Medicine, Baltimore, USA, wo ein Team unter Leitung der Endocrinologin Prof. Esther Krug 124 Patienten im Alter zwischen 36 und 89 Jahren mit Diabetes 2 über fünf Jahre auf ihren Vitmain D-Spiegel untersuchten. Nicht weniger als 91 Prozent litten unter einem deutlichen Vitamin D-Mangel (weniger als 15 ng/ml) oder zumindest einer Unterversorgung (15-31 ng/ml). Ein niedrigerer Vitamin D-Wert ging einher mit einer geringeren Fähigkeit der Blutzuckerregulierung und einem höheren Blutzuckerspiegel.

Nach den Ergebnissen unserer Studie spielt die Vitamin D-Versorgung eine wichtige Rolle bei der Entsteheung von Diabetes 2“, so Prof. Krug bei der Präsentation zum Jahreskongress der US-Endokrinologen in San Diego. Und ihr Appell an die Hausärzte: “Die Kontrolle und die Verbesserung des Vitamin D-Spiegels in der Erstversorgung könnte die Erfolge bei der Bekämpfung dieses weit verbreiteten Leidens wesentlich steigern.

Eine völlig andere Perspektive aber ähnliche Resultate bietet eine dänische Langzeitstudie. Danach verdoppeln sich die Überlebenschancen bei Folgeerkrankungen von Diabetes 2, insbesondere bei den häufig auftretenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit ausreichender Vitamin D- Versorgung im Vergleich zu drastischen Vitamin D-Defizit (<13,9 nmol/l). Auch wenn die üblichen Risikofaktoren für Herz-Keislauf- und Gefäßerkrankungen ausgeschlosssen wurden, blieb das Ergebnis unverändert.

Die Studie hatte 289 Diabetes-Patienten über durchschnittlich 15 Jahre begleitet.

Die Autoren warnen allerdings vor voreiligen Schlüssen: “Ob die regelmäßige Vitamin D-Supplementierung tatsächlich die Überlebensprognose wesentlich verbessern würde, muss erst noch in klinischen Studien nachgewiesen werden.”

Gilt das auch für Diabetes 1?

Während der Zusammenhang von Diabetes 2 mit Sonne und Vitamin D relativ gut gesichert ist, sind bei Diabetes 1 mehr Fragen offen.

In einer umfassenden Review-Studie wertet Prof. E. Hyppönen vom UCL Institute of Child Health, London, die bisher erschienen Studien aus: Unter ganz verschiedenen Ansätzen und Methoden sei dieser Zusammenhang belegt und die biologische Wirkweise plausibel.

Studien:
1. Paul F Jacques et al., Predicted 25-hydroxyvitamin D score and incident type 2 diabetes in the Framingham Offspring Study, American  Journal of  Clinical  Nutrition, April 14, 2010

2. Quelle: Eurekalert/Science Daily – Bericht vom Jahreskongress der US-Endokrinologen

3. Christel Joergensen et al.,  Vitamin D levels and mortality in type 2 diabetesDiabetes Care, online vorab veröffentlicht6. Juli 2010.

4.  E. Hyppönen, Vitamin D and increasing incidence of type 1 diabetes-evidence for an association? Diabetes, Obesity & Metabolism 2010 Sep;12(9):737-43

depressionÄltere Menschen mit einem Vitamin D-Mangel entwickeln eher eine Depression als andere. Das betrifft vor allem Frauen.

Ein Forschungsteam um Prof. Luigi Ferrucci vom National Institute on Aging in Baltimore, USA, beobachteten über einen Zeitraum von mehr als sechs Jahren insgesamt 531 Frauen und 423 Männer im Rahmen der inCHIANTI-Studie, um herauszufinden, ob deren Vitamin D-Status in einem Zusammenhang mit einer Depression bzw. mit der Entwicklung einer Depression stünde.

Zu Beginn der Studie wiesen 72 Prozent der Menschen, die schon an Depressionen litten, einen Vitamin D-Mangel auf (<50 nmol/L). Von den nicht depressivenTeilnehmern waren es nur 60 Prozent.

Entscheidender aber: Die Teilnehmer mit einem Vitamin D Mangel entwickelten im Laufe der Jahre sehr viel häufiger eine Depression, gemessen an einem stadardisierten Depressions-Test,  als die Teilnehmer mit normalem Vitamin D-Spiegel. Bei den Frauen war dieses Verhältnis besonders ausgeprägt. Doppelt so häufig als die Mitglieder der Gruppe mit normalen Vitamin-Werten erkrankten die Frauen mit Vitamin D-Mangel an Depression und depressiven Verstimmungen. Bei den Männern lag das Verhältnis wesentlich niedriger.

Das sei zwar noch kein ausreichender Beweis dafür, dass der Vitamin D-Mange ein oder gar der Grund für die Depression sei, so Prof. Ferrucci, aber “die Bekämpfung eines Vitamin D-Defizits wird vermutlich in Zukunft ein wesentlicher Teil der Therapie sein zur Vermeidung einer depressiven Entwicklung bei älteren Menschen mit all den negativen Folgen für die Gesundheit. Ausserdem wird die Normalisierung des Vitamin D-Spiegels auch zu jeder Depressions-Therapie vor allem bei den Älteren gehören“.

Depression durch Vitamin D-Mangel verhindert Heilung anderer chronischer Krankheiten

In einer anderen Übersichts-Studie unterstreichen die Autoren um Prof. Penckhofer von der Loyola Universität,  Chicago, dass eine durch den Mangel an Sonnenschein-Vitamin entstandene oder vertiefte Depression auch der Therapie anderer, gleichzeitig auftretender chronischer Krankheiten im Wege stehen könnte.

Sie fassen zusammenen: “Die wirkungsvolle Diagnose und Behandlung von Vitamin D-Mangel bei Patienten mit Depressionen oder depressiven Verstimmungen ist eine einfache und kostengünstige Therapie, die die Langzeit-Gesundheit und die Lebensqualität der Patienten wesentlich verbessern könnte.”

Psychose-ähnliche Symptome treten seltener auf

Eine schwedische Studie unterstreicht in diesen Tagen die Breite der positiven Wirkungen von ausreichender vitamin D-Versorgung bei psychischen Störungen.

Eine schwedische Studie mit 33 623 Teilnehmerinnen, die beim Beginn der Studie 1991/92  30-49 Jahre alt waren, untersuchte über eine Zeitraum von mehr als 10 Jahren das Auftreten von Psychosen und ähnlichen Symptomen im Zusammenhang mit dem Anteil von Vitamin D-reicher Ernährung (z.B. fetter Fisch) und den Vitamin D-Werten im Blut.

Bei dem Viertel der Teilnehmerinnen mit dem höchsten Vitamin D-Spiegel halbierte sich fast das Auftreten Psychose-ähnlicher Erscheinungen gegenüber dem Viertel mit den niedrigsten Werten.

Quelle: Reuters Health/PubCrawler

Studien:
Luigi Ferrucci et al., Serum 25-Hydroxyvitamin D and Depressive Symptoms in Older Women and Men, Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism,  vorab online, 05. Mai 2010

S. Penckofer et al.,  Vitamin D and depression: where is all the sunshine? Issues in Mental Health Nurs.,  Juni 2010 ;31(6):385-93.

Maria Hedelin et al., Dietary intake of fish, omega-3, omega-6 polyunsaturated fatty acids and vitamin D and the prevalence of psychotic-like symptoms in a cohort of 33 000 women from the general population, BMC Psychiatry 2010, 10:38, vorab online 26 May 2010

weisweiler georgRegelmäßiges Sonnetanken hilft Vitamin-D-Mangel und damit unter anderem auch Osteoporose vorzubeugen“,  riet der saarländischen Gesundheitsminister Georg Weisweiler, FDP, den Bewohnern eines Altenwohnheims bei einem Besuch Rahmen des Projektes „3 x 15“ der Landesarbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung Saarland e.V. (LAGS).

Der Slogan “3 x 15″ drückt die Empfehlung der Arbeitsgemeinschaft aus, wöchentlich mindestens drei Mal 15 Minuten an der (Mittags-)Sonne aufzuzhalten, um den Körper mit dem lebensnotwendigen Vitamin D zu versorgen.

Der Vitamin-D-Mangel stehe im Verdacht, neben der Osteoporose auch das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes und verschiedene Krebsarten zu erhöhen. Dabei bilde der Körper rund 90 Prozent seines Vitamin-D-Bedarfs mit Hilfe der UVB-Strahlung der Sonne selbst, so der Minister „Und das Beste ist: Sonne ist kostenlos zu bekommen“.

Die Kampagne “3 x 15” wurde im Mai vergangenen Jahres mit Unterstützung des epidemiologischen Krebsregisters des Saarlandes (Esther-Studie), der Uniklinik Homburg, des saarländischen Gesundheitsministeriums und des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg gestartet. Hintergrund der Vitamin-D-Kampagne „3 x 15“ ist der Mangel an Vitamin D bei mehr als der Hälfte aller älteren Menschen in Deutschland.

Quelle: Pressemitteilung des saarländischen Ministeriums für Gesundheit und Verbraucherschutz

Website der Aktion: www.3×15.lags.de

Internationale und nationale medizinische Gesellschaften und Gesundheitsorganisationen ändern derzeit ihre Richtlinien und Empfehlungen zur Vitamin D-Versorgung und zum Umgang mit Sonne und Solarium. Wir können hier nur über einige typische Beispiele berichten.

Jetzt hat die International Osteoporosis Foundation (Internationale Osteoporose Gesellschaft) ihre Richtlinien den neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen angepasst:

Vor allem für die Älteren (65 +) wird

  • ein Vitamin D-Spiegel im Blut – 25(OH)D – von 75 nmol/L,
  • eine tägliche Vitamin D-Zufuhr von 20-25 ng (800-1.000 IE),
  • die Verdopplung dieser Mengen bei Menschen, die sich wenig an der Sonne aufhalten,  an Übergewicht oder Osteoporose leiden oder die Probleme mit der Vitamin D-Synthese haben,
  • eine Kontrolle der Blutwerte

empfohlen.

Diese Werte liegen zwar noch deutlich unterhalb der Werte, die von vielen Experten als optimal angesehen werden, verdoppeln andererseits aber die bisherigen Empfehlungen der meisten Gesundheitsorganisationen.

Dr. Bess Dawson-Hughes von der  Tufts University, wies bei der Vorstellung der neuen Richtlinien auf die weltweit verbreiteten Vitamin D-Defizite hin:

Dieser verbreitete Mangel bedeutet, dass viele Stürze und Knochenbrüche durch eine ausreichende Vitamin D-Versorgung verhindert werden könnten. Diese so einfach zu realisierenden Maßnahmen könnten bedeutende positive Wirkungen zeitigen auf die Häufigkeit osteoporotischen Brüche.”

Erst kürzlich waren auch in Deutschland z.B. die Osteologie-Leitlinien in ähnlicher Form geändert worden.

Quelle:  International Osteoporosis Foundation

In einer Übersichtsstudie zum aktuellen Stadt der Forschung um Vitamin D, Sonne und UV-Strahlen kommt einer der bekanntesten deutschen Vitamin D-Forscher (wir haben über Studien seiner Forschergruppe hier, hier, hierhier, hier, hier und hier berichtet), Dr. Armin Zittermann vom Herzzentrum Bad Oeynhausen, zu dem Ergebnis, dass durch eine deutliche Verbesserung der Unterversorgung mit Vitamin D (40-45 Prozent der deutschen Bevölkerung) und vor allem des akuten Vitamin D Mangels (weitere 15-30 Prozent) im deutschen Gesundheitssystem jährlich ein Betrag von fast 40 Milliarden Euro eingespart werden könnte.

Zittermann berücksichtigt bei seinen Kalkulationen lediglich die “tragfähigsten” Ergebnisse der jüngeren Forschung, vor allem Studien zu Osteoporose und einigen chronischem Erkrankungen wie Diabetes, MS und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Es müsse, so der Forscher, möglich sein, in Deutschland den Vitamin D-Mangel innerhalb von 5 – 10 Jahren zu beseitigen – durch kontrollierte UV-Bestrahlung (Sonne und Solarium) und/oder Nahrungsergänzung in einer Größenordnung von 25 g täglich.

Dr. Zittermann:
Die derzeitigen offiziellen Sonnenschutz- und Ernährungs-Empfehlungen verursachen zweifellos den gegenwärtigen Vitamin-Mangel. Daher ist es dringend notwendig, die Sonnenschutz-Politik und die Vitamin D-Empfehlungen für Ernährung und Nahrungsergänzung drastisch zu ändern.”

Gleichzeitig erscheint eine Studie zu den gesundheitsökonomischen Effekten des Vitamin D-Mangels in Kanada. Die Autoren vom Sunlight, Nutrition, and Health Research Center (SUNARC) in San Francisco, USA, kommen in ihren Berechnungen  zu dem Ergebnis, dass bei ausreichender Vitamin D-Versorgung der Bevölkerung durch UVB-Strahlen der Sonnen oder im Solarium bzw. durch Nahrungsergänzung in Kanada allein 37.000, also etwa 16 Prozent, der jährlichen Todesfälle vermieden werden könnten. Die eingeparten Gesundheitskosten lägen bei 14,4 Milliarden Dollar, knapp 7 Prozent der Gesamtkosten.

Quelle: PubCrawler

Studien:
A. Zittermann, The estimated benefits of vitamin D for Germany, Molecular Nutrition & Food Research, online vorab publiziert 01.04.2010

W.B. Grant et al., An estimate of the economic burden and premature deaths due to vitamin D deficiency in Canada, Mol Nutr Food Res., 29. März 2010, vorab online publiziert

Mother hugging her baby boy sonHäufige Ursache, schreckliche Wirkung:
Viele Schwangere leiden unter Vitamin D-Mangel und geben diesen Mangel an ihre Babies weiter. Obwohl Frauen in der Schwangerschaft zusätzlichen Bedarf an Vitamin D haben, vor allem in den Monaten von Oktober bis Ende März („Vitamin D-Winter“), scheuen sie oft vor Sonnenbädern oder Solarium-Besuchen zurück, aus der unbegründeten Angst, Ihr Baby durch die UV-Strahlen zu schädigen.

Der Vitamin D-Mangel aber erhöht das Risiko für die Neugeborenen erheblich, an Rachitis oder anderen Stoffwechselstörungen zu leiden.
Bei diesen Babies aber kommt es bei der Geburt oder einfach beim ganz normalem Umgang im Alltag zu Knochenbrüchen.

Kinderärzte vermuten dann unter Umständen eine Kindesmisshandlung und zeigen die entsetzten Eltern an. Die Tragödie nimmt ihren Lauf.

In seinem Newsletter greift der bekannte Vitamin D-Forscher Dr. John B. Cannell, Direktor des Vitamin D Council,  dieses leidvolle Thema auf in einer Antwort auf den Brief einer verzweifelten Mutter:

Newsletter der Vitamin D-Foundation in deutsche Übersetzung (gekürzte Fassung)

Newsletter der Vitamin D-Foundation in deutscher Übersetzung mit sämtlichen Links zu wissenschaftlichen Studien (ungekürzt)

Newsletter des Vitamin D-Council im Original (Englisch)

Mangel weit verbreitet

Heute veröffentlicht:
Eine Studie der Boston University School of Medicine untersuchte 459 Mütter mit ihren Neugeborenen und fanden: “Ein hoher Anteil der Kinder und Ihrer Mütter wiesen ein Vitamin D-Defizit auf.”  Die Vitamin D-Werte der Mütter in der Schwangerschaft seien offensichtlich nicht ausreichend, die angemessene Versorgung der Babies mit dem Sonnenschein-Vitamin sicherzustellen.

In diesem Weblog haben wir über Schwangerschaft und Sonnenschein-Vitamin hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier berichtet.

Studie:  A. Merewood, M.F. Holick,  S. D. Mehta et al.,  Widespread Vitamin D Deficiency in Urban Massachusetts Newborns and Their Mothers, PEDIATRICS, vorab online 22. März 2010

Gefährdet: Menschen mit dunkler Haut in sonnenarmen Ländern

Gefährdet: Menschen mit dunkler Haut in sonnenarmen Ländern

Wenn die Sonnenstrahlen (im Freien oder im Solarium) nicht ausreichen für eine gesunde Vitamin D-Bildung in der Haut, erhöht sich das Risiko um ein Vielfaches, an einem Nierenleiden zu erkranken. Das trifft in besonderem Maße Menschen mit dunkler Haut, da das hautschützende Melanin (Bräunungspigment) gleichzeitig die Vitamin D-Synthese in der Haut behindert. Von der Natur “gedacht” als Schutz vor tropischer Sonne, reichen dann in den nördlicheren, sonnenarmen Gegenden die UVB-Strahlen der Sonne auf die stark pigmentierte Haut nicht mehr aus.

Forscher aus verschiedenen amerkanischen  Forschungszentren an der Ost- und Westküste haben in einer – jetzt vorab online veröffentlichten – Studie den Zusammenhang von Vitamin D-Mangel (weniger als 15 ng/ml) und Nierenleiden im Endstadium vor allem bei Afro-Amerikanern untersucht. Sie nutzten dabei die Daten von über 23.000 Teilnehmern des Third National Health and Nutrition Examination Survey aus den Jahren 1988-94.

34 Prozent der Afro-Amerikaner aber nur 5 Prozent der Weißen lagen unterhalb der Grenze von 15 ng/mL, litten also unter einem akuten Vitamin D-Mangel.

Neun Jahre später hatte 65 der Teilnehmer ein Nierenleiden im Endstadium entwickelt.  Dabei stellte sich heraus, dass das Risiko einer solchen Erkrankung für Menschen mit Vitamin D-Mangel (nach dieser Definition) um das 2,6fache höher lag, als bei den besser mit dem Sonnenschein-Vitamin versorgten Teilnehmern. Auch wenn alle erdenklichen anderen Einflussfaktoren ausgeschlossen wurden, blieb es bei einer erstaunlich deutlichen Verbindung von Nierenleiden und Vitamin D-Mangel.  Das Krankheitsrisiko der Afro-Amerikaner lag um das  2,83fache über dem der weißen Amerikaner.

Quelle: HighWire

Studie:  Michal L. Melamed et al.,  25-Hydroxyvitamin D Levels, Race, and the Progression of Kidney DiseaseJournal of the American Society of Nephrology, vorab online publiziert 19. November , 2009

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